
Foto Belinda Helmerts: Versailles, Le Hameau – ein künstlich angelegtes Dorf, angelegt vom Architekten Richard Mique. keines der Länder sah Marie Antoinette am Vorabend der Revolution wirklich, da sie über die royalen Gemächer selten hinauskam. Daher holte sie die Welt zu sich in den Garten. Ein gewisser hoch verschuldeter Fitzgerald schrieb das Drehbuch für den Film „Marie Antoinette“ (1938)
es lebe die wahre Wirklichkeit, nicht die wirkliche
Vor allen in den goldenen wilden Zwanziger (the roaring twentys), die man in Frankreich les annèes folles (die verrückten Jahre) heißt. Paris, die damalige Hauptstadt der Welt, avancierte zum Zentrum für Künstler, Schriftsteller und Musiker (z. B. Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald). Der Begriff „verrückte Jahre“ spiegelt den Wunsch nach Neubeginn, Konsum und kulturellem Wandel wider. Alles schien möglich und nichts verboten in jener Epoche. https://blog.imago-images.com/de/paris-20er-jahre
F. Scott Fitzgerald lebte vor allem in der Mitte bis Ende der 1920er Jahre (ca. 1924–1930) in Frankreich, wobei er und seine Frau Zelda 1925 eine Wohnung in Paris bezogen. Er gehörte zur sogenannten „Lost Generation“ und verkehrte in Paris mit Künstlern wie Ernest Hemingway. Als die verlorene Generation bezeichnet man die Generation von Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen bezeichnet, die während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) jung waren, diesen miterlebt haben und in den 1920er Jahren zu literarischem Ruhm gelangten. Die Mitglieder dieser Generation waren zutiefst von den traumatischen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, dem Sinnverlust und der Desillusionierung und Entwurzelung geprägt, Alkoholiker und selbstmordgefährdet. Hemingway hat dieser unfreiwilligen Künstlerkolonie in seinem Debütoman „Fiesta“ 1926 eine Hommage gewidmet. https://de.wikipedia.org/wiki/Fiesta_(Roman)
Zu dem illustren Kreis gehörten neben dem um die Jahrhundertwende geborenen Amerikaner William Faulkner, John Dos Pasos, John Steinbeck. Dem engeren Pariser Kreis, der auch in „Fiesta“ aufritt, zählten jedoch Gertude Stein (von ihr stammt der Begriff lost generation), John Dos Pasos und das glamourös- exzentrische Ehepaar Fitzgerald. Diese lebten in den teuersten Hotels (wie dem Riz) der teuersten Stadt der Welt, ab April 1915 hauptsächlich jedoch in der Rue de Tilsit 14. Hier verschmolzen Abenteuerlust und Drama, traumatische Wirklichkeit und Sinnverlust. Eine reine Weltflucht war dies alles nicht, eher ein radikal individueller Lebensentwurf in einer von Kriegen und aufkommenden Faschismus bedrohten Massengesellschaft.
Ironischerweise liegt die Wohnung von Scott (1896-1940) und Zelda (1900- 1948) Fitzgeralds in einer Straße, die nach einer Schlacht und den darauf folgenden Frieden von Tilsit (1809, geschlossen zwischen Frankreich und Russland) benannt wurde. Das Appartement zwischen dem 8. und 17. Arrondissement nahe dem Arc de Triomphe am Place Charles de Gaulle und der dort beginnenden Avenue des Champs-Élysées war bestand aus drei aus drei Zimmern mit Imitationsmöbeln im Louis-XV-Stil (Rokoko), Sinnbild für Extravaganz, Luxus und Dekadenz.

Foto Belinda Helmert: Versailles, Petit Tianon, pastorales Kunstdorf, angelegt unter der letzten Königin Frankreichs Marie Antoinette.
Diesseits vom Paradies
Scott stammte aus Minnesota, der an Kanada grenzenden Bundesstaat (Stern des Nordens) , genauer aus deren Hauptstadt St. Paul., was sein künstlerisches Werk auch beeinflusste. Er wuchs in einem bürgerlichen, katholischen Milieu auf, das von dem Wunsch nach sozialem Aufstieg und einer Mischung aus finanzieller Unsicherheit und kulturellem Anspruch geprägt war. Mit 23 Jahren veröffentlichte Fitzgerald „This Side of Paradise„, in dem er das Lebensgefühl der Studenten im Jazz-Age beschreibt. Wie Hemingways „Fiesta“ ist er autobiografisch ausgerichtet. Es handelt auch von der Sorg- und Leichtigkeit, die umschlägt in innere Leere. Die Oberflächlichkeit und auch Lebensangst vor dem Scheitern führt sein Alter Ego Amory Blaine zur freiwilligen Verpflichtung als Soldat in den Ersten Weltkrieg, der sich nicht als Spiel bzw. Abenteuer herausstellt. Am Ende steht Amory mittellos da, hat mit dem Verlust von engen Freunden und Mentoren zu kämpfen und ist desillusioniert. Der Roman endet mit der Erkenntnis, dass das Leben – trotz aller Schmerzlichkeit – lebenswert ist, wenn auch nicht in einem idealisierten Paradies, sondern „diesseits“ davon.
Fitzgerald traf den Nerv der Zeit und lebte in einer Epoche, in der man von Literatur tatsächlich gut leben konnte. Fortan schrieb er 160 Kurzgeschichten und Drehbücher für Filme, die ihn hohe Einträge sicherten und damit den american dream vom raschen Aufstieg verwirklichte. Sein Leben glich einem Roman und seine Geschichten beschrieben das Leben des heutigen jet-set. https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-ein-leben-wie-im-eigenen-roman-francis-scott-fitzgerald-100.html Pikanterweise brachte ihn sein größte Welterfog „The Great Gatsby“ monetär verhältnismäßig wenig ein, zumal sich dessen Erfolg und Ruhm erst spät in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs, etablierte.
Seiner Frau Zelda begegnete der Autor von „Diesseits vom Paradies“ 1920) bereits 1918 im Südstaat Alabama, woher die Tänzerin und Malerin stammte. Er lernte sie während seiner Zeit beim Militär kennen. Sie stand zudem der Figur Daisy Buchanan im Kultroman „Der große Gatsby“ (1925) Pate. Auch wenn die Handlung in New York spielt, so stammen sie und Gatsby aus dem Süden wie auch der Vater von Scott Fitzgerald .Die Untergangsstimmung begann bereits hier, wie der Roman belegt.https://www.deutschlandfunkkultur.de/f-scott-und-zelda-fitzgerald-glamouroes-in-den-untergang-100.html (allerdings stimmt in diesem Beitrag der Satz „Über Nacht wird er mit seinem Meisterwerk „Der große Gatsby“ weltberühmt“ nicht und zeugt von schlechter Recherche).
Das Paradies existiert nicht, man muss es sich erschaffen. Dies war die Grundhaltung von Fitzgerald. Dies gilt insbesondere für den Lebensstil und das Glamour-Leben, das er mit der der aus vermögenden Südstaatenfamilie stammenden Zelda Sayne führte. Für den Schriftsteller war sie der Inbegriff einer Südstaatenschönheit (Southern Belle“) und Verkörperung des american dreams. Beide lebten jedoch auf Pump und verstarben hoch verschuldet.
Dem kurzen Rausch des Glücks folgte ein langer Kater, eine Rezession, die mit der wirtschaftlichen Depression der Dreißiger Jahre einherging und diese vorausnahm. Bereits nach „The Great Gatsby“ und „Fiesta“, als Mitte der Zwanziger Jahre, begann der Abstieg., der in einer tief zerrütteten Ehe endete. ach den frühen Jahren des Glamours und des Erfolgs wandelte sich die Ehe in den 1920er Jahren zu einer toxischen Hassliebe, geprägt von exzessivem Alkoholkonsum Scotts und psychischer Instabilität Zelda. Dieser kommt auch im wiederum biografischen Roman „Zärtlich ist die Nacht“ (1934) zum Ausdruck.

Foto Belinda Helmert: Das Hameau de la Reine (Weiler der Königin) genannte Kunstdorf, errichtet von einem Architekten aus Lothringen für die letzte französische Königin, die eine Österreicherin war nach dem Vorbild eines normannischen Dorfes. Fiktion und Wirklichkeit verschmelzen.
ein hübscher Narr auf dieser Welt
Tragisch endet „The great Gatsby“ und es ist, als hätte Fitzgerald seine eigene Agonie sehr früh erkannt. https://www.deutschlandfunkkultur.de/schriftsteller-francis-scott-fitzgerald-der-zweite-tod-vor-100.html Denn sehr früh geriet der einst neben Hemingway berühmteste Literat seiner Zeit in Vergessenheit, sehr früh scheiterte das Liebesglück und auch die Illusion vom selbstbestimmten Leben ohne Tabus. Im Grunde erlitt er das Schicksal aller Künstler der lost generation: er erholte sich nie von erlittenen Kränkungen und emotionalen Tiefschlägen. Als er an Folgen exzessiven Alkoholgenusses starb, war Fitzgerald überzeugt, als Schriftstelle gescheitert zu sein.
Einerseits verkörpert Jay Gatsby den amerikanischen Aufstieg eines self made man und einen Träumer, den seine visionäre Kraft antriebt, nicht weltverloren macht. Andererseits läuft er einem Ideal hinterher, das sich als keineswegs wirklichkeitsnah entpuppt: der Liebe seines Lebens, der unerreichbar scheinenden Daisy, die dennoch selbst eine zerbrochene Persönlichkeit ist, von ihrer Oberflächlichkeit, die Gatsby für charmant und geistvoll erachtet, ganz zu schweigen. Alle Protagonisten erweisen sich als berechnend, skrupellos und hochstapelnd. Keiner ist wirklich echt, keiner wirklich liebenswert. Beispielsweise wird eine Frau überfahren, wie sich herausstellt, die Geliebte von Daisys Mann, die im betrunkenen Zustand die Unbekannte nicht bemerkt, welche den Wagen ihres Geliebten erkennt und daher in freudiger Erwartung auf diesen zuläuft. Sie begeht Fahrerflucht, Gatsby wird von deren Ehemann erschossen, weil er in ihm den Flüchtigen vermutet und sein Auto am Unfallort bemerkt.
Allein dieses Detail verbindet drei Symptome der Zeit: Den Egozentrik, da jeder der Beteiligten nur an sich denkt und keiner human handelt, zweitens die trügerische Verkettung, die Wirklichkeit erst entstehen lässt. Sowohl das Ehepaar, das sich nicht liebt, spielt nur eine Farce, als auch Gatsby, der so sehr das Idol seiner Jugend Daisy bewundert, dass er völlig blind ist für die die Realität. Selbst sein Name ist erfunden, denn Gatsby heißt Gatz. Drittens existiert keine Moral, denn als seine wahre Identität nach den tödlichen Schüssen feststeht, besucht niemand die Beerdigung des self made Millionärs, der bezeichnenderweise durch die Prohibition reich geworden ist.
Fitzgeralds Roman ist wiederum autobiografisch geprägt, er nahm Dialoge in Tagebüchern auf, so dass auch hier sich Fakt und Fiktion überlagern. Einer der Sätze (Bonmots) des Romans, die im Gedächtnis bleiben lautet „Ich hoffe, sie wird ein Narr – das ist das Beste, was ein Mädchen auf dieser Welt sein kann, ein hübscher kleiner Narr“. Insofern ist auch fraglich, ob Gatsby wirklich liebt oder nur das Ideal der Liebe..
Insgesamt gibt es fünf Symbole in „Der große Gatsby“: zunächst West Egg, East Egg, der Stadt, der Unterwelt und dem Tal der Asche (einem trostlosen Industriegebiet dazwischen). Die ersten beiden Orte symbolisieren den alten und den neuen Reichtum und den damit verbundene Komfort, sich keine Moral leisten zu können. Das grüne Licht am Ende von Daisys Bootssteg verstrahlt Hoffnung, Träume und Zukunftsvisionen. Ein verblasstes Werbeplakat mit überdimensionalen Augen erinnert an die Abwesenheit Gottes (Fitzgerald wuchs im strengen katholischen Milieu auf). Zuletzt nutzt Fitzgerald das Wetter wie Sturm, Regen, große Dürre, um innere Zustände und Emotionen der Charaktere auszudrücken.
Eine detaillierte Zusammenfassung und Analyse der einzelnen neun Kapitel liefert https://www.inhaltsangabe.de/fitzgerald/der-grosse-gatsby/ – das erste Kapitel ist als zweisprachige Leseprobe zu finden unter 564C427C7C31316537363266326335313134323162626261356437333530386339663862627C7C504446.pdf?sq=4 und als komplettes Hörbuch unter

Foto Belinda Helmert: Versailles, das Kunstdorf wird als Hameau de la Reine, Weiler der Königin, bezeichnet. Marie Antoinette verbrachte hier wohl ihre glücklichste Zeit zwischen Juli 1785 und Oktober 89 bis zum Ausbruch der Revolution und den Umzug nach Paris.
Totenbetten machen die Menschen müde
Wie bereits in „Diesseits vom Paradies“, das auf ein Gedicht (Tiare TahitiI) des Briten Rubert Brooke beruht, so ist auch der Titel „So zärtlich ist die Nacht“ von einem Poem inspiriert – John Keats Ode an eine Nachtigall. In der Anatomie des Scheiterns handelt der Roman vom psychischen Verfall des Psychiaters Richard (Dick) Diver und seiner komplizierte Ehe in der Welt der Reichen und Schönen, die hauptsächlich auf Schein beruht. Volltext unter https://www.reuffel.de/annot/564C427C7C31316537363266326335313134323162626261356437333530386339663862627C7C504446.pdf?sq=4
In diesem Roman liebt ausgerechnet ein Psychiater mit eigener Klinik eine baby doll – eine süße Närrin, jene Nicole, die er als verrücktes süßes Ding bezeichnen kann und deren Unbekümmertheit ihn fasziniert. Wiederholt treten die Leitmotive der lost generation aus den frühreren Romanen auf: Alkohol- uns Vergnügungssucht zur Verdrängung unbewältigter Probleme, Orientierungssuche bzw. Orientierungslosigkeit, Widersprüche des american dream of life, subtile Destruktivität, bedingt durch eine toxische Beziehung und Reichtum, der seelische Armut zur Folge hat. Nicole Diver muss wegen diagnostizierter Schizophrenie in seine Klinik an der Côte d’Azur. Am Anfang erscheint er als der stabile und sie als die Kranke, doch gegen Ende hat sich das Verhältnis verkehrt: Nicole ist nach ihrer Scheidung frisch verliebte, vitale Frau und Dick der gebrochene Mann. Ihre Genesung hat seinen Verfall zur Konsequenz.
„Tender ist the night“ – detailliert erläutert unter https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/zaertlich-ist-die-nacht/16285 – ist der dritte großartig Roman von Fitzgerald, in dem er wiederum seine eigene Verlorenheit thematisiert. „Er konnte ihren Zerfall nicht beobachten, ohne daran beteiligt zu sein“ heißt es. über seine symbiotische Beziehung und im Schlusssatz „Totenbetten machen die Menschen fürwahr müde“. Auch dieser Roman wurde ein posthumer Erfolg, gerade aufgrund seiner psychischen Tiefe, während man lange eher den extravaganten Lebensstil wahrnahm, der aus der Zeit gefallen war.
Neu ist in dieser Konstellation der Promiskuität (beide Divers haben geheime Verhältnisse) ein eingebauter Störfaktor. Eine gewisse Violet durchkreuzt durch ihre Beobachtung (u.a. auch ein Mord) das sorgfältig gepflegte Bild der Divers; sie sieht hinter die Fassade und zerbricht daran. Denn für ihr Wissen wird sie von der dekadenten Gesellschaftsclique abgestraft und gemobbt. Zudem schenken Außenstehende ihr keinen Glauben. Dies mündet in einem skurilen Duell zwischen dem Ehemann von Violet und dem best body des Psychiaters auf einem Golfplatz (mit unblutigem Ausgang.
Ein vertrautes Muster bildet hingegen die Rückblende, um das Innere und die Motivation der Charaktere zu verstehen. Hinter Nicole wird dadurch Zelda und hinter Richard Scott Fitzgerald deutlich. Wie die Vorgänger-Romane handelt es sich um autobiografisch geprägte Gesellschaftskritik, hauptsächlich an der fehlenden Moral und dem Doppelleben sowie der Abhängigkeit von Alkohol, aber auch anderen Menschen.

Foto Belinda Helmert: Versailles, Hameau de la Reine Die pastorale Utopie und Rückzugsgebiet der Königin Marie Antoinette.https://de.wikipedia.org/wiki/Hameau_de_la_Reine
Die verlorene Generation – crack up …
Bereits die zweite Hälfte der 1920er-Jahre wurde für die Familie Fitzgerald zunehmend von Fitzgeralds Alkoholismus, dem nicht mehr bezahlbaren verschwenderischen Lebensstil und den zunehmenden psychischen Problemen Zeldas gekennzeichnet. Fitzgerald stand und steht für das schlampige Genie (trotz seiner Produktivität, v.a. der einträglichen Kurzgeschichten) und uneingelöste Versprechen. Inwieweit seine Gattin, selbst labile Künstlerpersönlichkeit, die weder ihr tänzerisches noch ihr zeichnerisches Talent auszuschöpfen vermochte, ihren Mann destabilisierte und ablenkte, sogar den Alkoholismus gezielt förderte, ist umstritten: sicher ist nur, dass aus ihrer Liebe bald Zerstörung erwuchs.
Menschlich und privat betrachtet, litten alle Vertreter der verlorenen Generation massiv an Beziehungsstörung. Auf der Suche nach Halt und dauerhafter Beständigkeit verloren sich alle in Affären, Sucht und Snobismus. Im Fall Fitzgeralds, den die Literaturkritik lange im Schatten von Hemingway sah, ist dies besonders auffällig, da seine Karriere früh begann und darunter litt, dass ihm der große Wurf, der auch künstlerisch befriedigte, immer wieder (scheinbar) misslang. Beruflich und gesellschaftlich repräsentiert Scott Fitzgerald die These, dass zu viele Möglichkeiten, das Risiko, die falsche Wahl zu treffen erhöhen und mit den vielen Chancen auch die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns steigt. Er erlebte Inflation und Deflation, lebte auf zu großem Fuße und verarmte, gab vor, jemand zu sein, der er vielleicht sein wollte, aber niemals war.
Tragischerweise wurde sein Werk zu spät richtig beurteilt: nachdem es anfänglich dem trivialen Geschmack der Extravaganz erfüllte und sein Publikum dort fand, wo der Traum des unbekümmerten Lebens mit Reichtum noch immer lebte, wurde Fitzgerald, der in seinen Werken die Leichtigkeit mit der Sorglosigkeit verband, als Dandy und Snob verkannt. Dabei trifft sein ihm nur zugeschriebenes Bonmot des Fitzgeralds Kern: „Es ist niemals zu spät, der zu sein, der man sein möchte.“ (entlehnt aus der verfilmten Kurzgeschichte „Der seltsame Fall des Benjamin Button“). it’s never too late to be whoever you want to be …. Fitzgerald selbst schrieb in einem Essay, was er am besten könnte, sei sich kaputtmachen. Die legendäre Bezeichnung dafür lautet „crack up“
Insgesamt schrieb Fitzgerald fünf Romane.https://literaturkritik.de/id/10158 Der Beitrag von B. Walchler akzentuiert „Fitzgeralds meisterhafter Sinn für die Zeichnung komplexer psychischer Verfasstheiten seiner Protagonisten“ über die „Entfremdung zweier Personen“ in zahlreichen Variationen. Seine Werke zeigen, wohin rücksichtsloser Materialismus, die Gier von „think big“ führt: in die Leere. Katholisch ist das Motiv der verlorenen Unschuld, dem naiven Blick auf das Leben, der die männlichen Protagonisten vom Leben trennt. Chronik eines psychischen Zusammenbruchs möchte man meinen.

Foto Belinda Helmert: Versailles, Dorf nach einem Muster in der Normandie nachgebaut für Marie Antoinette als Erholung und Weltflucht zugleich.
Toxische Bruderschaft
Fitzgeralds Beziehungen verliefen allesamt ambivalent, darunter auch die zu Kollegen, Freund und Rivalen Hemingway, dessen Ruhm den seinigen bald überstrahlte. Seit 1925 währt ihre mehr oder weniger intensive Bekanntschaft 15 Jahre und in regem Briefverkehr standen. Ihre Bekanntschaft rührt aus Dingo Bar in Montparnasse – dort, in der Rue Delambre 10 befindet sich heute das italienische Restaurant L’Auberge de Venise. Zu dieser Zeit stehen Fitzgerald auf dem Höhepunkt und der drei Jahre jüngere Hemingway (1899-1961) am Anfang seiner Karriere.
Hemingway, nahe Chicagos in Illinois, dem mittleren Westen aufgewachsen porträtiert seine Barbekanntschaft, mit der die verrückten Jahre in Paris begannen und endeten in der literarischen Figur des Robert Cohn in „Fiesta“ – dem aufgrund des besuchten berühmten Stierkampfrennens in Pamplona deutschen Titel für „The Sun Also Rises“. Auch hier liefert https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/fiesta/7138 eine umfassende Zusammenfassung samt Analyse des Gegenwartsromans. Den Volltext liefert https://www.book2look.com/book/9783499269127
Schon auf dem ersten Blick wird die Polarität der beiden Hauptvertreter der lost generation deutlich: während Cohn (der Princeton Student) eher feminin, schüchtern und elegant wirkt, ist, kann man das Alter Ego Hemingways Jake Barns nur als Raubein, Macho und Draufgänger bezeichnen, auch wenn er in „Fiesta“ unter einer kriegsbedingten Impotenz leidet. Gemeinsam ist beiden ihr Pessimismus, der auch bisweilen in Zynismus umschlägt.
Wenn stoische Maskulinität auf emphatische Sensibilität und Sensivität treffen, ist sowohl Faszination (Gegensätze ziehen sich an) als auch Konflikt vorprogrammiert. https://www.tagesspiegel.de/kultur/sie-wussten-dass-sie-besonders-sind-3838267.html Anderseits gab es Gemeinsamkeiten wie das Interesse am Stierkampf, dem politischen Weltgeschehen, der Faszination an der Kultur Europas, den Alkohol und das Wettrennen um hübsche Frauen. Lakonisch von Hemingway im Roman formuliert als „Alle benahmen sich daneben.“ Fitzgerald hingegen nannte ihre Clique „verdammt lausige Akrobaten auf einem Drahtseil.“
Wo sich beispielsweise Fakt und Fiktion im Charakter Cohns berühren ist die Tatsache, dass er in Princeton erfolglos studierte und sich in den Krieg flüchtete, sowie die Erfindung, er hätte sich dort als Boxer Geld verdient (nur Hemingway selbst nahm an Preisboxen teil), Wahr ist, dass er mit seiner jungen reichen Frau nach Paris ging, wo sich das Verhältnis änderte, als er selbst als Schriftsteller erfolgreich wurde. Erfunden hingegen ist die Trennung von ihr (im Roman Francis Clyne), wobei man diese als antzipatorische Leistung beurteilen mag. Beide sind im Roman auch nicht verheiratet und Cohn ausschließlich an ihrem Äußeren interessiert, bevor er eine Affäre mit der promiskuitiven und hedonistischen Lady Brett (real Lady Duff Twydsen), die ihn bald gelangweilt verlässt.. Robert Cohn steht am Ende isoliert als großer Verlierer da.
Immerhin sorgte der Debütoman für einen Skandal unter den sich in und hinter den Personen wiedererkennenden Prominenten. Man kann darin auch eine Parodie auf Fitzgerald selbst erkennen, da sich Hemingway über dessen physische Schwäche und Gespreiztheit (dem Gegenteil seiner Lakonie) mokierte.

Foto Belinda Helmert: Eines von 12 rustikalen Bauernhäuser des Hameau de la Reinm von Richard Mique, die am Vorabend der Revolution (Ancien Régime) entstanden.1783-88 und südöstlichen Park vom Petit Trianon liegen. Die Königin kleidete sich als Bäuerin und hielt sich Kühe Ziegen, Schafe (Musterfarm).







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