
Foto Bernd Oei: Quasimodo, tragischer Held aus Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame„. Unbekannter Künstler zu Lebzeiten des Schriftstellers, Gipspatina, 2020 vom Museum Victor Hugo erworben.
Stimmungsvolle Darstellung flüchtiger Momentaufnahmen
Was haben Manet, Gauguin, Degas und Sisley gemeinsam? Sie sind alle in Paris geboren. Als Impressionisten kommen hinzu Renoir (vierjährig nach Paris), Monet (18 jährig) Pissaro (17 jährig), Toulouse-Lautrec (8 jährig, Courbier und Bazille (jeweils 20 jährig). Der Begriff Impressionismus (impression, Eindruck) basiert auf das Gemälde „Impression, soleil levant“ (dt. „Impression, Sonnenaufgang“) von Claude Monet aus dem Jahr 1872. https://www.kunstbilder-galerie.de/kunstdrucke/claude-monet-bild-4355.html – er lässt sich zusammenfallsen als stimmungsvolle Darstellung flüchtiger Momentaufnahmen.
Als eine Gruppe um Monet ihre Werke 1874 in Paris in der Villa des Fotografen Nadar ausstellte, nutzte der Kunstkritiker Louis Leroy den Titel des Bildes für einen spöttischen Artikel. Er bezeichnete die Künstler abwertend als „Impressionisten“, da die Bilder in seinen Augen nur flüchtige, unfertige „Eindrücke“ statt solider Zeichnungen seien. Aus diesem pejorativen Urteil über vermeintliche Unferfertigkeit entwickelte sich kurze Zeit später der offizielle Name der neuen, revolutionären Kunstrichtung, die sich vom genauen Gegenteil, der klassischen Ateliermalerei der Akademien, lossagte.
Geistiger Vater dieser Kunstbewegung, die sich v.a. in der Malerei durchsetze, war Charles Baudelaire, ein enger Freund von Manet, der die „esthetique fugative,“ die Schönheit des Flüchtigen (Spleen), gegenüber dem gestellten Ideal betonte und dabei die Subjektivität der Betrachtung in den Vordergrund rückte.Seine kunsthistorischen Essays zu den Bildern in den Salons de Refusés schufen die Voraussetzung für die Entwicklung der Malerei, die sich gegen die aufkommende Fotografiekunst behaupten und dadurch neue Wege gehen musste. Zwei Romane, die Künstlergespräche über Schönheit und Wahrhaftigkeit thematisieren sind Flauberts „Die Erziehung des Gefühls“ und noch intensiver „Das Werk“ von Zola, marginal auch „Bel Ami“ von Maupassant.
Kennzeichnend für die impressionistische Malweise ist die Abkehr von der konventionellen Ateliermalerei und den starren Lehren der Kunstakademien. So ließ man den streng formalen Bildaufbau und die Zentralperspektive hinter sich und wendete sich weitgehend den hellen, freundlichen Farben zu.
Auch Victor Hugo war Maler. Sein Mal- und Zeichenstil war düster (Reminiszenz an die Gotik) , experimentell und seiner Zeit weit voraus. Er experimentierte mit Tintenklecksen, Schablonen, Kaffee, Ruß und zufälligen Strukturen. Er kratzte Muster in die Farbe und nutzte Abklatschverfahren, um unheimliche, neblige Effekte zu erzeugen. Im Gegensatz zu den Impressionisten sind seine Bilder meist monochrom und entstanden meist auf Papier im Kleinformat und sind oft auf Brauntöne, Schwarz, Kohle und Tinte reduziert. Zeitgenossen nannten ihn einen „schwarzen Romantiker“. Gemeinsam mit den Impressionisten hatte er die Abneigung gegen den Kunstwerk. In seinem Fall betrieb er Malerei für sich und Interessierte, nicht für die Öffentlichkeit. Baudelaire nannte ihn „peintre en poésie“ – 1846 bezeichnete er seine Bildkunst als „zu materiell, zu aufmerksam auf die Oberflächen der Natur“

Foto Bernd Oei: Maison Victor Hugo, Exponate, Bilder, Möbelstücke aus diversen Sammlungen und Einrichtungen des Schriftstellers.
Malerei verwandelt Raum in Zeit
Anders als Baudelaire, der aufgrund seiner Affinität zur Farbe und Lichtreflexen Hugo primär als Zeichner und weniger als Maler (Delacroix) empfand, erkannte Théophile Gautier, der selbst malte, Hugo auch als bildenden Künstler in vervollständige Umfang an und nannte ihn auch einen schwarzen Romantiker. Gautier wollte ursprünglich Maler werden. Mit 18 Jahren wurde er Schüler des Malers Louis-Édouard Rioult. Sein Urteil bezieht sich auf die einzige öffentliche Ausstellung Hugos zwei Jahre nach der (zensierten) Veröffentlichung von „Les Fleurs du Mal“ von Baudelaire.
Hugos großes Vorbild war Goya, den auch Baudelaire zu den Großen zählte. Der spanische Maler im französischen Exil (Bordeaux) gilt Goya gilt wichtigsten Inspiration für Hugos eigene, dunkle und experimentelle Zeichenkunst, die heute als Vorläufer der Schwarzen Romantik und des Surrealismus. Ein Zitat von ihm lautet „La peinture est un œil qui pense.““ – Das Zitat ist dem Kapitel im 3. Kapitel „L’art et la science“ (Die Kunst und die Wissenschaft) aus „William Shakespeare“ (1864) entlehnt. Hugo reflektiert er tiefgründig über das Wesen der Kunst in allen Sparten, auch der Musik. Er postuliert, dass die Wissenschaft auf Fortschritt und Anhäufung von Wissen beruht, während die Kunst durch absolute Perfektion in sich vollkommen und unvergänglich bleibt. Der Text ist in englischer Sprache verfügbar unter https://www.gutenberg.org/files/53490/53490-h/53490-h.htm#BOOK_IIIa
Seine über 3000 Zeichnungen und Bilder (meist Aquarelle) nehmen oft informelle und abstrakte Formen vorweg. Durch Kleckse und zufällige Strukturen schuf er eine ganz eigene, geheimnisvolle Atmosphäre Statt Farben verwendete er Kaffeesatz und Staub und spritzte Tinte aufs Papier. Die Malerei ist ein Auge, das denkt. Dies beinhaltet auch die Aufgabe des Betrachtenden, etwas Angedeutetes zu Ende zu führen. Fluide Formationen, könnte man sagen, weshalb ein Buchtitel über seine Malerei „Zustände des Fließenden“ heißt. https://neofelis-verlag.de/media/pdf/18/75/1f/Pressemappe_Haarer_Zustaende-des-Fliessenden_Neofelis.pdf

Foto Bernd Oei: Maison Victor Hugo, Paris, Place des Vosges 6, Inventar und Büste aus dem Jahr 1832 ( Hugos Durchbruch mit dem Theaterstück „Hernani“)von Pierre Jean David, (1788-1856) dem Bildhauer, der aufgrund seiner Herkunft David d’Angers genannt wurde.
Freiheit beginnt, wo Ignoranz endet
Auch der Satz « La liberté commence où l’ignorance finit. » stammt von Hugo und betrifft nicht nur die Politik, sondern auch die Kunstrezeption. Das Zitat ist einem öffentlichen Brief vom 22. September 1862 entlehnt, Adressat war ein Kongress der Sozialwissenschaftler in Brüssel.
Claude Monet (1840-1926) war ein glühender Verehrer des Dichters. Er verehrte Hugo als das Gewissen Frankreichs und als einen der größten Wegbereiter der französischen Romantik. Begegnet sind sich die beiden, bedingt durch Hugos 19 Jahre im Exil auf den Kanalinseln (davon 15 auf Guernsey) so wenig wie Hugo und Manet. https://www.kulturraum.nrw/buch/victor-hugo-auf-guernsey-1-exil.html Monet fand lebenslang keine Aufnahme in die Académie des Beaux Arts und damit offizielle Anerekennung. Im Gegensatz zu Edouard Manet, (1832-1883) der das urbane Leben von Paris zu seinem Hauptmotiv wählte, bevorzugte er Natur- und Landschaftsbilder, weil er nur dort den Atem der Freiheit zu spüren vermochte.
Der Journalist und später freie Schriftsteller Zola, ein enger Vertrauter und kunstkritischer Verteidiger Manets, stand in regem Austausch mit dem etablierten Victor Hugo. Hugo und Baudelaire zählten zu den prominentesten Fürsprechern, die sich hinter Manets revolutionäre Kunst stellte. Manet und Hugo schätzten sich aus der Distanz, denn beide porträtierten in ihren Werken (Hugo allerdings nur in der Literatur, Manet in der Malerei) das extreme soziale Gefälle von Paris und die Kontraste zwischen der Pracht der Privilegierten und der Düsternis der armen Bevölkerung.
„Einen Gegenstand um der Farben willen zu malen und nicht um seiner selbst willen, das ist es, was den Impressionisten von den anderen Malern unterscheidet“ (Kunstkritiker Georges Rivière, Rezension der ersten Impressionisten-Ausstellung 1874. Sie wurde von einer unabhängigen Künstlervereinigung, der Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs et graveurs, in den ehemaligen Atelierräumen des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines 35 organisiert. Rund 30 Künstler, darunter Claude Monet, Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir, Camille Pissarro und Berthe Morisot, stellten insgesamt 165 Werke aus. Manet schloss sich der Impressionisten-Ausstellung nicht an, obgleich er als einer ihrer führenden Köpfe betrachtet werden muss.
Manet fürchtete , dass eine unabhängige Ausstellung seine Karrierechancen im traditionsreichen Salon gefährden würde, da dieser das Zentrum der etablierten Kunstwelt darstellte. Zudem wollte er nicht gemeinsam mit dem ihm verhassten Paul Cézanne ausstellen. Zola mischt in seinem Roman „L’oeuvre“ (Band 14 seines Zyklus über das Zweite Kaiserreich) die beiden Charaktere, die sich in der Figur des Claude wiederzuerkennen glaubten.Cézanne brach mit dem Jugendfreund; Manet war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 1885 bereits tot. Wie sein Freund Baudelaire verstarb er an der Syphilis.
Hugo zeigte sich an der Technik interessiert, dies gilt insbesondere für „Die Arbeiter des Meeres“ (1866), in dem es hauptsächlich um die Bergungsaktion eines auf Riff gelaufenen Dampfschiffes geht. Manet wiederum malte „Die Eisenbahn“ 1872, womit er als erster bildender Künstler überhaupt die machine de fer zum Motiv erhob. https://www.wikiart.org/de/edouard-manet/die-eisenbahn-1873
Zwar nicht dieses Gemälde, sondern „Im Wintergarten“ (1877) erwarb der Direktor der Berliner Nationalgalerie Hugo von Tschudi, nachdem auch dieses Bild von der Akademie abgelehnt worden war. Zeit seines Lebens blieb Edouard Manet damit die ersehnte Aufnahme in die Académie des Beaux Arts, verbunden mit dem Recht, in staatlichen Museen ausgestellt zu werden, verwehrt.

Foto Bernd Oei: Zimmer im Maison Victor Hugo mit erworbenen Gemälden des Schriftstellers und Malers.
Frühstück im Grünen (Manet)
Hugo wandte dieses Zufallsprinzip auf teilweise winzigen Zetteln an. Die schemenhaften Umrissen von Wasserflecken lassen Figuren erahnen, in dem Abdruck eines Spitzengewebes glaubt man Gespenster zu erkennen. https://www.falter.at/zeitung/20171129/unbekannte-moderne-victor-hugo-als-maler
Für die in Frankreich produzierte Gemälde gab es nur einen einzigen Ort, an dem sie der Öffentlichkeit, Sammlern und möglichen zukünftigen Auftraggebern präsentiert werden konnte: den Pariser Salon. Dieser Salon mit seiner Ausstellung, zunächst im Louvre, dann im Musée du Luxembourg, seit 1855 (erste Pariser Weltausstellung) im Palais de l’Industrie auf der Champs Elysees, stand unter der Schirmherrschaft der Académie française . Diese besaß ab 1667 ein Monopol auf den Kunstmarkt, der sich mit dem aufstrebenden Bürgertum rasend schnell entwickelte.https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/MFIZ5FOOILBAX7QNX4QWUHQ6FFOQQMDT
Die nicht akzeptierten Bilder der Jury hingen ebenso eng wie die zugelassenen in den Salons de Refusés – allerdings erst seit 1863 auf Initiative von Napoleon III, der seit dem Staatsstreich (gleichbedeutend mit Hugos Exil) Kaiser des Seconde Empire war. https://de.wikisource.org/wiki/Victor_Hugo_im_Exil
Da es zu massiven Protesten der abgewiesenen Künstler kam, ordnete der Kaiser die Einrichtung der Gegenausstellung an, damit sich die Öffentlichkeit selbst ein Urteil bilden konnte. Manets 1863 dort ausgestelltes Gemälde Le Déjeuner sur l’herbe (Das Frühstück im Grünen) wurde zum größten Skandal der Ausstellung und zog spottende Besuchermassen an. Er malte für das Bürgertum, wandte sich mit seiner Malerei – durchaus subversiv – gegen die Herrschaft eines Einzelnen und setzte sich für eine demokratische Republik ein. Indirekt wurde die Malerei zum Protestmittel gegen das Establishment. Seit 1874 stellten die Impressionisten (die sich selbst nie so bezeichneten) im Muséee d’Orsay aus, jedoch ohne Beteiligung Manets.
Emile Zola nimmt in „Das Werk“ Bezug auf das skandalöse „Frühstück im Grünen“ – er dichtet es dem anti-opportunistischen Maler Claude an:„Die Sonne war so warm, der Himmel so rein, die Bäume waren so grün, daß man sich in ein Paradies der Malerei versetzt glaubte.“ (Kapitel 9) https://projekt-gutenberg.org/authors/emile-zola/books/das-werk/chapter/10/ Das Kunstgespräch über das Gemälede „Plein Air“ findet zwischen Pierre Sandoz (Zola) und Claude Lantier (Manet) statt. Aufgrund der zeitlichen Verschiebung fühlte sich jedoch sein engster Freund Cézanne kompromittiert.
Die zentrale Figur des „Gemäldes“Frühstück im Grünen“ ist die reale Person Victorine Meurent. Die gebürtige Pariserin war selbst Malerin und stand Manet immer wieder Modell und ist auch in seinem Werk „Olympia“ zu sehen. Das Bild brach mit allen Konventionen https://www.singulart.com/blog/de/2018/09/03/das-fruhstuck-im-grunen-von-edouard-manet/?srsltid=AfmBOopM5MYWCKCYyztueT4oSsETYDMCXsbGOU7fuR9ENZ0AL5JiPJxy
Zu den Besonderheiten (und Verstößen gegen die traditionelle Malkunst Manets zählt die direkte Pinselführung (Alla-prima): man maltezügig und direkt. Anstatt Farben schichtweise zu lasieren, wurden die Töne oft direkt auf die Leinwand gesetzt. Der offene Pinselstrich bleibt sichtbar. Zudem umreißt Manet Er seine Motive oft mit dunklen, klaren Linien, was den graphischen Charakter seiner Arbeiten unterstreicht Unter Verzicht auf Übergänge trägt er die Farbe oftmals pastos (dick und deckend) auf. Manet malt, was er direkt vor sich sieht, und passt die Lichtführung seinen Motiven an und schuf damit eine natürlich wirkende weiche Atmosphäre.

Foto Bernd Oei: Benjamin Roubaud (1811-1847, Karikatur: Grand chemin de la postérité (Großer Zug der Nachwelt) – Lithographie auf Papier, 1842 im Treppenaufgang des Maison de Hugo.
„Ich male, was ich sehe“
Die Gründe für den Skandal um „Frühstück im Grünen“ müssen heute befremden. Erstens verstieß Manet gegen das Tabu der Nackheit. Nur in Form von Allegorien oder mythischen Figuren war diese seinerzeit erlaubt. Während die Darstellung von nackten Frauen in der Historienmalerei als allegorischer Schutz (z. B. als Göttinnen) akzeptiert war, zeigte Manet eine alltägliche, nackte Frau in Gegenwart zweier voll bekleideter Männer der damaligen Zeit. Dies wurde als unzüchtig und provokant empfunden.
Zweitens der direkte Blickkontakt. Die unbekleidete Frau blickt den Betrachter direkt und selbstbewusst an. Das war ein Tabubruch, da das Publikum somit notgedrungen in die Rolle des Voyeurs gedrängt wurde.
Drittens der Stil: Monet verzichtete auf die damals übliche, glatte akademische Malweise mit feinen Übergängen. Stattdessen malte er flächig, mit harten Kontrasten und sichtbaren Pinselstrichen, was vom konservativen Publikum als unfertig oder handwerklich mangelhaft kritisiert wurde. Durch den großen Zuspruch, den diese „abgelehnte“ Kunst erfuhr, gilt der Salon des Refusés als Geburtsstunde der modernen Kunst, als dessen Wegbereiter Monet gilt.
Es wurden bereits einige Versuche unternommen, eine gemeinsame Ausstellung zu organisieren, die jedoch nie in die Tat umgesetzt wurden. Als sich die Gruppe 1872 nach den Unterbrechungen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 wieder zusammen fand, war sie jedoch entschlossen, die Idee weiterzuverfolgen. Wie bereits erwähnt, weigerte sich Manet aus zwei Gründen: er glaubte noch immer, in die Akademie aufgenommen zu werden und er verabscheute Cézanne nebst einigen anderen Malern, die sich unter Monets Führung organisiert hatten.
Um die Verwirrung um Manet und Monet zu komplettieren: Monet malte seine eigene Version von „Das Frühstück im Grünen“ (Le Déjeuner sur l’herbe) in den Jahren 1865/1866 als direkte Antwort und künstlerische Herausforderung auf das gleichnamige, skandalumwitterte Gemälde von Édouard Manet aus dem Jahr 1863. Einen ähnlichen Wettstreit mit dem selben Motiv lieferten sich Manets „Olympia“ (1863) und Cézanne in „Eine moderne Olympia“ (1873). Dies lieferte den Hauptgrund für Manets Weigerung, zusammen mit Cézanne auszustellen. Die als Impressionisten bezeichnete Gruppe war sich nicht „grün“.

Foto Bernd Oei: Maison Victor Hugo, Treppenaufgang, satirische Litographie von Roubaud: Hugo und die Romantik (Romantisme) mit Notre Dame im Hintergrund. Es existieren zahlreiche Karikaturen über Victor Hugo, der selbst keine anfertigte und dieses Metier mied. Karikaturen machten auch Monet zu einer regionalen Berühmtheit in Le Havre, teilweise auch der Normandie. https://www.daskreativeuniversum.de/claude-monets-karikaturen/

Alfred Le Petit, Karikatur Manet, König der Impressionisten. https://www.meisterdrucke.com/kunstdrucke/Alfred-Le-Petit/234301/Edouard-Manet,-K%C3%B6nig-der-Impressionisten,-Titelillustration-aus-‚Les-Contemporains‘,-16.-Juni-1881.html
Verwechslung in Grün
Es ist also nicht nur schwierig, Manet und Monet namentlich nicht zu verwechseln oder ihre Gemälde, zumindest einige vom Titel her, sofort zuordnen zu können, sondern auch, zu entscheiden, wer der Kopf oder wichtigste Wegbereiter für den Impressionismus war.
Den Ausdruck, sich nicht grün sein, gibt es im Französischen nicht. Die Entsprechung lautet „ne pas pouvoir voir quelqu’un en peinture“ (wörtlich: jemanden nicht auf einem Gemälde sehen können). Die beiden Maler verstanden sich gut, waren jedoch keine engen Freunde. Der acht Jahre ältere Pariser Manet galt als Vorreiter der Moderne, während der jüngere Monet , gleichfalls in Paris geboren, doch in Le Havre aufgewachsen, als treibende Kraft den Impressionismus begründete. Denkt man an die Seerosen, so ist sein Name ebenso wie mit den Bildern der Seine und der Hafenstadt, in die sie mündet, verbunden.
Édouard Manet studierte ab 1850 sechs Jahre lang im traditionellen Atelier von Thomas Couture und besuchte parallel die freie Académie Suisse. Claude Monet hingegen zog es später nach Paris, wo er erst ab 1862 an der progressiven Académie Suisse lernte, wo er auf Pissaro traf und später die Malschule von Charles Gleyre besuchte (wo er auchRenoir kennenlernte, ebenso Bazille und Sisley. Bazille war der einzige, der sich nicht aus dem Militär freikaufte und folgerichtig in der Schlacht Beaune-la-Rolande im Alter von nur 28 Jahren fiel.
Erst 1866 lernten sich Manet und Monet persönlich kennen. Der genaue Ort ihrer ersten Begegnung ist nicht historisch dokumentiert, aber sie trafen sich in den damals bekannten Künstlercafés der Stadt, vermutlich im legendären Treffpunkt Café Guerbois im Pariser Stadtteil Batignolles (17. arrondissement)
Nicht nur Laien verwechseln das a mit dem o. Manet wurde durchaus seinerzeit in der Kunstszene oft für Monet gehalten (und umgekehrt), da sie nicht nur den ähnlichen Nachnamen teilten, sondern auch beide Bärte trugen und in derselben Epoche malten, geschah dies sogar Kunsthistorikern. Zu allem Überfluss stellten sie 1865 nebeneinander aus – ihre Bilder von den „jungen Damen“ hingen sogar falsch markiert dicht an dicht. https://www.getty.edu/news/whats-the-difference-between-manet-and-monet/

Foto Bernd Oei: Paris, Maison Victor Hugo, Treppenaufgang, Fenster mit Bleiglas und Ausblick auf den Place des Vosges. Das gegen die Idealisierung gerichjtete Zitat „Ich male, was ich sehe“ lautet im Original Manets „« Je peins ce que je vois et non ce que les autres daignent voir. »
Und noch ein Frühstück im Grünen (Monet)
Monets Stil zeichnet sich aus durch die Fokussierung auf Licht, Farbe und flüchtige Augenblicke aus. Statt exakter Details malte Monet seine Motive mit sichtbaren, schnellen Pinselstrichen, um das Flimmern der Atmosphäre einzufangen.lSeine Maltechnik ist der Inbegriff des Impressionismus. Sie zeichnet sich vor allem durch kurze, schnelle Pinselstriche, reine, ungemischte Farben und die Freilichtmalerei (Pleinair) aus. Anstatt Motive exakt zu zeichnen, fing er flüchtige Lichtstimmungen und die Atmosphäre des Augenblicks ein. Die Motive sind Le Havre (Monet wuchs dort auf) , der Fluss Seine, der in Le Havre mündet , die Normandie (Giverny, zugleich letzter Wohnort mit der Serie der Wasserrosen) und Wälder (vornehmlich Fontainebleau und Saint Germain). Er zeichnet den Schatten in Violett- und Blautönen. Drittens Monet mischt er seine Farben oft nicht auf der Palette, sondern setzte sie in Form von reinen Farbtupfern direkt nebeneinander auf die Leinwand., eine TEchnik des Pointillismus. Die eigentliche Mischung der Farbe findet erst im Auge des Betrachters aus der Distanz statt.
Im Fokus steht daher nicht wie bei Monet das Motiv selbst, sondern wie sich Licht, Tageszeit und Wetter (Sonne, Nebel, Regen) auf die Szene auswirkten. Dies führte zu sogenannten Bildserien (z.B. die Kathedrale von Rouen oder die Seerosen), die dasselbe Motiv bei verschiedenen Lichtverhältnissen zeigt. Noch mehr als bei Monet bleiben dabei einzelnen Pinselstriche blieben sichtbar und verleihen den Bildern eine lebendige, flirrende Textur.
„Das Frühstück im Grünen“ (französisch: Le Déjeuner sur l’herbe) ist ein berühmtes, monumentales aber unvollendetes Gemälde von Claude Monet aus den Jahren 1865/1866. Er schuf es als direkte, bewundernde Antwort auf das gleichnamige Werk seines Manet, Ursprünglich sollte das Bild viel größer werden. Heute existieren davon noch zwei von Gustave Courbet zerschnittene Hauptfragmente, die im Musée d’Orsay in Paris ausgestellt sind.
as Werk zeigt eine entspannte Gruppe elegant gekleideter Pariser bei einem Picknick im Wald. Es sollte Monets Versuch sein, den Realismus der Figuren mit der freien, von Licht und Atmosphäre geprägten Freilichtmalerei zu. https://www.meisterdrucke.com/kunstdrucke/Claude-Monet/22006/Fr%C3%BChst%C3%BCck-im-Gr%C3%BCnen.html

Foto Bernd Oei: Places des Vosges https://de.wikipedia.org/wiki/Place_des_Vosges
Edouard Manet lebte nicht wie Hugo am lace des Vosges im Marais, sondern verbrachte sein Leben und seine Schaffenszeit fast ausschließlich im Norden und Nordwesten von Paris (Nähe Quartier de l’Europe). Claude Monet lebte nie dauerhaft direkt in der Pariser Innenstadt, sondern primär im Umland, vor allem in Giverny, 75 km nordwestlich in der Normandie gelegen.Im Laufe seines Lebens mietete er vor allem verschiedene Ateliers und Wohnungen in und um Paris So war Manet ein Stadt- und Monet ein Landmensch. Der in Besançon (Burgund) geborene Hugo vereinte beides, notgedrungen, denn auf seine Pariser Zeit (er kam als Neunjähriger in die Stadt) verlebte sein langes Exil bis nach Zerschlagung des Kaiserreichs auf den Kanalinseln.
Wie ich seit meiner Baudelaireübersetzung gelernt habe: die meisten Metaphern funktionieren nicht in direkter Übersetzung, man muss nach Äquivalenten suchen.So lautet die französische Redewendung von „ein A für ein O halten“ lprendre des vessies pour des lanternes“ ( (Blasen für Laternen halten“). Auch der deutsche Impressionismus (Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt weist beträchtliche Unterschiede auf, nicht nur in zeitlicher Verschiebung. Der französische Impressionismus (u.a. Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir) fokussiert sich auf die reine, lichte Farbwirkung und die flüchtige Auflösung von Form und Licht. Der deutsche Impressionismus (u.a. Max Liebermann, Lovis Corinth) bewahrte hingegen stärkere zeichnerische Konturen, eine eher erdige Farbpalette und eine tiefere Verwurzelung im Realismus. Während in Frankreich Pinselstriche die Form auflösten (flirrendes Licht), behielten deutsche Künstler das zeichnerische Element und klarere Umrisse bei.
Hugos Werk hat sowohl sozialkritische und damit realistische Anteile, als auch Anleihen aus der Romantik, die wiederum ein Kulturimport aus Deutschland ist. Als Maler zeigt er einerseits bereits ansatzweise Surrealismus auf, andererseits blickt er zurück auf gotische, mittelalterliche Momente.
Manets urbane Malerei konzentriert sich auf den Menschen, Porträts, das Pariser Leben (Cafés, Bars) und Gesellschaftsszenen. Seine Motive sind daher automatisch oft sozial oder politisch aufgeladen und konfrontativ. Monet hingegen, der sich der Natur und dem ländlichen Idyll verschrieb, Ffkussierte sich auf Landschaften, Gärten, Seerosen und das Meer. DDergestalt drängt es Manet zum Objektiven und zum Objekt, Monet zum Subjektiven und zur Impression.
Manet m bevorzugt in seinem Atelier und arbeitet mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten . Zudem lässt er sich ausschließlich von klassischen Meistern (am meisten Velázquez) inspirieren. Monet hingegen vertritt die Arbeit außerhalb des Ateliers, die Plein-Air-Malerei direkt vor dem Motiv, um das augenblickliche Wetter, die Tageszeit und die Lichtstimmung einzufangen. Seine Vorbilder sind primär Vertreter der Schule Barbizon (Daubigny, Jongkind,, Boudin) und der Engländer Turner. Um dies mit einem Satz zum umreißen, bietet sich Monets Aussage an „Mich interessiert nicht das Objekt, sondern das, was zwischen mir und dem Objekt passiert.“ Manet hingegen war zwar darum bemüht, auf seine Sichtweise zu bestehen, wollte aber primär das Gesehene authentisch wiedergeben ohne subjektiven Kommentar. (Ich male was ich sehe und nicht was andere zu sehen belieben). Es lebe der kleine Unterschied von a und o.

Foto Bernd Oei. Place des Vosges 6, Maison Victor Hugo, eines der 14 öffentlichen Gratis-Museen von Paris und neben dem Maison de Balzac das einzige, das ausschließlich dem Leben und Werk eines Schriftstellers gewidmet ist. Über die anderen Pariser Maler seiner Epoche informiert https://www.berndoei.de/wp-admin/post.php?post=9278&action=edit






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