Leicht hat’s ein Dummkopf unter Hasenfüßen

Foto Belinda Helmert: Versailles, Petit Trianon, Schlafzimmer und Bett der Königin Marie Antoinette. b 1871 lebte Turgenjew in Paris und Bougival, wo er 1883 auch starb. Versailles liegt in unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnort in Bougival, wo Turgenjew seine letzten 9 Lebensjahre durchgängig verbrachte..

Paris, mon amour

Einer der wichtigsten literarischen Brückenbauer für den Austausch französisch-russischer Kultur war Iwan Turgenjew, den vor allem die Liebe seines Lebens zur berühmten, doch verheirateten Opernsängerin Pauline Viardot-Garcia (1821-1910). Die beiden begegneten sich erstmals am 1. November 1843, als sie in Sankt Petersburg gastierte. Er war sofort von ihr händeringend hingerissen und schrieb auch Libretti für sie. Beide polyglotten Künstler beherrschten die gleichen sechs Sprachen fließend_ ruissich, französisch, spanisch, italienisch, deutsch und englisch. Beide waren auf ihrem Gebiet europaweit erfolgreich. Wegen ihr verbrachte der russische Literat und enge Freund Flauberts seine zweite Lebenshälfte in Paris und Umgebung; er verstarb in Bougival. https://www.sortiraparis.com/de/was-in-paris-zu-besuchen/ausstellung-museum/articles/326117-datcha-turgenjew-haus-museum-schriftsteller-bougival-yvelines-78

Nicht zufällig befindet sich die deutsche Turgenjew-Gesellschaft in Baden-Baden: das Liebespaar lebte zwischen 1863 und 1870 lebten das Ehepaar Viardot und Turgenjew in einer ménage à trois in Baden-Baden, wo Pauline einen berühmten musikalischen Salon führte. https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-vaeter-und-soehne-autor-in-baden-baden-laterne-oder-100.html

Geboren 1818 in Orjal, 350 km südwestlich von Moskau, gehört Turgenjew dem goldenen Zeitalter der russischen Poesie an, der Generation Dostojewski, (1821) Tolstoi (1828), Gogol (1809) und Gontscharow (1812 und Lermontow (1814), die unmittelbar auf Puschkin (1799) folgten- sie alle stehen für den Umbruch, die Verwestlichung Russlands bei gleichzeitigem aufkommenden Nationalismus und Slawophilie sowie dem revolutionären Keim des Nihilismus und des Sozialismus.

Sie alle sprachen fließend französisch (teilweise besser als russisch) und besuchten Paris: Tolstoi 1857 (Prozess gegen Baudelaire und Flauberts bei Freispruch für „Madame Bovary „und Zensur von „Les Fleurs du Mal“) und 1861. Dostojewski folgte dem Ruf an die Seine 1862 und 63; Gogol war bereits 1836 (Uraufführung seines Dramas „Der Revisior“ in Paris) und mehrfach während seines Exils bis zur Februar/Märzrevolution. Zur goldenen Generation gehören die Strömungen des Realismus und des Naturalismus sowie die philosophische Wurzel des Nihilismus (Narodniki Bewegung), begleitet von einem tiefgehenden sozialen Wandel in der Gesellschaft (Entmachtung der Landaristokratie durch Befreiung der Leibeigenschaft), die Turgenjew besonders vorantrieb. Seine westliche Lebenshaltung bei Geringschätzung des orthodoxem Russentums stand im krassen Gegensatz zu Tolstoi und Dostojewski. https://www.deutschlandfunkkultur.de/200-geburtstag-von-iwan-turgenjew-der-sanfte-riese-der-100.html

Foto Belinda Helmert: Garten mit Laube des Kleinen Trianon, von Marie Antoinette bis ins Detail eingerichtet. Fast 40 Jahre (1843-83) lang war Turgenjew ein fester, enger Begleiter der Familie Viradot, zumal ihn mit dem Gatten Louis Viardot eine innige Freundschaft und die Kunst verband.Zudem spielte der Literat selbst äußerst passabel Klavier und begleitete Pauline aktiv auf Tourneen. Selbst als Sänger soll er Opern-Qualität mitgebracht haben.

1871 – Pariser Commune und ein Dauergast

Seit den Tagen der Pariser Commune verbrachte Turgenjew seine Zeit nahezu durchgehend in Bougival bei Paris (seine Datscha ist inzwischen ein Museum), wo er auch bestattet liegt. Noch heute ist er für seinen Liberalismus, u.a. das Engagement gegen die Folter und die Todesstrafe sowie die Aufhebung der Leibeigenschaft bekannt. https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Iwan-Turgenjew-Die-Stimme-der-versklavten-Bauern,audio434812.html

Er besaß Sympathie für die Aufständischen, nahm aber nicht aktiv an der Erhebung teil. Die Pariser Kommune war ein revolutionäres Räterepublik-Experiment, das nach dem verlorenen deutsch-französischen Krieg aus einer Arbeiterrebellion entstand und nach 72 Tagen blutig niedergeschlagen wurde. Die Kommune begann am 18. März 1871 als Volksaufstand gegen die französische Regierung, die als zu nachgiebig gegenüber Deutschland galt. Es war der erste Versuch einer sozialistischen Basisdemokratie, die von Arbeitern und Künstlern getragen wurde, der Mai 71 äußerst blutig endete. https://vorwaerts.de/geschichte/pariser-kommune-71-tage-die-die-welt-veranderten

Immerhin trat der Literat entschlossen für milde Strafe der politischen Gefangenen ein. Für einen Adeligen bedeutete dies durchaus eine Ausnahme. Turgenjew half mit Geld und Kontakten, damit Häftlinge der Commune (>Kommunarden) freikamen und sie als Flüchtlinge Unterkunft fanden.

Die friedliche Koexistenz vom Ehepaar und Liebhaber und ihre künstlerische Zusammenarbeit ist nahezu einzigartig. Die gefierte Musikerin überlebte beide Männer um drei Jahrzehnte. Sowohl ihr Mann (Theaterdirektor der Pariser Oper) als auch Turgenjew verstarben im Jahr 1883, so dass die Diva Pauline Viradot doppelt verwitwete. Zu Paulines intimsten Freunden zählten das Ehepaar Georges Sand und Frederic Chopin, mit denen sie viele Stunden mit Komponieren und Klavierspielen verbrachte. Viel mehr Pariser Künstlergesellschaft geht wohl nicht.

Foto Belinda Helmert: Petit Trianon, EG, Fayencen aus Moustiers-Sainte-Marie im Porzellanschrank, das durch Funde Jahr für Jahr peu à peu anwächst, doch die über 300 Teile des Service nicht annähernd wiederherstellen wird. Die meisten Stücke gingen während der Französischen Revolution verloren. Die nächste Prinzessin ist aber schon in Sichtweite. https://meinfrankreich.com/moustiers-sainte-marie/#:~:text=Moustiers%2DSainte%2DMarie:%20Hochburg%20der%20Fayence%20%2D%20Mein%20Frankreich.

Das literarische Erbe Turgenjews

Der kürzlich verstorbene Kenner russischer Literatur Horst Jürgen Gerigk liefert einen kompakten Überblick über das Gesamtwerk Turgenjews, dessen Sprachvirtuosität wohl zu den beeindruckendsten, zumal er auch in Französisch und Deutsch schrieb. https://www.horst-juergen-gerigk.de/aufs%C3%A4tze/turgenjew-heute/ Die Liste seiner umfangreichen kürzeren Romane, v.a. aber Novellen und Erzählungen ist lang. Erwähnt sind hier nur die vom Autor selbst rezipierten „Ein Adelsnest“ (1859), „Vorabend“ (1860) „Väter und Söhne“ (1862), „Rauch“ (1867) sowie die Kurzprosa „Aufzeichnungen eines Jägers“ (1852), „Erste Liebe“ (1860), „Clara Militsch“ (1883). Als Dramatiker feierte er nur seinerzeit Erfolge, die nicht wie die epischen Werke bis heute nachklingen.

In Russland förderte er durch Veröffentlichung der Romane in Zeitschriften und Übersetzungen .a. die Bekanntheit von Flaubert, Maupassant und Zola. In Deutschland verbreitete er vom wichtigsten Exilort russischer Emigranten Baden-Baden aus die seinerzeit noch verkannten Schopenhauer, Schumann und E.T.A. Hoffmann – seine Reputation verhalf ihnen zur Popularität im eigenen Land. Da er Deutschland als zweites Vaterland bezeichnete und ehrenwerte öffentliche Auftritte in deutscher Sprache auf sich nah,, gilt er als wichtigster Kulturbotschafter seiner Epoche.

Dass er zudem als bekennender Geotheaner diesen in Russland bekannt machte, sei auch erwähnt. So verfasste Turgenjew 1856 eine Briefnovelle (9 Teile) von „Faust“. Darin besucht der Erzähler Pawel. seine Jugendliebe, die nun verheiratet ist, auf dem Land. Nach der Lektüre von Goethes Faust flammen Gefühle auf, die zu einer tragischen Wendung führen. Der immer noch in sie verliebte Erzähler verführt die Verflossene mit der Literatur Goethes, es kommt zu einer leidenschaftlichen Nacht, woraufhin die Geliebte wahnsinnig wird und der Erzähler sich nach ihrem Freitod schuldbewusst in die Isolation zurückzieht. Der Kunstgriff ist ein Beispiel für die intensiv betriebene Intertextualität des polyglotten Literaten und eine äußerst innovative Adaption eines bekannten Stoffes.. Volltext unter https://projekt-gutenberg.org/authors/ivan-sergejevich-turgenev/books/faust/

Häufig wendet sich Turgenjew , Hauptvertreter des Realismus, dem Unerklärlichen meist über Liebe, mitunter auch über Mesmerismus, zu. Seine Erzählung“ „Eine seltsame Geschichte“ (1869, Baden-Baden) handelt von der durch Hypnose ausgelösten unerklärlichen Liebe einer gesunden Adeligen zu einem epileptischen Arbeiter – sie wird vorgetragen in https://www.youtube.com/watch?v=oVTvPi8vXSs

Januar 1860 hielt erstmals einen Vortrag über seine einflussreiche Literaturtheorie „Hamlet und Don Quijote“ , der auch als äußerst einflussreicher Essay international Veröffentlichung erfuhr Turgenjew postuliert, dass alle Menschen entweder zum Typus des zweifelnden, analytischen Hamlets oder des idealistischen, handelnden Don Quijotes tendieren und somit alle Literatur um diese Archetypen kreist. Es steht repräsentativ für sein breites Spektrum an europäischer Literatur und die Fähigkeit, komplexe Vorgänge so einfach wie möglich zu schildern am Beispiel der Tragikomödie des Bewusstseins.

Foto Belinda Helmert: Petit Trianon, Spiel- und Empfangssaal der Königin. Hier wurde auch musiziert und bis zur Fertigstellung des Theaters geprobt.

Ein Adelsnest

Der Roman wurde erstmals in der von Puschkin gegründeten einflussreichen Literaturzeitschrift Sowremenik 1859 publiziert, entstand jedoch drei Jahre vorher im Zuge der Auseinandersetzung mit Schopenhauers Ansichten über das Glück, das dieser nur als Abwesenheit von Leid/Schmerz als temporär betrachtet, was es auf Vermeidung von Unglück reduziert. Für Schopenhauer wie für Turgenjew ermöglicht die Kunst. v.a. die Musik, einen Ausweg aus dem unvermeidbaren Leidenskreislauf des Lebens. Vorgestellt und zusammengefasst wird der Roman von ca. 170-180 Seiten mit dem Schwerpunkt auf die Kritik an der rückständigen russischen Gesellschaft auf https://www.youtube.com/watch?v=AMhfoduzU2Y und auf https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Adelsnest

Man kann den Roman aus drei Perspektiven betrachten: die offensichtlichste ist das Scheitern einer Beziehung, die Liebe zweier Idealisten und die Desillusionierung. Die zweite ist die sozialkritische, insbesondere an der Rückständigkeit Russlands und der erstarrten Konventionen „comme il faut“. Die dritte ist die Partitur der Musik, denn die unstandesgemäße Liebe zwischen den Protagonisten Lawritzky und Lisa kommt nur über die gemeinsame Passion für Beethoven zustande, der wiederum das Paradebeispiel für Schopenhauers Musik als unmittelbarer Wille und Remedium gegen alles Leid gibt. Der Roman folgt einer musikalischen Komposition. Die symbolische Schilderung der Naturlandschaft , um emotionale Zustände zu beschreiben, ist äußerst innovativ.

Ins Zentrum rückt der „überflüssige Mensch“, den Dostojewski in „Der Iditiot“ einführt. Lawretzky betrachtet die bereits Natur als formbares Ding, die Menschen als Mittel zum Zweck zur Erlangung ihrer Ziele. Doch als „überflüssiger Mensch“ ist er noch nicht bereit, dieser Einsicht zu folgen und dementsprechend zu handeln.

Foto Belinda Helmert: Petit Trianon, Kronleuchter im Empfangsaal

Väter und Söhne

1862 nach Abschaffung der Leibeigenschaft in der einflussreichen Moskauer Literaturzeitschrift Russkij vestnik (Russischer Bote), publiziert und im Jahr vorher geschrieben, ist „Väter und Söhne“ mit seinen 21 Kapiteln der nachhaltigste und somit berühmteste Roman Turgenjews. Dies hat hauptsächlich mit dem von ihm eingeführten Begriff des Nihilismus zu tun, dem Symptom des Untergangs oder dem Paradigmenwechsel in Europa, das von Russland (der Volksbewegung) ausging und die später erfolgte Revolutionen von 1905 und 1917 ideologisch vorbereitete..

Im Kapitel 5 des ca. 300 seitigen Romans taucht Nihilismus erstmals auf. Die tragende Figur , der Arzt und radikale Nihilist Basarow wird von seinem adeligen Freund dem konservativen Vater als Nihilist vorgestellt. Auf die verständnislose Frage, wer oder was das sei, antwortet dieser: „Ein Nihilist ist ein Mensch, der sich keiner Autorität unterwirft, der kein Prinzip auf Treu und Glauben annimmt, ganz gleich, wie sehr dieses Prinzip auch von der Ehrfurcht umgeben sein mag“. Nachzulesen unter https://projekt-gutenberg.org/authors/ivan-sergejevich-turgenev/books/vaeter-und-soehne/chapter/6/

Im sechsten Kapitel präzisiert Basarow dass ein Nihilist alles verneint, was augenblicklich gelehrt wird, z.B. Puschkin, weil er nicht nützlich ist. als am nützlichsten erachtet. Es geht um die radikale Ablehnung etablierter Normen, Werte, Institutionen und Traditionen wie Kirche und Staat und Kunst. Dabei stellt Turgenjew erstmals tragische Persönlichkeiten, die ernsthaft um eine Veränderung in der Gesellschaft ringen und dabei scheitern nach dem Shakespeare-Konzept (im Roman Basarow und Anna) den komischen Archetypen à la Don Quijote gegenüber, die mit ihrem Idealismus mehr bewirken (im Roman Arkadi und Katja). Zusätzlich stellt er, wie der Titel ahnen lässt, die Generation der Väter (im Roman die adeligen Brüder Nicolai und Pawel) vor den Söhnen gegenübersteht. Doch sowohl die Väter sind in sich gespalten (liberal und konservative Adelige) als auch die Generation der Söhne, vertreten durch die befreundeten Medizinstudenten ‚Basarow/Arkadiund die der Töchter, verkörpert durch die emanzipierten Schwestern Anna/Katja. Somit macht Turgenjew den Bruch in der russischen Gesellschaft offensichtlich. Summa summarum bringt Turgenjew sechs Figuren so zusammen, dass einerseits die notwendigen Veränderung in Aussicht stellt und andererseits bereits die Spaltung der Gesellschaft sowie die Folgen einer solchen Veränderung verdeutlicht.

Foto Belinda Helmert: Petit Trianon, marmorierter Kamin, Kandelaber Spieluhr im Empfangssaal, Stuckwand im Empfangssaal der Königin Marie Antoinette

Rauch

Das Thema der ersten Liebe greift Turgenjew immer wieder auf. So ist seiner Novelle „Erste Liebe“ (1860) vorgelesen zu hören unter https://www.youtube.com/watch?v=c2ImIzzEmP0. Er schildert darin seine eigenen ersten amourösen Erfahrungen und die bei Schopenhauer und Stendhal wiederkehrende Desillusionierung der Liebe, die später Flaubert zu seinem Leitmotiv erklärt – auch, genau wie Turgenjew, um damit Gesellschaftskritik zu artikulieren. Überhaupt basiert ihre anfängliche Brief- und spätere Künstler- Männerfreundschaft auf dieser Erzählung.https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Liebe_(Novelle)

Im Roman „Rauch“ (1867), ca. 300 Seiten umfassend, trifft ein verlobter Ingenieur in Baden – Baden auf seine alte Liebe, eine, wie sich herausstellt, durchaus egozentrische femme fatale. Nur schwer vermag sich der emotional entgleiste Mann aus dem „Rauch“ oder „Nebel“ seiner Gefühle zu lösen und zu erkennen, wo und wer die wahre Liebe (und nicht Leidenschaft) liegt: in seiner vermeintlich zweiten Wahl. Durch die Symbolkraft der Eisenbahn und ihrem Dampf, der mehr verhüllt als er erkennen lässt, bezeugt Turgenjew sowohl sein Bekenntnis zur Aufklärung und Naturwissenschaft als auch seine Sorge, dass die von ihm im Rationalismus überwundene Romantik sich vielleicht als Hybris erweisen und die Zeit der Kunst bzw. der Naturverbundenheit dem Nihilismus / Pragmatismus / Utilitarismus zum Opfer fallen könnte.

Im Roman treffen wieder in einer ménage à trois eine egozentrische femme fatale, ein tendenzieller Idealist und eine religiös orthodox verankerte Frau aufeinander. Die vierte elementare Persönlichkeit ist so etwas wie Turgenjews Sprachrohr in der Rolle des stillen Beobachters. Wiederum benutzt Turgenjew Symbole aus der Natur, aber auch Technik wie die Eisenbahn, um auf Grundlegendes zu verweisen und nähert sich über den Filter des Beziehungsdramas gesellschaftlichen Veränderungen und notwendigen Antworten auf Probleme der Gegenwart. Es stehen sich daher nicht nur der ewige Slawe und der prowestliche Russe gegenüber (in der Seele des Ingenieurs) und auch nicht nur zwei archetypische Frauen (die ethische und die ästhetische Komponente), sondern auch die Philosophie Schopenhauers und Hegels, wobei Turgenjew für ersteren Partei ergreift. Auf die Welt rast eine Lokomotive ohne Führung zu (wenngleich dieses Bild von Zola stammt in „Bestie Mensch“) – die Uhren ticken und die Zeiger stehen fünf vor zwölf….

Die Namen (sie sind oft Schall und Rauch) geraten in meiner Audioaufnahme durcheinander. Die Protagonisten heißen richtig Litwinow, Irina (femme fatale, erste Liebe) und Tanja. Sie vertreten jeweils in dieser Reihenfolge das ethische, das ästhetische und das religiöse Prinzip. Faktisch lässt sich Turgenjews Kierkegaard-Lektüre zur Zeit der Niederschrift belegen.

Foto Belinda Helmert: Petit Trianon, Uhr im Schlafzimmer von Marie Antoinette. Sie verkörpert vielleicht am deutlichsten, wie Rückständigkeit und Progressivität (eine Frau, die sich nicht mit der ihr zugewiesenen Rolle abfindet), wie Leichtsinn und Egoismus, die Welt zerstören.

Der Titel ist der Parabel „Der Dummkopf“ entlehnt, das man in den Anthologien des Gesamtwerks Turgenjews findet. Er dokumentiert, wie der Autor mit einfachen Bildern komplexe Zusammenhänge veranschaulicht wie den Triumph bei fehlende,m Widerstand, der gewöhnlich Helden zugeschrieben wird.

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