Camus Festival Aachen

Aachen Camus Festival

vom 26.10. -01.11. 2021

eigener Votrag Camus und Nietzsche, Burg Fankenberg, Goffartstraße 45, Aachen, Sonntag 26. 10. 19 Uhr

Thema: Camus und Nietzsche

Das Aachner Camus-Festival besticht durch seine Vielseitigkeit. Theater, Film, Poesie, Vortrag, Diskussion, Musik, alles vertreten. Dazu ein Wettbewerb für Jugendliche, einen eigenen Camus-Beitrag zu stellen, der in das Festival integriert wird.

Das Programm findet an verschiedenen Orten statt. Eintrittskarten können pro Veranastaltung einzleln, als Tages- oder Gesamttickets erworben werden Alles rund um das Festival: http://albert-camus-festival.de/

Camus und Nietzsche

An seinem Todestag am 4. Januar 1960 wird im Unfallauto in Camus Tasche ein Manuskript zu seinem Roman „Der erste Mensch“ gefunden. Daneben Dostojewskis „Die Dämonen“ und Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft.“ Zweifellos sind es die beiden Autoren, die ihn am meisten geprägt haben. „Je dois à Nietzsche une parti de se que je suis.“ Ich verdanke Nietzsche einen Teil dessen, was ich bin. O-Ton Camus.

Der Vortrag nimmt Bezug zu den vier Leitmotiven Nietzsches und der Adaption im Werk von Camus: Tod Gottes, Ewige Wiederkehr des Gleichen, Wille zur Macht, Übermensch. Zum einen äußert sich Camus in seiner Anthologie „Der Mythos von Sisyphos“ und noch ausführlicher in „Der Mensch in der Revolte“. Zum anderen spielen diese Leitmotive eine Rolle in seinen drei Romanen „Der Fremde“, „Die Pest“ und „Der Fall“. Alles lässt sich auf das Absurde beziehen und das praktische Leben, das jeden betrifft. Paradox und daher auch missverständlich wirken bereits die Begriffe: Wie kann Gott sterben – ist er überhaupt je geboren worden und wer soll schuld an seinem Tod sein? Stendhal hat gesagt: Die einzige Entschuldigung Gottes ist, dass es ihn nicht gibt. Und Voltaire: Wenn es Gott nicht gibt, so muss man ihn erfinden. Und Nietzsche: Ich fürchte, wir werden Gott nicht los, so lange wir noch an die Grammatik glauben. Nur so viel: es geht nicht um die Theodizee und auch nicht um die Frage, ob wir glauben sollen oder nicht. Es geht einzig darum, wie wir leben wollen, wofür wir stehen, uns engagieren, vielleicht sogar mit unserem Leben einsetzen. An die Stelle des warum tritt das wofür.

Ewige Wiederkehr des Gleichen scheint gleichfalls sinnlos: weder kehrt bei Nietzsche das Gleiche wieder, noch ewig, denn worum es geht ist immer der Augnblick, die Wahl, die Annahme dessen, wer ich bin und was gerade ist. Amor fati heißt es Nietzsce. Das mediterrane Denken heißt es Camus. Kein Ressentiment, kein Hass, Liebe, Selbstwert und das unendliche male. Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Denn der Mythos ist Inbegriff einer stets sich wiederholenden Situation, auf deren Veränderung er äußerlich keinen Einfluss nehmen kann, wohl aber auf seine innere Hatung. Punkt eins: Man muss das gleiche von das selbe unterscheiden. Punkt zwei: Man muss das ewige als Punkt auffassen, nicht als eine Linie.

Der Übermensch: Nietzsche heißt ihn das Seil geknüpft zwischen Mensch und Gott. Keineswegs ist er ein Supermensch oder eine neue Rasse. Es ist jener Mensch, der sich selbst übrwindet und der jeder von uns für einen Moment sein kann, wenn man will, ein kleiner Held des Alltags, der für sich steht. Er ist alles andere als der moderne, der Massenmensch, weil er Einsamkeit und Wahrhaftigkeit sucht und nicht Wahrheit mit Lüge verwechselt. Für Camus ist es der letzte Mensch und der erste, Inbegriff des Humanismus, ein Kreislauf, der Revolte meint und Revolution verachtet, der Solidarität mit allen menschen, auch dem vermeintlichen Feind sucht und nicht nur mit Verbündeten. Der Übermensch ist allzu menschlich gedacht: nicht geliebt zu werden ist nur ein unglücklicher Zufall. Nicht lieben zu können, darin besteht die wahre Tragödie der Einsamkeit.

Der Wille zur Macht: zu unterscheiden von Wille an die Macht, von Herrschaft, von Befehl und Gehorsam. Selbständig, verantwortlich, eigensinnig, schöpferisch, so stellt sich Nietzsche die Philosophie der Zuknft vor: kein Katheder- und Sesseldenken, in Freiheit geboren, Freiheit verstanden als Last, Pflicht, Aufgabe, frei sein für eine Herausforderung und nicht frei sein von ihr. Nietzsche traute den meisten diesen Sprung nicht zu, aufzuräumen mit der Lüge des Ich und seinem aufgeblähten Ego. Er wurde missverstanden und vereinnahmt, sowohl von Sozialisten als auch FAschisten, von links wie rechts. Camus ereillte das gleiche Schicksal.

Der Vortrag wird Einblicke in Parallelen und Unterschiede zweier Individualisten geben, deren Philosophie literarisch peotisch und vor allem lebens-Kunstwerk ist und nicht Systemphilosophie, die sich in Theorien, Abstraktionen und vor allen Lektionen an andere ergeht. Jeder kann nur verstehen, was er in sich trägt und es kommt nicht immer auf das Begreifen, sondern der Ergreifen einer Chance an. Jeder kann wählen und selbst das uns Auferlegte durch seine Haltung verändern. Es gilt nicht Camus oder Nietzsche nachzulsen oder gar nachzubeten, sondern sich selbst zu erkennen, befehlen und gehorchen zu lernen, damit wir achtsam, respektvoll und mitfreudig dem Nachbarn begegnen.

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