
Foto Belinda Helmert: Passy, Maison de Balzac, ehemaliges Wohnhaus des Schriftstellers mit Blick auf Paris Stadt. Balzac bezeichnet seine Wohnhung als zweite Haut, Roland Barthes schreibt „Die Sprache ist wie eine Haut“, die sich aneinander reibt.
Der Tod des Autors
Roland Barthes kam als Neunjähriger nach Paris (geboren an der normannischen Küste Cherbourg 1915). Sein wohl bekanntestes Werk, das auch seine Literaturtheorie (in Konkurrenz zu Sartre) enthält, lautet Le Degré zéro de l’écriture (Am Nullpunkt der Literatur, 1953). Sein bekanntester Essay lautet La Mort de l’Auteur („Tod eines Autors), 1967. Da Balzac als Inebgriff eines auktorialen Erzählers gilt und Barthes behauptet, ein Autor könne gar nicht allwissend schreiben, bezieht er sich hier von Anfang an auf den Schöpfer der „Menschlichen Komödie“. Der Volltext ist einsehbar unter
Entscheidend ist für Barthes, dass ein literarischer Text zwar einen Autoren hat, aber keinen singulären Textproduzenten braucht, denn der Produzent besteht aus einer Vielzahl von Ereignissen, die dem Autoren vorausgehen oder ihn umgeben. Stattdessen herrscht gurundsätzliche eine intertexturelle Referenz vor: man schreibt sich in einen bereits bestehenden Diskurs ein
Wenn Barthes vom Tod des Autoren spricht, ist damit die „Fiktion der einheitlichen Grammatik“ gemeint. Der Tod des Autors erinnert an den Tod Gottes bei Nietzsche, das Ende des auktorialen Erzählers und der Souveränität eines Autors. Barthes spricht daher bevorzugt vom Schriftsteller écirivain.
„Ein Text besteht aus vielfältigen, aus unterschiedlichen Kulturen hervorgegangenen Schreibweisen, die miteinander in Dialog treten, sich parodieren, in Abrede stellen, aber es gibt einen Ort, an dem diese Vielfältigkeit zusammengeführt wird und dieser Ort ist nicht der Autor, sondern der Leser.“ (Ges. Werke II, Aufsätze, Der Tod eines Autors, S. 495) Damit geht Barthes von der Mündigkeit eines Lesers aus, gegen die der Autor machtlos ist. Dies steht im Kontrast zu Sartres Differenz von engagierter und nicht-engagierter Literatur, nach der es Aufgabe des Autors ist, den Leser zu formen und durch sein Narrativ zu überzeugen. In diesem Sinn war Balzac sicherlich ein engagierter Autor, der sich als souveräner Schöpfer einer literarischen Wirklichkeit sah unter Einbindung der Soziologie.

Zeichnung von Maison Balzac und der Rue Rayounard zu Lebzeiten des Schriftstellers. Gut zu erkennen ist die Lage auf einem Hügel, der einen guten Blick auf Paris erlaubt.

Foto Belinda Helmert: Seine und Blick auf den Eiffelturm und Pont Alexandre, auf der linken Uferseite beginnt der Stadtteil Passy, 16. arrondissement – Balzacs voretztem Wohnhaus (1840-47) .Das Stadtviertel liegt am rechten Ufer der Seine. Der zweitlängste Fluss (775 km) durchzieht 13 km Paris.
Kleidung und Geschlecht
Den Anfang von Barthes ‚Essay bildet „Sarrasine“, eine 1830 publizierte Novelle von Balzac, die er der Rubrik „Pariser Szenen“ zuordnet. Inhaltlich ist es einer der ersten Gender – Geschichten, die von der die leidenschaftliche Liebe eines Mannes zu einer Sängerin, die eigentlich ein männlicher Kastrat ist, handelt. Eine detailliertere Inhaltsangabe liefert https://www.grin.com/document/44036?srsltid=AfmBOopwjRjwZhw2vgBJC7z3ttmmVoPj_W1833SM6mkM0I2jR11qtfif. Darüber hinaus https://www.grin.com/document/44036? und https://literaturschock-forum.de/forum/thread/17599-balzac-sarrasine/. Die Sichtweisen ergänzen und komplettieren sich. Bereits der erste Satz thematisiert das Thema der Verkleidung für die Geschichte.
Dass dieses Thema um eine Doppelrolle bzw. Geschlechterverschiebung/Verwechslung äußerst beliebt ist, dokumentieren auch die Erzählungen von Gautier und Sand im selben Zeitraum. Die Hinterfragung von Geschlechterrollen und Rollentausch ist offenbar ein Reizthema vor Mitte des 19. Jahrhunderts und damit der französischen Romantik , die in den Realismus übergeht.Zudem treten Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinander.
Der Grund, warum Sarrasine Zambinella als Frau liest, ist zunächst ihreseine äußere Erscheinung, vor allem die Kleidung: Auf der Bühne tritt Zambinella als Frau auf, trägt Frauenkleider und singt mit einer hohen Sopranstimme, später spielt sieer mit der Täuschung Sarrasines und erhält den Schein
aufrecht, bedient sich weiblicher Verhaltensmuster und Codes, die Sarrasines Lesart Zambinellas als Frau und seine romantischen Gefühle bestätigen.
Barthes führt „Sarrasine“ als Beispiel an, um zu demonstrieren, dass sich die Deutungshoheit eines literarischen Textes nicht eindeutig auf eine bestimmte Person oder Absicht zurückführen lässt. Die Verkleidung dient ihm als Chiffre für diese Undurchschaubarkeit bzw. Verwechlung. Die zentrale Frage lautet dabei immer: Wer spricht, wenn er schreibt? Wirklich der Autor? Die Instanz bleibt folglich ungewiss und – um ein Beispiel zu nennen, die Frau (eigentlich ein Mann) Sarrasine beklagt sich, wer entscheidet über ihr/sein“ „Ich“.
Barthes vertritt die These, dass ein Autor sich niemals freimachen kann von sich selbst, seinen Erfahrungen, seinem Wissen. Ein objektiver Blick von Außen muss ebenso misslingen wie der Versuch, dem Leser ein Narrativ aufzusetzen, da die Einbildungskraft (Imagination) nicht zu kontrollieren ist.

Foto Belinda Helmert: Eingangstor zum Maison Balzac im Stadtteil Passy, eines von 14 städtisch verwalteten Museen in Parishttps://de.wikipedia.org/wiki/Maison_de_Balzac und https://parisjetaime.com/ger/kultur/maison-de-balzac-p3501
Vernichtung des Sinns
Barthes – er wurde 64 Jahren von einem Lastwagen überrollt – geht es immer um den Prozess, den Weg, die Methode, nie das Ziel oder den Zweck des Schreibens. Kern der Novelle ist damit nicht die Suche nach der ‚Wahrheit‘, sondern die Ambivalenz oder gar Polyvalenz der Wahrheit, exerziert am Beispiel Zambinella. Es gibt nicht eine Wahrheit, stattdessen vereinen sich in Balzacs Erzählung in Zambinella derart viele Wahrheiten, dass sie die Erfassbarkeit des Menschlichen, repräsentiert durch den statisch denkenden Sarrasine, übersteigen. Genau darin liegt der Wert der Figur Zambinella, in der „Vernichtung des Sinns“ file:///home/bernd/Downloads/izgonzeit2,+3+Bollschweiler.pdf. Dazu folgendes Zitat aus „Der Tod des Autors“:
„Ein Text ist vielmehr ein mehrdimensionaler Raum, in dem eine Vielzahl von Geschriebenem, nichts davon original, zusammenfällt und sich vermischt. Ein Text ist ein Gewebe aus Zitaten, welche aus den zahllosen Zentren der Kultur gezogen werden.“ (Ges. Werke II, S. 500) Zudem spricht er von einem Säuseln bzw. Rauschen der Sprache, um zu verdeutlichen, dass es eine Illusion ist zu glauben, der Leser vernehme den Autor genauso wie er gehört werden will.
An die Stelle von Logik und Sinn treten daher heterogene Zitate, Anspielungen und diskursiven kulturellen Praktiken zusammengesetzte rhetorische Funktion, die einem klassischen Narrativ ähnelt. Man fragt oft: Wer spricht zu wem.? Ist es das Individuum Balzac als souveräner Erzähler mit seiner
persönlichen Philosophie über die Frau? Oder ist es der Autor Balzac, der ‚literarische’ Ideen über das Weibliche verkündet? Die Geburt des Lesers geht automatisch mit dem Tod des souveränen allwissenden Autors. einher wie jeder Sinn vom Leser a posteriori konstruiert erscheint. „Die Abwesenheit des Autors macht es ganz überflüssig, einen Text ‚entziffern’ zu wollen.“
Barthes betrachtet den Text folglich primär als Gewebe, einen (Lebens)Raum und Verweisen bzw. Zitieren und Paraphrasieren von anderen Texten, insofern die ewige Wiederkehr des Gleichen in stets neuer Form. „Der Text ist ein Gewebe von Zitaten aus unzähligen Stätten der Kultur.“
Er begegnet der Sprache Dem Text begegnet als organischen Körper, nicht als statisches fertiges Gebilde und als Wille zum Opfer. Letzteres ist bei Balzac, der ausschließlich für das Schreiben lebte und auch nur über das Schreiben Frauen für sich gewann oder warb, sicherlich der Fall. In den praktischen Dingen des Lebens scheiterte dieser Visionär, der im Grunde an einer Überfülle von Handlungen, einem Aktionismus, litt, andererseits dieses starke Begehren jedoch als Antrieb für seine Arbeit (dieses unvergleichliche Pensum) benötigte. “ Balzac kann man daher nur in Hinblick auf seine Leserschaft verstehen. „Der Schreibende konnte sich, nicht als psychologisches Subjekt, die Subjektivität sehr wohl überwinden, indem er sich aktiv für seinen Leser opferte.“

Foto Belinda Helmert: Paris, Passy, Maison de Balzac, nachgestelltes Arbeitszimmer Schreibtisch, Stuhl, Bibliothek, Büste, Original Holzboden. https://www.maisondebalzac.paris.fr/
Balzac korrigierte und redigierte wie kaum ein anderer Autor. Er leistete sich eine private Druckerei, um seine textualen Veränderungen vornehmen zu lassen. Barthes schreibt dagegen scheinbar nur für die Lust, das Begehren. In seinem Essy verweist er neben Balzac auf die nahezu konträren Autoren Baudelaire und Mallarmé, die nichts auf Politik und Realität geben und entweder symbolisch, ansatzweise surreal schreiben. Wo Sartre einen grundsätzlichen Unterschied erkennt, herrschen für Barthes fließende Grenzen.
Barthes „Am Nullpunkt der Literatur“ antwortet bzw. widerspricht Sartres „Was ist Literatur“. Er begreift Sprache als soziales Objekt, als Realität an sich bzw. als Strukturell. Er untersucht daher primär Stil und Methode eines Textes, nicht seinen Inhalt, Zumindest in diesem Werk erweist er sich als Semiologe und Strukturalist. Sein Buch besteht aus 10 Essays. Das Inhaltsverzeichnis bzw. die Gliederung ist abrufbar unter https://d-nb.info/97787382x/04
Er reagiert damit vor allem auf die von Sartre vorgetragene Position, dass der Schriftsteller für sein Zeitalter verantwortlich sei und Literatur immer auch engagiert zu sein habe. Wichtige Voraussetzung ist dafür die Freiheit, die sowohl Schriftsteller als auch Publikum brauchen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. und betrachtet dieses Problem vom Standpunkt der Schrift aus, das heißt in einer semiotischen (zeichentheoretischen) Perspektive: Barthes hinterfragt, welchen Zwängen literarisches Schreiben unterliegt (während Sartre immer die Freiheit betont) und welcher Art die Freiheiten sind , die ein Schriftsteller oder ein Leser für sich reklamieren kann.
Entscheidend wird dabei der Unterschied zwischen langue (Sprachrhetorik= Rede, Dialog)), style (Stil)) und Schrift (écriture). https://www.buechereule.de/wbb/thread/35955-roland-barthes-le-degr%C3%A9-z%C3%A9ro-de-l-%C3%A9criture-dt-am-nullpunkt-der-literatur/ Nun weiß man, dass sich Balzac als Geschichtsschreiber und Soziologe verstand, weniger (trotz seiner enormen Einbildungskraft) als Poet. Er wollte der Wissenschaft dienen und glaubte in seinen Romanen, die Gesellschaft abbilden, sogar verändern zu können. Barthes zeigt in diesem Zusammenhang auch die historische Gebundenheit politischer bzw. politisch gewollter Literatur auf, setzt sich etwa mit dem sozialistischen Realismus und seiner Verwurzelung im Bürgertum auseinander
Der Nullpunkt basiert auf die fundamentale Unterscheidung von écrivain, Schriftsteller und écriture, Schreiben, quasi zwei Dimensionen. Ein Schriftsteller benutzt Sprache gezielt als Werkzeug und hat eine Botschaft – entsprechend literature engagée bei Sartre, nur dass Barthes dies als untergeordnet empfindet. Für den wahren Schriftsteller ist écirture nicht einfach ein Mittel, sich und seine Meinung mitzuteilen, sondern Entwurf der Ideologie, innerhalb dessen Schreiben stattfindet. Er ist mehr als nur ein Schreiber oder Chronist (hier benutzt Barthes den Begriff écrivant), sondern ein Seismograph seiner Epoche, quasi ein Medium. Daher bevorzugt er Proust, Flaubert, de Sade, Baudelaire – Autoren, die Sartre aufgrund ihres mangelnden (politischen) Engagements geringschätzt. Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit Kafka.

Foto Belinda Helmert: Autografie Balzacs mit zahlreichen Korrekturen. Mehrfach schrieb Balzac nebenbei seine bereits vorhandenen Werke um, teilweise mit unleserlichen Druckefahnen, www.lacycloboheme.fr/de/agenda/exposition-exceptionnelle-des-epreuves-corrigees-du-roman-beatrix/
Schreiben als Verführung
Der Nullpunkt besteht genau darin (im Gegensatz zu Sartre) die Literatur von Politik und Historie zu befreien und anstelle der Ideologie (Fesseln) nur die Lust am Schreiben zu entwickeln, welche durch die Vieldeutigkeit entsteht. Für Barthes sind alle anderen Ein- und Zuordnungen Zeichen bürgerlicher Gewalt. Das klassische Schreiben – Prototyp Balzac – besteht in der Weltanschauung, die mittels der Poesie/Prosa den Leser vereinnahmen/überzeugen soll. Der Nullpunkt ist theoretische Utopie, ein „feuille blanche“ (weißes Blatt), das bedruckt wird und dekonstruierrt werden muss. Daher hat Barthes einen Sinn für Autoren, die nicht vereinnahmt/ werden können, damit instrumentalisierbar sind.
„Am Nullpunkt der Literatur“ richtet sich gegen Sartre, weil er r die Moderne gerade darin entdeckt, gegen die Norm anzuschreiben und zu begreifen, dass Sprache ein „soziales Objekt“ ist, dem sich niemand, auch der Autor nicht, zu entziehen vermag. Der Schriftsteller hat daher keine Wahl, was Sartre und Balzac widerspricht, er ist ein Geist seiner Zeit und geprägt durch „Automatismen seiner Kunst„. Einzig die Schreibweise gewährt ihm Freiheit und Individualität. Barthes bezeichnet sie auch als „Moral der Form“
Um ein Beispiel für Barthes Aphorismen zu geben „Die Literatur erlaubt es nicht zu gehen, aber zu atmen“. Es geht ihm offensichtlich nicht um die Revolution, sondern um Standortbestimmung und innere Bereitschaft, im Idealfall Balance zwischen r historischer Solidarität und freiem Ausdruck. Balzac nannte sein Schreiben einen „Abglanz meines Begehrens“. Das Begehren – bei Sartre der falsche Glaube – unterscheidet Barthes in poetische désir (der Produzierende) , lektorales Begehren plaisir (der Konsument), wiederkehrende jouissance, der Lust am Interpretieren (Kommentar) und envie (der Lust am anderen bzw. nach anderem)Diese unterschiedliche Herangehensweise kommt in „Die Entstehung eibnes Romans“ besonders pointiert zum Ausdruck. Daher schreibt Barthes ein eigenes Buch über „Die Lust am Text“ – philosophisch ist die différnce von Bedeutung. Fazit: Kunst will verführen, nicht erklären./führen.

Foto Belinda Helmert: Maison de Balzac, Büste des Meisters. Schrift im Hintergrund: Herr Balzac ist unglücklich darüber, dass er fetter wird. BArthes schreibt, die Sprache ist wichtiger als der Autor und seine Botschaft. Wo Balzac klare Leitlinien setzt, will Barthes irritieren.

Foto Belinda Helmert: Büste Balzacs mit Fenster zum Garten und Chinoiserie, die er sammelte
Bezeichnendes und Bezeichnetes
Als Sturkturalist und Schüler Saussures stellt Balzac anfänglich Zeichen und Bezeichnetes entgegen. Ersters, le significant, umschließt die äußere Wahrnehmung, mitsamt der Phonetik (Lautbildung) und die Vorstellung (Imagination), Ldtzteres (le signifié) die mentale Bedeutung und Zuschreibung, daher Analyse und Interpretation. Der Signifikant entspricht daher dem Eindruck, der Signifikat dem Ausdruck bzw. Inhalt.
Für Barthes gilt das Bezeichnende in der Form, sei es Wort oder Bild wie in der Fotografie, sowie dem Bezeichneten welches in der Idee besteht. Er leitet daraus zwei Ordnungen ab: die Denotation, eine wörtliche Bedeutung und die Konnotation (Mythos) – für Barthes elementar – sprich die Bedeutungszuschreibung (meist symbolisch) eines Zeichens, meist dem Ding.. Durch sorgfältige Trennung glaubt Barthes die Phänomne zu dechiffrieren, also entschlüsseln zu können. Balzac liefert ein Musterbeispiel für die Zusammenführung von beidem. Das Zeichen ist für Barthes hier das materiell Sichtbare (Kleridung wie Vqter Goriots weiße Weste mit goldener Uhrkette), das Bezeichnete der damit verbundene Auf- und Abstieg des Bürgertums. Barthes erkennt, dass Balzac Attribute nicht wahllos für seine Charaktere einsetzt, sondern als notwendige Zeichen für gesellschaftliche Dynamik.
In S/Z ist das Ergebnis einer strukturalen Balzac-Lektüre, einer Lektüre, die nicht primär den Inhalt, das Erzählte eines Textes analysiert, sondern Wort- und Satzsequenzen, deren Beziehungen aufeinander und auf andere Texte, die strukturale Bedeutung eines Zeichens. Barthes nimmt den Text nicht naiv als das, was er bedeuten will bzw. zu bedeuten vorgibt, sondern vorab als kunstvolles Gewebe von Signifikanten, deren »Sinn« nur aus ihren referentiellen und strukturalen Beziehungen zu entschlüsseln ist.

Foto Belinda Helmert: VMaison de Balzac, Vitrine mit 100 Figuren, die in der Comédie Humaine (93 Werke) eine (wiederkehrende) Rolle einnehmen.
Die helle Kammer
Barthes interessierte sich sehr für die Fotografie wie Balzac für die Daguerrotypie (benannt nach Balzacs Zeitgenossen Louis Daguerre, der zugleich (Theater) Maler war.Auch Balzac hegte ein großes Interesse an Technik und Reproduktion. Als Jahr der ersten Fotografie (camerra obscura) gilt das Jahr 1844, sechs Jahre vor Balzacs Tod und sieben vor jenem des Erfinders. Auch Barthes beschäftigt sich intensiv mit der Fotografie, da sie das Leben einfriert und damit einem Tod gleicht – sei Leitmotiv war von jeher der Tod, auch wenn „(La chambre claire“ eines seiner letzten Werke ist. Das zweigeteilte Buch erörtert zunächst bisherige Forschung zur Fotografie, um danach eine eigene Theorie zu entwickeln. Dabei stehenstudium und punctum sich so entgegn wie Schreiben und Schreibiweise oder Schriftsteller und Autor.
Das studium bezieht sich, auf den Kontext, das Motiv und die den Kontext, das punctum, wörtlich kleiner Fleck, auf das Besondere, die Form, den Stil der Aufnahme. https://barthesglossar.wordpress.com/2012/12/11/punctumstudium/ „Aus studium interessiere ich mich für viele Photographien, sei es, indem ich sie als Zeugnisse politischen Geschehens aufnehme, sei es, indem ich sie als anschauliche Historienbilder schätze: denn als Angehöriger einer Kultur (diese Konnotation ist im Wort studium enthalten“ – Barthes spricht von )Figuren, Mienen, eEsten, also immer etwas Konkretem und Sichtbarem. Im Gegensatz dazu steht das puinctum als die Kenntlichmachung von Unsichtbarem und Unsagbarem. vergleichbar Benjamins Aura, „ein jähes Erwachen, durch keinerlei »Ähnlichkeit« ausgelöst, das satori, wo Worte versagen“
In einer lustvollen Balzac-Lektüre vergleicht er den Text mit einem „Sternenhimmel“, der unendlich viele Zugänge bietet. Plötzlich war die Redeweise vom „pluralen Text“ geboren, einem Text, dessen Struktur nicht homogen, sondern – wie Roland Barthes betont – „ständig gebrochen“ ist. Wenig später publizierte Barthes, der die seltene Gabe besaß, Wissenschaft und Literatur miteinander zu vereinen, „Le plaisir du texte“ – „Die Lust am Text“. https://www.deutschlandfunk.de/geistesgeschichte-roland-barthes-landschaften-der-theorie-100.html

Eugène Ratignac, einem der häufig wiederkehrenden Protagonisten Balzacs. Die Zeichnungen der Romanfiguren im Maison Balzac stammen von Édouard-Alexandre Pennequin, der die Illustrationen für die „Menschliche Komödie“ (La Comédie Humaine) von Honoré de Balzac schuf.






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