Ein Panzer ist kein Panzer, wenn er nur in die Luft schießen tut …

Foto: Belinda Helmert, Panzer Gebhard mit Werder-Einschlag und Rohrverkrümmung, Hemelinger Hafen

Infantilisierung der Politik: wenn Verteidigung weh tut

Christine Lambrecht, wieder fast mein Jahrgang, der für Peinlichkeiten sorgt, ähnlich wie Karl Lauterbach, wo sich jeder halbwegs denkende Mensch fragt: welche Sprache, welches Auftreten, von welcher Welt überhaupt? Wie entstehen daraus Karrieren? Wie sieht es im Inneren des Gehirns dieser Politiker aus? Wir untersuchen den Falle Lambrecht …

Foto: Belinda Helmert, Graffiti in Bremen, Hastedt – Inpektor Closeau sucht Paulchen Panther

Lambrecht war Familienministerin unter Merkel, dann Justizministerin, bevor sie Verteidigungsministerin unter Olaf Scholz wurde. Bereits im Februar forderte die studierte Juristin Panzerlieferungen, es blieb aber vorerst bei Panzerfäusten für die Ukraine. Der tatsächliche Angriff Putins erfolgte am 24.02. 2022.

Durch die Mitnahme ihres Sohnes bei einem Helikopter-Flug bzw. ihren Nagellack-Termin während der Invasion geriet sie in ein schlechtes PR-Fahrwasser, darüber mag man hinwegsehen. Ob sie tatsächlich, wie kolportiert wird, die Führung der Bundeswehr zu entmachten suchte, ist schwer zu beweisen. Dass sie die Namen ihrer Inspekteure und ihre Dienstgrade nicht kennt, nun, peinlich, aber auch noch kein Grund, sie als unfähig zu diffamieren. Schwerer wiegt der Mangel an Englischkenntnis. Völlig indiskutabel aber bleibt die Unkenntnis einfacher Militärbegriffe bzw. Einordnung und Zuordnung der Waffensysteme, obschon sie seit Dezember 21 im Amt ist. „Die Null-Bock- Ministerin“ titelte daher der Spiegel am 13.05. 2022 (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/christine-lambrecht-spd-die-bundesverteidigungsministerin-ist-politisch-bisher-ein-totalausfall-a-a6304142-65c1-43e1-85bd-cff938ffec88)

Foto (koloriert) Belinda Helmert,, Panzer Gepard schießt nicht mehr (Hemelinger Hafen, Metallrecyling Erwin Meyer

Panzer-Dingsda

Am 26.06. 22 ging dann die Bild hart mit der Vertieidigungsministerin ins Gericht aufgrund einer Rede, in der “ Panzer-Dingsda“ nur eine von vielen verbalen Entgleisungen und rhetorischen Durchfall darstellt. Die Wort- und Terminologie-Diarrhoe nahm kein Ende. Er, der Panzer, der kein wirklicher Panzer sein soll, „er hat dieses Rohr, mit dem er dann in die Luft schießt.“(https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/glosse/retrowelle-bundestag-christine-lambrecht-panzer/) Ausgemusterte Gepard-Panzer sollen die Flugabwehr unterstützen. Sie können natürlich Ziele am Boden angreifen, was die Ministerin dementierte. Schnell Unterstützung, so lobte sie die Kriegslieferung auf der Konferenz in Ramstein bei Kaiserlautern (Unglücksort, nach dem sich die Gruppe Rammstein benennt), wo sich 1981 ein Bombenanschlag und 1988 ein tragischer Flugabsturz bei einer Flugschau der von Kunst- und Kampffliegern ereignete.

Eine Erklärung für das Desaster ist Egoismus bzw. Narzissmus und überhöhte Selbsteinschätzung, denn die Ministerin sprach in infantiler Weise über ein Metier, von dem sie weniger versteht als sie qua ihres Amtes verstehen müsste. (https://www.freiewelt.net/nachricht/christine-lambrecht-krummes-rohr-schiesst-sich-ins-knie-10089647/). Infolge militärischer Defizite fällt es leicht, sie selbst als „Blindgänger“ oder „Rohrkrepierer“ darzustellen – eine Analogie zu dem offiziellen Gesundheitsminister Lauterbach, der mehr ein Krankmacher und Erreger öffentlicher Streit- und Spaltungskultur ist.

Der Gepard ist kein Panzer…

Das Video ihrer unglücklichen Verteidigung im Bundestag (https://www.youtube.com/watch?v=yCUuh5bINwM) ist recht eindeutig, peinlich und zeugt von entweder Arroganz oder Dilettantismus. Der Marder wird nicht geliefert, wohl aber der Gepard, weil der schießlich kein Panzer ist, er wird anders eingeordnet Der Gepard soll kritische Infrastruktur schützen, weil er mit einem Rohr in die Luft schießt, was ein Panzer angeblich nicht kann. Gleiches passiert wohl auch bei den Impf-Dosen, ein Sprachgewitter der erbärmlichsten Sorte.

Die Debatte im Bundestag in voller Länge (https://www.youtube.com/watch?v=c1QBG-8fE9A) mit der Befragung der Ministerin beginnt mit der Frage nach Lieferung von Marder bzw. Leopard. Die Deutschen wollen keinen Alleingang starten, erwidert Lambrecht nach 13 Minuten. Die Nachfrage, weshalb dann der Gepard geliefert wird, findet Beantwortung nach 13,40 Minuten: Der substantielle Unterschied zwischen beiden (Panzern) Waffen liegt darin: „dass der Gepard kein Panzer ist“. Weiter im logischen Fehl-Schluss: „Es gibt keine Lieferungen von Panzern westlicher Bauart bisher“.

Das Kanonenrohr des Gepards ist aber dicker als das des Marders, wird eingeworfen, doch die Frage zielt auf die Verhandlungen, über die sich die Ministerin nur allgemein äußert. Es folgt eine Frage auf die Ausbildung für die hochkomplizierte Maschine, damit die ukrainischen Soldaten mit der Panzerhaubitze (ein selbstfahrendes und computer-automatisch steuerbares Artelliergeschütz) umgehen können. Lambrecht spricht zu lang und wiederholt sich in Floskeln, wird ermahnt, den vorgebenen Zeitrahmen einzuhalten.

Foto: Belinda Helmert, Der gordische Knoten, Panzerrohr auf dem Metall Recylinghof in Bremen, Hemelingen – ein Modell der Zukunft

Sie spricht anschließend über Dauerfeuer und erwähnt „lustige Talkshows“, die von falschen Voraussetzungen ausgehen. Der Bremer Abgeordnete der CDU Frank Imhoff will nach 21 Minuten wissen, wieso die Bundesregierung bei Entscheidungen nicht mehr die Genehmigung im Bundessicherheitsrat einholt. Lambrecht erwidert, „die Panzerhaubitze Gepard ist eine Abgabe und kein Rüstungsimport“ (21:50 min) Begründung: „Ein Rüstungsimport ist es nur, wenn es aus der Rüstung kommt“ (erstens ist der Gepard kein Panzer, zweitens kommen Panzer nicht automatisch aus der Rüstung). Deshalb ist es nicht notwendig, eine solche Lieferung im Bundessicherheitsrat zu entscheiden. Nur nebenbei: Die Panzerhaubitze hatte ihren ersten Einsatz 2007 im Afghanistan-Krieg und wurde dort selbstverständlich als Panzer bezeichnet und als Rüstungsimport gekennzeichnet.

Er schießt nur in die Luft

Nach 22.35 Minuten erfolgt die wiederholte Nachfrage, den Unterschied zwischen Gepard und Marder darzustellen, da es doch offensichtlich nicht Äpfel und Birnen, sondern beides Panzertypen sind. Es sei, so Lambrecht eine Bewetung der militärischen Berater, die „genauso getroffen wurde“ (was später vom Militärberater dementiert wird). Der Gepard sei dafür da, „kritische Infrastruktur zu schützen“ – gemeint sind Krankenhäuser, Energiezentren und sensible Einrichtungen für die Zivilbevölkerung, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. In der Sequenz 22:55 folgt dann die krönende Aussage „dadurch, dass er mit diesem Rohr in die Luft schießt und dort eben auch weit mehr Objekte erfassen kann. Das kann der Panzer nicht, brauche ich Ihnen als Experte nicht zu erklären. Das ist etwas anderes, natürlich ist beides schwer, beides groß, aber es ist eben kein Panzer.“

Damit hatte sie der CDU genügend Futter gegeben für Häme und weitere bohrende Nachfragen. Immhoff will etwa wissen, ob die Ministerin jemals an einer Sicherheitsratssitzung des Bundes teilgenommen hat (24: 15) Sie antwortet, eine Sitzung sei nicht an Präsenz gebunden, man habe sich in einem Umlaufverfahren (eine schriftliche Sonderform, die zum Einsatz kommt, wenn keine Diskussion, aber eine juistische Abstimmung erforderlich ist wie etwa im Wohnungseigentumsrecht) geeinigt.

Foto: Belinda Helmert, Panzer auf dem REeclinghof in Hemelingen, der nicht schießt, nur guckt wie eine Taube

Wir geben Panzer ab, aber es gibt keine Exporte

Gefragt wird ferner nach der nuklearen Abschreckungsstrategie, zu der sich Deutschland verpflichtet habe. Die Ministerin verweist auf die lange Zögerlichkeit ihrer Vorgängerin Kramp-Karrenbauer und dass sie sofort die Tornadonachfolge geregelt habe. Die Beschaffung der F 35 sei auf ihre schnelle Entscheidungskraft zurückzuführen. Der Kampfjet gilt aber als nicht zukunftsfähig und soll bereits 2026 aus dem Luftverkehr gezogen werden.

Die nächste Rückfrage geht wieder auf den Unterschied von Abgabe und Export zurück. Wenn, so die Antwort, aus Bundesländern abgebegen wird aus Beständen der Bundeswehr, spricht man von Abgabe (ein politischer Wille), ist nur die Rüstung genehmigungspflichtig, spricht man vom Rüstungsexport. Der Gepard ist nicht mehr im Bestand der Bundewehr, folglich ein Rüstungsexport.

Wieder wird nach der Ausbildung am Gepard gefragt. Man müsste nicht, sieht es aber in der Regierung als notwendig an, die ukrainischen Soldaten auszubilden. Man könne die Gebrauchanleitung, so Lambrecht nicht übers Internet schicken. Realsatire eben, aber vom Feinsten.

Abgerechnet wird zum Sch(l)uss – der Gepard guckt nur

Die Opposition klagt: Bewaffnung des Gepards, 50 Panzer mit 65 ooo Schuss Munition. Das sei zu wenig. Wieder verweist die Ministerin auf Talkshows, ihre eigenen Absprachen mit dem ukrainischen Verteidigungsressort Resnikows, deren Wünsche man entsprochen habe. Daraufhin wird nachgefragt, ob das Sinn mache, einen Panzer zu liefern, der Engpässe bei der Munition aufweist, folglich nicht lange schießen kann. Die ertaunliche Antwort Lambrechts: „Den Gepard stellt man nicht auf Dauerfeuer. Nein, das macht man nicht. Das macht wirklich keinen Sinn. Weil dann ist nach drei Tagen nicht nur die Muniton weg, sondern auch alles andere, also das Rohr ist dann kaputt.“ (33: 16 min)

Kann man sich so etwas ausdenken? Ist das Comedy? Real-Satire? Der Gepard ist dazu da, einzelne Flugobjekte zu identifizieren, nicht zu schießen. Ein Fernglas könnte dies wohl auch. Ach so, schießen kann das Fernglas ja nicht. Das ist auch eben die Aufgabe, eben mal so nebenbei, versteht sich.

Foto: Belinda Helmert, Wand des Werder-Vereinsgebäudes am Hulsberg, um sich der dunklen Seite der Vergangenheit zu stellen. Bildsprache, die irritiert und auf Verneblung der NS-Terminolgie verweist.

Man könnte so ewig weiter diskutieren, fragt sich natürlich, ob man im Kasperletheater oder unter erwachsenen Männern im Bundesparlament weilt und natürlich auch erwachsenen Frauen, die mit Mikrofonen kämpfen. Es gab so viele peinliche Aussagen, dass es weh tut. Aber es bleibt bei der Kardinallüge: Der Gepard ist kein Panzer. (https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/militaer-verteidigung/id_92335714/waffenlieferungen-christine-lambrecht-gepard-ist-kein-panzer-.html)

Mit so einer Regierung, der vielleicht auch eine solche Ausbildung und vor allem ein solches Waffenarsenal folgt, kann Putin beruhigt abwarten, was und wer da auf ihn zurollt. Leider wird nach wie vor dilettiert auf Kosten von Menschenleben, Steuergeldern und Glaubwürdigkeit, früher nannte man das Reputation der Fachkompetenz. Armes Deutschland. Aber es ist vielleicht auch nicht Deutschland, sondern die Firma BRD, sozusagen Rüstungs-Export-GmbH. Denn wir haben nur Ausgaben und Abgaben.

Albert Einstein: „Zwei Dinge sind unendlich. Das Universum und die Dummheit der Menschheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.“

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