
Foto Belinda Helmert: Bühne in Deblinghausen (gehörig zur Gemeinde Steyerberg) mit abendlich grünem Licht für das irisch-schottische Open Air Konzert mit Teilnahme der Dudelsack Formation Dersa Highlanders aus Demme im benachbarten Landkreis Vechta.
Philosophen-Triumvirat
Die bekanntesten schottischen Philosophen sind David Hume (Edinburgh), Adam Smith (Kirkcaldy) und Thomas Reid (Stachan); sie repräsentieren die Epoche der Aufklärung und den common sense (gesunden Menschenverstand) und bildeten die erste und zugleich“goldene“ Generation nach dem erfolgten Anschluss Schottlands an das Vereinigte Königreich Großbritannien (United Kingdom) am 1. Mai 1707 durch die sogenannten Acts of Union (Vereinigungsgesetze). Zwischen Reid (1710), Hume (1711) und Smith (1723) liegen gerade 13 Jahre Altersunterschied.
Heute stehen alltäglich Spieler in der schottischen Hauptstadt an der Ostküste um die Statue von Hume am Royal Mile / Parliament Square, um ihm mit traditioneller Dudelsackmusik (Highland Bagpipes) die Ehre zu erweisen. Der Hauptvertreter des Sensualismus, argumentierte stets von der Geschichte aus und erwies sich dabei als Sympathisant der schottischen Unabhängigkeitsbewegung. Heute halten sich die Anteile von Befürwortern und Gegnern der absoluten nationalen Unabhängigkeit bei etwa 50% die Wage. In England bzw. Schottland ist sein sechsbändiges „History of England“ (1754-1761) am verbreitetsten. Schottische Ereignisse werden darin immer dann ausführlich behandelt, wenn sie direkten Einfluss auf die englische Politik, Kriege oder die Herrscherhäuser (insbesondere das Haus Stuart) hatten, so dass von einer indirekten Parteinahme gesprochen werden kann.
Mit dem verlorenen Machtkampf der Stuarts gegen die aufstrebenden englischen Tudors bahnte sich der Verlust Schottlands Eigenständigkeit und der unaufhaltsame Aufstieg Britannia (rules the world) seinen Weg. Daher nehmen in seinem historischen Sextett die schottische Reformation, die Herrschaft von Maria Stuart und die Konflikte um die Personalunion (ab 1603) und den Act of Union (1707) dennoch einen besonders breiten Raum ein und rechtfertigen, dass Hume auch Chronist der eigenen Nation ist. Den Nutzen der Geschichtskenntnis erblickte Hume in der „Aufdeckung der festen und allgemeinen Gesetze der menschlichen Natur“.
Als pragmatischer Empiriker und Skeptiker vertrat Hume einen streng wissenschaftlichen, auf erfahrbaren Beweis zugänglichen Denkansatz und damit das Gegenteil von Kants Idealismus bzw. Transzendentalismus. In“Treatsie of Human Nature“ hinterfragt er die Voraussetzungen menschlicher Vernunft /Verstand (beides wird im Englischen nicht getrennt, sondern mit reason übersetzt) – es fand seinerzeit nicht einmal in seiner Heimat Anerkennung. Der heute verehrte Philosoph musste sich lange als Hauslehrer ohne feste Stellung durchschlagen und erfuhr nur sporadisch Zuspruch und Verbreitung über seine kulturphilosophischen Essays. Die Gemeinsamkeit mit seinem deutschen Gegenpart Kant besteht in der Wertschätzung Newtons und der Mathematik/Physik als Grundlage der Ratio.
Grundidee der „Treatsies of Human Nature“ bildet die Unterscheidung von Perzeptionen (differenziert in unmittelbare und mittelbare) , auf die alle Wahrnehmung/ Sinnlichkeit beruht und der Kausalität, die im Alltag meist auf Gewohnheit besteht. Allein das besagt, der Mensch sollte Dinge grundsätzlich überprüfen und erleben, bevor er an sie glaubt. Dabei nennt er die unmittelbaren Wahrnehmungen impressions (Eindrücke) und die mittelbaren ideas.
Zudem betont Hume darin in induktive Methode und die elementare Beobachtung von singulären Phänomenen.n Beispielsweise sind Farben Ergebnis persönlicher menschlicher Wahrnehmung und existieren weder neutral noch objektiv, sondern nur das Erlebnis im Bewusstsein. (Kapitel Vom Ursprung der Vorstellungen) Die knapp 400 Seiten sind eingestellt unter https://ia801400.us.archive.org/31/items/traktatberdiemen00hume/traktatberdiemen00hume.pdf

Foto Bernd Oei: Heimatscheune Deblinghausen und Eingang zum Open Air Konzert am 30. 5. 26, bei dem Irish Folk von den Haggies und Scottish Highland Bagpipe von den Dersa Highlanders. obschon beide Gruppen aus der Region stammen, erweckten sie seinen authentischen Eindruck von Irland/Schottland.
Schottisches Literaten-Triple
Sucht man die heute populärsten schottischen Literaten, so fällt der Name unweigerlich auf Walter Scott (Edinbourgh) mit seinen historischen, häufig im Mittelalter angesiedelten Romanen (u .a. Vorbild für Balzac und Hugo sowie Hauff und Fontane). Daneben auf Robert Louis Stevenson (Edinbourgh)) vornehmlich wegen seiner Abenteuergeschichten und den in seiner Heimat verehrten Nationaldichter Robert Burns (Alloway). Die drei trennen fast ein Jahrhundert: Der Lyriker von der schottischen Westküste wurde 1759 geboren, Scott 1771, Stevenson, die aus der Hauptstadt im Südosten stammen, hingegen 1850. Nein, Glasgow, die größere und im Westen gelegene Metropole ist nicht die Hauptstadt Schottlands und hat auch nicht annähernd so viele Persönlichkeiten aus der Literatur hervorgebracht, dafür galt an der Westküste gelegene Industriehochburg lange als größte Schiffsbauwerft der Welt.
Nicht unerwähnt bleiben darf Arthur Conan Doyle (ebenfalls Edinburgh), Autor und Erfinder die weltberühmte Detektivfigur Sherlock Holmes. Sein Assistent Dr. Watson erwähnt das Dudelsackspiel bisweilen. Im Gegensatz dazu kommt Scott des öfteren auf die Highland Bagpipe zu sprechen.
Bezogen auf das Instrument ist Scotts Roman „Rob Roy“ (1817), in dem Dudelsack eine Schlüsselfunktion zukommt, der bekannteste. Er dient darin den Clans in den schottischen Hochländern zur Verständigung und auch Warnung der Soldaten vor einem Hinterhalt oder er signalisiert das Herannahen verbündeter Clans in den Wäldern. Vorbild dafür lieferte die reale Person Robert Roy MacGregor als der „schottische Robin Hood“. https://de.wikipedia.org/wiki/Rob_Roy_(Walter_Scott)
Stevenson erwähnt das schottische Musikinstrument per se auch, v.a. in „Entführt“ (1886). Der Abenteuerroman handelt jungen Waisen David Balfour, der von seinem habgierigen Onkel entführt und auf ein Schiff nach Amerika verkauft wird. Historischen Hintergrund liefern die Jakobiteraufstände (Jakobiten waren die Anhänger des schottischen Königshauses Stuart) . Er diente de Jakobinern als zentrales Instrument und Kriegswaffe. Nach der entscheidenden Niederlage bei Culloden 1746 verboten die Briten die gälische Instrument. Daher besitzt es bis heute symbolische Widerstandskraft.

Foto Belinda Helmert: Dudelsackspieler Dersa Highlanders bei der Ausübung ihrer Bläserqualitäten. Um keine quälenden Töne hervorzurufen erfordert dies perfekte Zusammenspiel von konstanter Luftzufuhr, Armdruck und präziser Fingertechnik. http://www.dersa-highlanders.com/index.php
Als das Dudeln verboten war …
Die Heimat der Pipers sind zweifellos die Highlands im raue Norden und Nordwesten Schottlands, deren höchste Erhebung, der Mount Ben Nevis mit 1345 m auch die höchste der gesamten Insel Großbritanniens ist. Und nein, die Wuthering Heights spielen erstens in Nordengland und zweitens hat die Autorin von „Sturmhöhen“Emily Brontë Engländerin die römische Provinz Kaledonien nicht einmal besucht.
Die mit dem englischen Pseudonym aufwartende Französin George Sand hingegen verfasste mit „Die Musikantenzunft“ einen Roman, der die Dudelsacktradition ausgiebig würdigt. Ihr 1853 publizierter„Les Maîtres Sonneurs“ spielt zwar nicht in den Highlands (sondern in der Region zwischen Cher und Indre) , handelt aber von Pipers, die man in Frankreich cornemuseux nennt.
Einige schottische Witze, kurz und trocken, kursieren um den Dudelsack. Zwei Kostproben: „Der Dudelsack ist das einzige Instrument, das man nicht stimmen kann. Aber das fällt ohnehin nicht auf.“ Und: „Die Definition eines Genies: Ein Mann, der einen Dudelsack spielen kann – und es trotzdem nicht tut.“
Sack ist nicht gleich Dudel: Es gibt zwischen 100 und 150 verschiedene Dudelsackvarianten, so dass sie sich in Lautstärke, Klangfarbe und Pfeilanzahl unterscheiden. Bei Open-Air Konzerten wie in Deblinghausen wird meist mit Great Highland Bagpipe, der Der berühmtesten und lautstärksten Variante mit drei Bordunpfeifen (Drones) gespielt. Dudeln ist ein mittelalterlich gebräuchkliches Wort für leiern, monotones spielen.
Als Disarming Acts (Gesetze zur Entwaffnung) werden mehrere Gesetze des britischen Parlaments aus dem 18. Jahrhundert bezeichnet. Ihr Ziel war es, die rebellischen Clans im schottischen Hochland nach den Jakobitenaufständen zu entwaffnen und die schottische Kultur zu unterdrücken. Es bestand seit der Niederlage in der Schlacht bei Culloden am 16. April 1746 bis zur Aufhebung des Verbots 1782. Von den etwa 5.000 schottischen Soldaten, die auf Seiten der Jakobiten kämpften, wurde ein Fünftel getötet und ein iweiteres gefangen genommen

Foto Belinda Helmert: der Pipe Major seiner Dudelsackformation (pipe band) im Kilt. Er ist nicht nur für die Einsätze, sondern zudem für das musikalische Repertoire sowie das Training der Gruppe verantwortlich. Der schottische Wickelrock Kilt war einst ein Wahrzeichen der Clans, bis heute unterscheidet man den Anlass (Stoffmenge, Schnitt). Im Extremfall besteht er aus Besteht aus 7 bis 8 Metern schwerer Schurwolle.
Wenn der Teufel dudelt
Robert Burns (hierzulande so gut wie unbekannt) verstand sich selbst als Sammler und Bewahrer des traditionellen schottischen Liedguts und verfasste auch mehrere Balladen über die Piper und die Highlands. Berühmtestes Beispiel ist Tam o‘ Shanter, in dem eine unheimliche Gestalt (Cutty Sark) auf dem Instrument spielt. Ausführlich nur in englischer Sprache https://bagpipe.news/2024/01/25/robert-burns-and-the-bagpipe/ Vorgetragen unter https://www.youtube.com/watch?v=avzaQLN6sOI
Das epische Gedicht (1790) erzählt in 228 Versen im Paarreim handelt von dem Bauern Tam, der auf dem Heimweg vom Markt zu tief ins Glas geschaut hat, in eine Versammlung von Hexen und Teufeln in einer alten Kirche gerät und auf seinem treuen Pferd Maggie knapp entkommt. Es fällt unter die Rubrik Spottballade (mock heroic balad), da es Folklore, Schauer (gothic elements) und derben Humor enthält. Dabei darf die Trinkfestigkeit nicht fehlen. Burns Sprache wechselt zwischen Gälisch, Scots und Englisch. Dieses polyglotte Sprachenwirrwarr nimmt zu, als Tam an der verfluchten Alloway-Kirche in eine Hexenfeier gerät, entdeckt wird und in einer wilden Verfolgungsjagd um sein Leben galoppieren muss. So musiziert der Teufel (Auld Nick) auf einem Dudelsack, während die Hexen in der alten Kirche (Kirk Alloway) wild tanzen.
Gleich mehrere musikalische Adaptionen der Ballade bestehen. zumeist klassische Versionen. Gedenkabende und Rezitationen des Dichters werden jedoch immer mit Piper Music unterlegt. Eine Homepage über Burns Leben, Wirken und seine Werke bietet https://www.scotlandshop.com/de/tartanblog/robert-burns-burns-night-the-story
Ein Beispiel für die enge Verbindung von Burns Lyrik mit der Musik liefertA Red, Red Rose“ , das der Melodie „Major Graham“ folgt. Es besteht aus vier Quartetten im Kreuzreim Das Original, beginnend mit der Zeile „My luve ‚s a red red rose“ ist abrufbar unter https://www.etsy.com/de/listing/1061940967/liebesgedichte-a-red-red-rose-von-robert. Das Wort luve anstelle von love illustriert bereits den Unterschied zwischen Scots und English. Hier die deutsche Übersetzung:
O meine Lieb‘ ist wie die Rose,
die frisch im Juni blüht.
O meine Lieb‘ ist wie die Melodie,
die süß und lieblich klingt.
So hold und schön bist du, mein Schatz,
so tief in Lieb‘ entbrannt,
dass ich dich lieben werde, Liebste,
bis alle Meere trocknen gar.
Bis alle Meere trocknen gar,
und Felsen schmelzen in der Sonn‘,
und bis das Leben flieht aus mir,
bis Sand und Zeit verronnen. [1]
So leb‘ denn wohl, mein einzig‘ Lieb‘,
ach, leb‘ nur kurze Zeit!
Doch kehr‘ ich wieder, wär‘ der Weg
auch tausend Meilen weit!

Foto Belinda Helmert: Piperin im traditionellen Highlander Gewand . Lange Zeit waren Drummer wie Piper reine Männerdomäne, da sie die Soldaten in die Schlacht begleiteten. Im frühen 20. Jahrhundert waren es vor allem schottische und britische Damen-Dachverbände, die das Instrument abseits der militärischen Männertradition populär machten.

Foto Belinda Helmert: Drumtasche (Stickbag) zur Aufbewahrung von Ersatzteilen, Kilt und Kiltstrümpfe, die unterhalb des Knies umgekrempelt werden. Die roten herabhängenden Stoffstücke werden sind flashes bzw. ties genannt. Die Gamaschen-Schuhe heißen spats .
Moral fängt beim Dudelsack an
Der von der Ostseeküste stammende Adam Smith war v.a. Moralist und Ökonom, eine heute seltsam anmutende Mischung, doch seinerzeit bestand das Lehrprogramm der schottischen Universitäten aus der Kombination von Ethik, Theologie und Ökonomie. Bei seiner ersten Festanstellung in Edinbourgh befreundete Smith sich mit Hume. Sein Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ – original „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ entstand erst in seiner letzten Lebensphase und nach einer Englandreise, dem Mutterland des Industrialismus. Daneben war er wie Hume selbst höchsten Grade an Piper Music interessiert und soll sogar selbst passabel „geblasen“ haben. Im Englischen gilt nur die Redewendung to blow the (bag)pipes.
Smith postuliert vier zentralen Thesen in seinem Buch, basierend sich auf den freien Markt und die Eigenverantwortung der Individuen zur Steigerung des gesellschaftlichen Reichtums:
These 1: Wachstum beruht grundsätzlich auf Spezialisierung und Arbeitsteilung. These 2: Nur der Profit motiviert zur Arbeit, daher sollte nach dem Leistungsprinzip entlohnt werden. These 3: der Markt funktioniert nach Angebot und Nachfrage, kann aber vom Staat kurzfristig stimuliert werden. These 4: Zölle, Monopole oder Importverbote hemmen und schaden der Wirtschaft nur.
Smith gilt damit als Begründer des Liberalismus und eines sich weitgehend aus dem freien Markt zurückziehenden Staates, folglich als Antithese zu Thomas Hobbes'“Leviathan“. Allerdings legte der Ökonom großen Wert auf Gemeinwohl (public welfare; dieser blieb allerdings beschränkt auf freien Zugang zur Bildung und ärztlicher Verpflegung, da laut Smith nur ein freier Markt auch soziale Verträglichkeit garantiert. https://www.deutschlandfunkkultur.de/adam-smith-marktwirtschaft-kapitalismus-unsichtbare-hand-100.html

Foto Belinda Helmert: Deblinghausener Open Air Konzert. Rückenansicht des Major Pipe mit typisch gälischen Zopf. Die Römer, welche den Dudelsack nach Schottland importieren, nannten das von Kelten bewohnte Gebiet Gallia Comata, was so viel wie „Land der Langhaarigen“ bedeutet.
Mit allen Sinnen wahrnehmen ist alles
Thomas Reid gilt als eigentlicher Begründer des commons sense, gleichwohl Hume und Smith dazu ihre Vorarbeit leisteten. Seine elementare Grundidee lautet: Die primären Objekte unserer Sinneswahrnehmung sind die physischen Objekte selbst, nicht deren geistige Repräsentationen. Die Dinge existieren unabhängig davon, ob wir sie wahrnehmen oder nicht. Er argumentiert, ,dass es fundamentale, allgemein gültige Überzeugungen und Prinzipien gibt, die jedem rationalen Denken und Handeln zugrunde liegen.
Zudem lehnte Reid die Annahme ab, dass der menschliche Geist nur indirekt über mentale Zwischenbilder (Ideen) mit der Realität kommuniziere. Wahrnehmung ist für ihn ein direkter und aktiver kognitiver Prozess. Der Mensch ist nach seiner Auffassung ein aktives Wesen mit freiem Willen, der die ursächliche Verantwortung für seine moralischen Entscheidungen trägt.
Reid trat für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen und Männern ein, auch was das Dudelsackspielen (eine Männerdomäne) betrifft.: In seinem Essays on the Intellectual Powers of Man argumentierte er, dass die menschlichen Grundvermögen – wie Urteilskraft, Wahrnehmung und Vernunft – universell angelegt sind. Er sah keinen Beweis dafür, dass diese Fähigkeiten bei Männern biologisch robuster oder höherwertiger ausgeprägt wären. Sein Hauptwerk trägt allerdings den Titel An Inquiry into the Human Mind on the Principles of Common Sense, erschienen im Jahr 1764.

Foto Belinda Helmert: Sticker der Dersa Highlanders. Dersaburg ist eine historische Fliehburg in den Dammer Bergen, woher die Formation stammt.
Zwischen Freiheit und Geborgenheit
Robert Stevenson ist sicherlich für andere Werke bekannter (Die Schatzinsel, Jekyll und Hyde,), doch zumindest im englischsprachigen Raum zählt auch Kidnapped (1886) zu den Klassikern. Die deutsche Version lautet „Entführt oder Die Abenteuer des David Balfour“. Der schottische Rebell und Jacobit Alan Breck Stewart – eine der Hauptfiguren, die dem Titelhelden David Balfour zur Seite steht – ist ein meisterhafter Dudelsackspieler. Der Volltext steht auf https://projekt-gutenberg.org/authors/robert-louis-stevenson/books/entfuehrt/
Im Roman gibt es eine berühmte, stimmungsvolle Szene, in der sich Alan ein musikalisches Duell mit einem anderen Dudelsackspieler liefert, um den Stolz der schottischen Clans zu demonstrieren. Nach dem Tod seines Vaters erhält der 16-jährige David vom Dorfpfarrer einen Brief. Um sein Erbe anzutreten, muss er eine Reise antreten, um auf seinem AnwesenOnkel Ebenezer zu stoßen, der ein habgieriger Schurke ist. Um den rechtmäßigen Erben loszuwerden, lockt er seinen Neffen nach Queensferry und lässt ihn dort auf das Handelsschiff Covenant verschleppen, wo erals Arbeitssklave nach Carolina verschifft wird.
Die Schiffsreise nimmt eine dramatische Wende, als die Covenant vor der schottischen Küste im Nebel ein kleineres Boot rammt. Der einzige Überlebende, der sich an Bord rettet, ist der charismatische Jakobiten-Rebell Alan Breck Stewart. Gemeinsam gelingt es David und Alan, die Mannschaft in die Flucht zu schlagen und das Schiff unter ihre Kontrolle zu bringen. Kurz darauf zerschellt der Zweimaster an einem Felsen.
David wird an der unwegsamen Westküste Schottlands angespült und findet sich plötzlich allein im rauen Hochland wieder. Dort gerät er mitten in die politischen Wirren und die verfeindeten Clans der Jakobiten, die gegen die englische Krone rebellieren. Als nach einem Mordanschlag der Verdacht auf ihn fällt, verbündet er sich notgedrungen mit Alan Breck Stewart. Es beginnt eine atemberaubende Flucht quer durch die gefährlichen Highlands, bei der die beiden grundverschiedenen Männer – der aufrechte David und der hitzköpfige, stolze Schotte Alan – zu engen Freunden werden.
Nach wochenlangen Strapazen, bei denen sie Hunger, Kälte und den feindlichen Truppen trotzen, erreichen sie schließlich die Zivilisation. Mit Hilfe des gewitzten Anwalts Mr. Rankeillor gelingt es David, seinen Onkel Ebenezer in die Enge zu treiben und ihn zu zwingen, Davids Erbe und seinen rechtmäßigen Adelstitel anzuerkennen, womit der Roman versöhnlich endet.
Stevenson hat auch ein Gedicht „The pioper“ verfasst. Das posthum publizierte Original ist abrufbar unterhttps://www.poetryloverspage.com/poets/stevenson/piper.html Es besteht aus zwei Oktetten im Kreuzreim polarisiert zwischen dem Drang nach Freiheit und Reisen und der Beständigkeit der wahren Liebe. Strophe 1: Das lyrische Ich hört die Musik eines Pfeifers, die durch Straßen und Städte hallt und die Menschen dazu verleitet, ihre Arbeit niederzuwerfen, um die Welt zu bereisen. Der Klang symbolisiert die rastlose Sehnsucht nach dem Unbekannten. Strophe 2: Obwohl die Musik kraftvoll und betörend ist, entscheidet sich der Sprecher bewusst dagegen. Er bleibt an der Seite seines geliebten Menschen (my dear) und erklärt, dass keine Melodie der Welt ihn dazu bringen könnte, diese sichere Bindung für ein unstetes Wanderleben aufzugeben.

Foto Belinda Helmert: Schotten-Highlander-Look, Detail.In der inoffiziellen schottischen Nationalhymne „Flower of Scotland“ (Text vom Lyriker Roy Williamson) spielt der Dudelsack eine zentrale Rolle. Er wird sowohl bei offiziellen Anlässen, wie zum Beispiel vor Länderspielen instrumental gespielt.
Amazing Graze dagegen ist ein englisches Kirechenlied, welches allerdings in Schottland, speziell in der Dudelsackvariante, besonders populär ist. Zu hören:


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