Leise vergeht das Jahr; eine Gelegenheit für Morgen und mehr Natürlichkeit

Leise vergeht das Jahr ohne Schnee,

Vergebliches Hoffen, dass Corona vergeh,

Weihnachtlich schweigt der Blätterwald:

Freue Dich, drinnen ist warm, nur draußen kalt.

In den Herzen und Köpfen soll es funkeln

Gleich was Regierungen munkeln,

Nutz die Gelegenheit, söhne dich aus

Schreib einen Brief, der verlässt dein Haus.

Kein Groll mehr in der Nacht

Chor der Versöhnung erwacht;

Überwinde die Furcht und es schallt:

Lächeln im Geben, Danke im Nehmen schon bald.

Auf diesem Weg, alle die meinen blog lesen, frohe gesunde Weihnachten. Fröhliche auch, denn Humor ist, wenn man nicht in den Keller muss, um zu lachen.

Die Philosophie schweigt meist zu dem christlichen Fest und die Messe über den Konsum ist bereits gesungen. Auch wenn man es nicht oft genug wiederholen kann wie alles Wahre, Gute und Wünschenswerte, dass es gut tut, zu verzeihen, zu umarmen und zu lieben: du musst es schon selbst machen, damit es wirklich wirkt. Manchmal genügt auch eine gedankliche Umarmung. Ja, auch Gedanken haben ihre Wirkung und sind auf ihre Weise Taten. Und ja, es ist ein Anlass, sich dessen bewusst zu machen, was da ist, in die Fülle zu gehen, deine eigene als auch die der Um- und Mitwelt. Der Weihnachtsmann hat auch einen Wunsch: gründlich an die Umwelt denken im Sinne von Jonas Prinzip der Verantwortung. Handle so, dass du auch morgen noch die Welt umarmen kannst und nicht schlechter zurücklässt, als du sie vorgefunden hast.

Wir alle können uns denken, dass es Menschen gibt, die einsam sind, besonders an diesem Tag ihr Alleinsein verspüren. Philosophen, wenn sie nicht christlich orientiert sind, fragen sich, weshalb Weihnachten nicht alle Tage sein kann. Solche, die christlich nach den Geboten der Liebe und Fürsorge handeln ohne in die Kirche zu gehen natürlich auch. Vielleicht ist die Antwort einfach, weil es die bestimmten Momente braucht, in der wir über uns hinauswachsen und besinnlich werden können, im Herzen etwas offener für Versöhnung, Gnade und Frieden.

Gnade kommt von natürlich, also für die Natur. Das geht unter dem C. Thema oder Schmucklast verloren. Die Natur fängt bei frischer Luft an und hört beim Baum nicht auf. Warum nicht den Feinstaub dieser Erde reduzieren? Oder Amazon dazu bringen, dass sie jeden Gewinnanteil in den Amazonas schicken zum Erhalt des Regenwaldes, ohne den es bald keinen Tannenbäume mehr geben wird (Entropie, Klimawandel) Vielleicht bedarf es etwas Kitsch oder Glitter, in manchen Fällen einen Braten oder Kinderlachen, raschelndes Geschenkpapier (ohne Plastik), ein gemeinsam gesungenes Lied, vor allen in Zeiten der Entbehrung. Manche sehen sich nur am Weihnachten, andere können nur da über ihren imaginären Schatten springen und ganz viele erinnern sich dann an die guten Erlebnisse aus der Kindheit mit Opa und Schnee, Oma und Eierlikör, dergleichen gibt es, sogar für Verstandesmenschen und Misanthropen.

Ermöglicht die Zeit der Engel und Christi Geburt eine Erkenntnis? Ja, wenn man von allen zynischen Bemerkungen einmal absieht, dass Esel und Ochse die ersten Zeugen neuen Leben waren und Maria keine Jungfrau. Die erste Erkenntnis: Wunder oder ähnliches, sagen wir: unerklärbare Dinge, freudige Ereignisse, die nicht zu erwarten sind, können geschehen. Rechne mit allem, selbst etwas Gutem. Zweitens: wir können allem einen Sinn verleihen, selbst wenn die Nacht düster, kalt und leer erscheint. Drittens: Bräuche und Rituale sind archaisch, von der Evolution gewollt, ob Gottesgeschenk oder nicht: sie sind gut für die Seele und bieten einen äußeren Anlass für die Katharsis, die Seelenreinigung.

Jeder Mensch hat Anteil am göttlichen Funken. Gewiss, auch diese Einsicht hat einen Bart, schon Meister Eckhard formulierte sie, doch das geschah zu einer Zeit, als Philosophie und Glauben, ja sogar Religion noch nicht geschieden waren, nicht einmal die Trennung in Erwägung zogen, also im Mittelalter. Hegel spricht immerhin von der Menschwerdung. Er ist ein gutes Beispiel für rationales Denken, das durchaus einen persönlichen Glauben erlaubt, ja sogar fordert. Gefährlich wird es immer, wenn blinder Glaube, aus dem sich leicht Fanatismus entwickelt und unkritisches Denken, die Basis bildet. Um unserer selbst willen, nicht weil andere es fordern, sollten wir dienen und milde sein.

Ab und zu gehört die Einsamkeit, freundlicher formuliert, Stille, dazu. Wie sagt Nietzsche doch in Ecce Homo, Vorwort, 3 : „Das Eis ist nahe, die Einsamkeit ist ungeheuer, aber wie ruhig alle Dinge im Lichte liegen und wie frei man atmet.“ (Freilich, er kannte das Maskengebot nicht). „Philosophie, wie ich sie bisher verstanden und gelebt habe ist freiwilliges Leben in Eis und Hochgebirge – das Aufsuchen alles Fremden und Fragwürdigen im Dasein, all dessen, was durch die Moral bisher in Bann geraten war.“ Also traut euch. Freut euch des Lebens, jenseits aller Partys und speed-datings. Seid euer eigener Leuchtturm, das strahlt aus und steckt an. Ich verhehle nicht, ein Jünger des Dionysos zu sein. Nicht wenige wie Hölderlin erblickten in Jesus die Wiedergeburt des Dionysischen Ja-Sagenden Prinzip des Lebens, dem amor fati der Liebe.

Die Welt weihen oder retten fängt bei sich selber an. Aber nicht in dem Sinn wie er im Hyper-Individualismus missverständen wird: immer schön das Ego aufblähen, nur die eigenen Rechte und Interessen sehen, anderen nicht zuhören, sondern aushorchen. Sympathie oder Solidarität mit Andersdenkenden? Das aber lehrt die Philosophie, sie ist nicht cool, nicht immer geschmeidig, meist beschwerlich, aber nie entbehrlich. Entbehrend und nicht verzehrend. Manche nennen es Glauben, warum nicht, so wie es heißt: Wenn die Welt morgen unterginge, pflanzte ich heute noch einen Apfelbaum. Vermutlich brauchen wir alle Trost und Weihnachten liefert eine solche Atempause von Hektik und Stress (es sei denn, man macht ihn sich durch Maxime wie „das muss und das muss auch noch“ selbst). Manch ein Philosoph verzichtet aber auf metaphysische Tröstungen, er sucht das Heil im Hier und Jetzt, im Heute (denn das ist das Morgen von Gestern).

Jeder kann Freiheit. Will heißen, jeder kann sie sein oder werden. Viele verwechseln Freiheit mit Geld, Macht, Bequemlichkeit, Zugang, Haben. Das ist der Inflation der Begriffe geschuldet.  Selbstbewusstsein der Freiheit ist auch ein christlicher Gedanke. Wir alle sind frei, das schließt ein, dass wir entscheiden können, fühlen und denken, zurücknehmen, bereuen, begreifen, verstehen und vieles mehr. Wer sich nicht in Frage stellt oder bereit ist, seine vorgefassten Meinungen, sein Handeln und Urteilen zu überdenken, gegebenenfalls auch zu bereuen, ist nicht frei, sondern gefangen.

Die Weihnachtsgeschichte handelt nur am Rand von einem Kind auf Stroh, Ihr Kern liegt in der Befreiung, nicht nur von Sünde, Scham und Schuld, sondern der Neugeburt, die im Grunde jeden Tag erfolgt. Weihnachten macht etwas sichtbar wie ein leuchtender Stern über dem Stall. Überall ist etwas und sei es noch so verarmt, erkaltet, verdunkelt, was liebenswert ist und geboren dazu, frei zu sein, frei sich zu entwickeln.

Weihnachten gibt uns Anlass, ohne Sorge, Furcht oder Neid zu sein. Dann bin ich frei in meinen Wegen. Freiheit ist auch ein Virus, aber ein guter, ansteckend und resistent, mutierend und daher variabel. Freiheit hat viele Gesichter, wie Weihnachten auch, beides ist kreativ und eine Regung des Herzens.

Die eigene Freiheit endet, wo die des anderen beginnt. Daher noch ein Schlusswort zu Grenzen. Wir haben uns an Grenzenlosigkeit gewöhnt. Ins All fliegen oder einfach in Europa ohne Pass, im Zug mal schnell ohne zu packen oder zu buchen, auf der Autobahn ganz schnell zu sein. Grezenloses Wachstum, Geschenke über Geschenke, selbst solche, die nichts kosten, also Selbtverständlichkeiten. Dinge, die nicht wirklich zählen, aber zu unserer Komfortzone dazugehören: die Grenzen waren auf, die Mauer weg. Vergessen wurde, dass grenzenloser Wachstum verantwortungslos ist und Verantwortung von Freiheit nicht zu trennen.

Verdrängt wurde, dass die Mauer in manchen Köpfen blieb und das Eigene, Vertraute mitgenommen wurde auf unsere Reisen, so dass die Fremde oft fremd blieb. Übergangen wurde, dass Überholen und Rausch der Geschwindigkeit geschuldet sind, der Wahrnehmung und beides in eine Dialektik des Stillstands, der Katastrophe in Permanenz mündet. Manch einer hielt sich für einen guten Autofahrer und frei von Schuld, bis er in den Rückspiegel sah und die vielen Unfälle gewahr wurde. Mit einem Lächeln sagte er dann zu sich selbst, wie schade, dass nicht alle so gute Fahrer sind wie ich. Irgendwann wurde es einsam um ihn auf der Straße und die viele Freiheit im Tank blieb ohne Sinn. Es blieb niemand zum Überholen, niemand zum Bedauern, die Länder sahen alle gleich aus, ein Flimmern, nicht mehr.

Dafür ist Weihnachten: ein wenig Zeit zur Stille, Muse, Behaglichkeit. Eine Chance zur Einkehr und es besser zu machen, Freiheit in sich zu entdecken und vielleicht auch fürs nächste Jahr.

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