
Foto Belinda Helmert: Paris, Österreichische Botschaft, Decke im Konzertsaal. https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Botschaft_in_Paris
Die Generation des Jungen Wien
In der Frühzeit orientiert sich Hofmannsthal wie andere Dichter seiner Generation am französischen Symbolismus (Baudelaire, Rimbaud,, Verlaine, Mallarmé) ; seine frühen Arbeiten gehören dem literarischen Jugendstil der dem literarischen Impressionismus, der den Fin du Siècle und die Wiener Moderne „Junges Wien“ kennzeichnet. Diese Bewegung erkennt ausschließlich im Ästhetischen einen Wert und identifiziert sich weder mit der zeitgenössischen Kunst noch mit dem politischen Zustand. Daher ist zumindest der junge Hofmannsthal ein Rebell, der sich u. a. an Nietzsche (Dekadenztheorie) bzw. Paul Bourget orientiert. Die Zahl der in Wien innerhalb einer Dekade geborenen Künstler mit internationaler Reputation sucht seinesgleichen. Daher Wiener Blut.
Seine Haltung, beruht darauf, den Wert der Gegenwart erst aus der Vergegenwärtigung von der Vergangenheit zu erwarten und den Charme des Morbiden auszukosten. Dies schlägt sich u. a. in seinem ersten Drama „Der Tod Tizians“ nieder. Die frühe Wiener Bewegung, auch Secessionsstil genannt, um Schnitzler, Bahr, Behr-Hofmann, Altenberg, Kraus und Stefan Zweig, der, man muss es so deutlich sagen, eher ein Bewunderer namentlich Hofmannsthal war, aber von den übrigen Caféhausliteraten, insbesondere Hofmannsthal, nicht im gleichen Maße Wertschätzung erfuhr. Sie alle waren gebürtige Wiener.
Grundsätzlich sprechen wir von einer Epoche, in der vielleicht zum letzten Mal der persönliche Kontakt unterhalb den Künstlern und dies sparten- bzw. gattungsübergreifend, entscheidend war. Zu den Malern der Secession zählen Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern. Für Hofmannsthal indes war die Zusammenarbeit mit Richard Strauss entscheidend. Insgesamt sechs Libretti schrieb er für dessen Opern: „Elektra“ (1909), „Der Rosenkavalier“ (1911), „Ariadne auf Naxos“ (1912), „Die Frau ohne Schatten“ (1919), „Die ägyptische Helena“ (1928) und „Arabella“ (1933). Nach seinem Tod trat (ausgerechnet) Stefan Zweig mit „Die schweigsame Frau“ 1935 an, bevor der Nationalsozialismus – Zweig floh nach einer unangemeldeten Hausdurchsuchung der Getapo von Salzburg nach London.

Foto Belinda Helmert: Paris, Österreichische Botschaft, rue de Fabert 6, Stadtteil Palais Bourbon (ar. 7) Treppenaufgang https://www.bmeia.gv.at/oeb-paris
In seinem Essay
In dem Essay „Poesie und Leben“ (1896) schreibt Hugo Edler von Hofmannsthal etwas, das für heute gilt: „Die Zersetzung des Geistigen in der Kunst ist in den letzten Jahrzehnten von den Philologen, den Zeitungsschreibern und den Scheindichtern gemeinsam betrieben worden.“ https://www.lyriktheorie.uni-wuppertal.de/texte/1896_hofmannsthal.html Ein zweiter Satz sei auch herausgegriffen, weil er kongenial ins Jetzt und Hier gehört: „Ihre Kritiker und Kunstrichter nehmen, wenn sie loben, den Mund voll wie wasserspeiende Tritonen: aber ihr Lob geht auf Trümmer und Theile, meines auf das Ganze, ihre Bewunderung auf’s Relative, meine auf’s Absolute..“ Es herrschte Aufbruchstimmung, kein Abbruch. Die Dekadenz kehrt zyklisch wieder, nur die neuen Hofmannthals lassen auf sich warten. Der Autor dieses Essays war gerade 21 Jahre alt.
Hofmannsthal stammte aus dem Industrieadel, also keiner angestammten Aristokratie, verlor allerdings durch den Börsenkrach fast sein gesamtes Vermögen, so dass der junge Dichter Geld verdienen musste. Das Sprachgenie war seit seinem 16. Lebensjahr Berufsliterat von höchster Qualität und Professionalität. Die oligarchische Haltung des jüdischen Textilfabrikantensohns sah sich im Ersten Weltkrieg erschüttert, doch blieb er lebenslang überzeugter katholischer Aristokrat und hielt wenig vom Volk, Demokratie und auch Frauen standen bei ihm stets in der zweiten Reihe. Insofern gilt er weder als modern – obschon manches Hochzeitspaar noch heute auf seine Verse zurückgreift – und dennoch war seine Rolle die eines Avantgardisten seiner Zeit. Stefan Zweig, überzeugter Demokrat und sicherlich kein Antisemit schreibt immer wieder entzückte Lobeshymnen. „Die Erscheinung des jungen Hofmannsthal ist und bleibt denkwürdig als eines der großen Wunder früher Vollendung.“
Man muss auch als neutraler Beobachter konstatieren: stilistisch ist Hofmannsthal top, doch heute würde er an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen scheitern, müsste vielleicht mit Berufsverbot rechnen.

Foto Belinda Helmert: Paris, rue Fabert, 7. arrondissement, Österreichische Botschaft, Innenhof mit Toreingang. Die Rue Fabert, die eine der Begrenzungen der Esplanade des Invalides darstellt, trägt seit 1864 den Namen des französischen Marschalls Fabert (17.Jh.), vordem hieß sie Rue d’Austerlitz.
tu felix austria nube
Andere mögen Kriege führen, du glückliches Österreich heirate. Da sich Austria nicht an dieses ungeschriebene Gesetz hielt, büßte es mit einem gewaltigen Verlust an Landfläche, Prestige und Königreich. Für Hofmannsthal brach eine Welt zusammen; mit dem neuen, dem sozialdemokratischen Wien kam er gar nicht zurecht. Mit seiner Gemahlin Gerty von Schlesinger (genau jener Bankiersdynastie entsprungen der auch Flauberts Idealfrau Elisa angehörte) hatte drei Kinder; Franz nahm sich 26 jährig 1929 genauso das Leben nahm wie Schnitzlers neunzehnjährige Tochter Lily ein Jahr vorher. Kinder berühmter Väter haben es oft schwer…. https://hessen.museum-digital.de/people/154718
Zwei Tage nach dem Suizid seines Sohnes starb Hofmannsthal im Alter von 55 Jahren an einem Schlaganfall, als er zur Beerdigung seines Sohnes aufbrechen wollte. Kaum ein Dichter hat das Erscheinen des Todes so drastisch beschrieben wie Hofmannsthal in seinem Spiel vom Sterben des reichen Mannes in „Jedermann“: „Der Tod steht dicht hinter Jedermann, er hält ihm seine weiße, knochige Hand aufs Herz – und nimmt ihn mit sich.“

https://haus-hofmannsthal.jimdofree.com/hofmannsthal/biografie/ In Paris verweilte der Dichter nur einmal: 1905 bei seinem Treffen mit André Gide.
Modern sind Möbel alte Möbel
Modern ist ja relativ und vergänglich, da sie sich immer auf die aktuelle Zeit bezieht. Diese empfand Hofmannsthal als dekadent. Sein pointierter Sardonismus: „Modern sind alte Möbel und junge Nevositäten.“ Nachzulesen in seinem Essay über den anfangs bewunderten Gabriele d’Annunzio (1893) unter http://www.zeno.org/Literatur/M/Hofmannsthal,+Hugo+von/Essays,+Reden,+Vortr%C3%A4ge/Gabriele+d%27Annunzio. Der italienische Schriftsteller unterhielt eine mehrjährige Liebschaft mit der gleichfalls von Hofmannsthal verehrten Schauspielerin Elenore Duse. Ein anderer Satz lautet: „Heute scheinen zwei Dinge modern zu sein: die Analyse des Lebens und die Flucht aus dem Leben.“ Auch das dokumentiert die Zeitlosigkeit seines Denkens. (ebenda)
Die so sensitiv moderne, subtil spielende und dabei doch, wo es am Platze, so großartig stilisierende Kunst der hervorragenden Charakterschauspielerin Elenore von Duse gab dem jungen Mann neue Hoffnung, dass auch das Theater unserer Tage noch als eine Stätte reiner Kunst wirken könne. Die Folge waren die Salzburger Mysterien- und Festspiele, deren Auftakt der „Jedermann“ 1903 bildete (1911, allerdings Uraufführung in Berlin). Ihren Durchbruch hatte die aus der Lombardei stammende Duse mit der Rolle aus Hugos Cosette aus „Les Misérables (Die Elenden), ihre Paraderolle fand sie in „La Dame aux camélias“ (Die Kamliendame) im fortgeschrittenen Alter Stücke Ibsens, den Hofmannsthal bereits 1891 (München) traf und in Deutschland bekannt machte.
Hofmannsthal , der nicht nur Dichter, sondern auch Kulturvermittler war wie im Fall d’Annunzio, Duse, Ibsen, wurde 1874 geboren; Wien gedachte einem seiner größten Poeten 2024 .

Foto Belinda Helmert: Österreichische Botschaft, Stefan Zweig Büste im Konzertsaal. Am 13. 10.1929 hielt Zweig die Trauerrede im Wiener Burgtheater auf Hofmannsthal, ohne jedoch die Mysterienspiele zu erwähnen, vielleicht auch, weil sie in Salzburg vor seiner Haustür stattfanden…
Reitergeschichte – eine Hommage an 1848?
Auch die Novelle „Reitergeschichte“ (1899) stammt aus dem Frühwerk von Hofmasthals, dessen große Wende verbunden ist mit dem Bruch mit dem Ästhetizismus, namentlich seiner Freundschaft zu Stefan George und dem „Chandos-Brief“, (1902) der eine neue Sprache sowie Kunstform fordert, die auch ethisch Stellung bezieht, das Volk bildet und damit dem l’art pour l’art Begriff sowie den Intentionen der Avantgardeliteratur konträr entgegengesetzt ist. Zu hören ist sie auf youtube https://www.youtube.com/watch?v=qO7wIZHoNB8, nachzulesen auf http://www.zeno.org/Literatur/M/Hofmannsthal,+Hugo+von/Erz%C3%A4hlu Die Novelle kündigt seinen Umbruch an und stellt eine außergewöhnliche Komposition des Dichters in seinem Gesamtwerk dar.
Der Tod des Wachtmeisters lässt sich symbolisch, aber auch sozial- und realpolitisch interpretieren, des weiteren psychologisch https://www.researchgate.net publication/277729043_Die_Interpretation_der_%27Reitergeschichte%27_Hugo_von_Hofmannsthals_als_Rittmeistergeschichte_und_deren_Bezuge_zu_den_Thematisierungen_von_Krieg_im_Gesamtwerk_des_Autors.
Die Figuren in seinen Dramen und Erzählungen erreichen (in einzelnen Fällen) „Lebenserhöhung durch den Tod„. Das trifft, auf paradoxe Weise, z.B. auf den Kaufmannssohn im „Märchen der 672. Nacht“ (1895) zu wie auch auf den Wachtmeister Anton Lerch in der „Reitergeschichte“ (1898), wohl auch auf den „Wahnsinnigen“ im „Kleinen Welttheater“, der „nicht für lange“ von seinem Diener und seinem Arzt am Suizid gehindert wird. Aber diese Figuren sind – im Sinne von Hofmannsthals eigener Poetik – „Symbole“, d.h. an die Stelle des „Künstlers“, also des Autors, eintretende Opfer.
Ein Symbole ist für Hofmannsthal eine tiefere Realität ist, die den Menschen verwandeln und auflösen kann, eine Idee für das Ganze. Wie die französischen Symbolisten sucht er über die sinnlich wirkende Gestalt des Geistigen,die Kluft zwischen subjektivem Erleben und objektiver Form zu überwinden. An die Stelle von Symbolen treten ab „Jedermann“ Allegorien. Im „Brief des Lord Chandos“ spricht er von „sehr tief gefassten Symbolen“ als „Realitäten“ und drückt die Skepsis aus, dass die Sprache den Zugang zum Außersprachlichen und den Dingen finden kann. Daher ist es gut möglich, dass von Hofmannsthal in der Figur Anton Lerch, den der Ritteister erschießt, weil er von dem Schimmel als Beutetier trotz seines Befehls nicht lassen will, ein Repräsentant der gescheiterten Märzrevolution verborgen liegt. Hofmannsthal sah in ihr die rohe, aber vitale Unterschicht, die sich gegen die kränkelnde Aristokratie erhob.

Foto Belinda Helmert: Reiterfigur aus Porzellan (Spanische Reitschule) in der Vitrine der Österreichischen Botschaft, Paris, Rue de Fabert 6.
Mysterienspiel
Für manche ist Hofmannsthal der bedeutendste Lyriker – nicht nur seiner Zeit, das dürfte unbestritten sein – sondern Österreichs, für andere der Begründer einer innovativen Form des Theaters. Seine Stücke sind die meistgespielten neben Schnitzlers und Horvaths. Die Zusammenarbeit für Max Reinhard gilt wie die mit Richard Strauss als win win Situation und Idealfall einer künstlerischen Kooperation. Zum einen dramatisierte der Dichter eigene Prosa, z.B. „Die Frau ohne Schatten“ oder 2Die Bergwerke von Falun“, zum anderen schrieb er eine Dramen-Theorie für die Festspiele (1920 eröffnet) und zum dritten entwickelte er Stücke mit allegorischen Figuren, beginnend mit „Jedermann“ über „Das Salzburger große Welttheater“ bis hin zu „Der Turm“, beide Dramen sind angelehnt an den barocken Dichter Calderon. Dazu tritt eine Reihe von Adaptionen der griechischen Tragödie wie „Elektra“ und zwei Ödipus-Stücke. Nicht zu vergessen sind die erwähnten Opern und Kömödien, deren erfolgreichste „Der Schwierige“ ist. Begonnen hatte alles mit lyrischem Theater („Der Tod des Tizians)“ Elektra ist auch ein Beispiel für die Umarbeitung eines Dramas in eine Oper.
Annähernd 30 000 Seiten umfasst das Gesamtwerk von Hofmannsthal, der nie dilettierte und damit unter Niveau abfiel. Daher gilt er bis heute als Phänomen und Genie. Umso mehr verwundert, dass er lange vom Wiener Burgtheater unberücksichtig blieb. Eine Einführung über seine Leichtigkeit, die früh einsetzende Sprach- und Chandos-Krise (Zerrissenheit der Moderne) hin zur großen Bühne liefert https://www.deutschlandfunk.de/01-02-1874-der-oesterreichische-dramatiker-hugo-von-hofmannsthal-geboren-dlf-bb39adb2-100.html
Das Mysterienspiel zeichnet neben der allegorischen Form die Rückbesinnung auf das Mittelalter aus, so dass sich Neoromantik und Mediävistik kreuzen. Hofmannsthal vertritt eine zweifellos eine für die Zeitzeugen der Donaumonarchie (k. u . k.) nicht untypische nostalgische Sehnsucht oder rückwärts gewandte Utopie, die auf alten Glanz und Tradition wehmütig zurückblickt. Was anderes ist die Moral von Jedermann, die jedermann betrifft und auch verstehen kann, als eine Abrechnung mit dem bürgerlichen Kapitalismus, der verstärkten Hinwendung an Glauben und humane Werte, die dem modernen Egoismus, den Todsünden und damit dem Teufel, Widerstand leisten. So endet das im mittelalterlichen Knittelvers (eine besondere Form des Paarreims) gehaltene Stück „Jedermann“ analog Goethes „Faust II“ mit der Gnade für Jedermann, dessen Seele dem Teufel so sicher schien: Der Glaube schließt:
„Nun hat er vollendet das Menschenlos, / Tritt vor den Richter nackt und bloß, / Und seine Werke allein, / Die werden ihm Beistand und Fürsprech sein. / Heil ihm, mich dünkt, es ist an dem, / Daß ich der Engel Stimmen vernehm, / Wie sie in ihren himmlischen Reihen /Die arme Seele lassen ein.“
Hofmannsthals Mysterienspiel geht es immer um ewige Wahrheiten, um Metaphysik und um Versöhnung des Menschen mit seiner Zeit. Es bildet daher bewusster Gegenpol zur dekadenten Moderne gedacht und will zudem ein breiteres Publikum anzusprechen und ihm eine moralische Lehre zu vermitteln.
Mit Musik geht‘ s besser
Hofmannsthal wollte mit der Kunst ein soziales Element zurückgeben und einen Spiegel der Gesellschaft vorhalten, um auf deren moralischen Niedergang hinzuweisen und eine kritische Auseinandersetzung anzuregen.
Hofmannsthals Begründung für die Oper basierte auf zwei Hauptpfeilern: der sozialen Komponente und der ästhetischen Komponente. Er sah die Oper als ein soziales Ereignis, das verschiedene Medien vereint und Teil des öffentlichen Lebens ist, und als eine ästhetische Form, die ein „Gesamtkunstwerk“ für das 20. Jahrhundert darstellt, in dem verschiedene Kunstformen integriert sind, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Es ging auch um die Rettung der Romantik, in der Musik denn seine Libretti sind neoromantisch wie die Musik Richard Strauss (1864-1949) und ein Plädoyer für die komische Oper.
Als Beispiel dient der „Rosenkavallier“ in drei Akten. Nicht untypisch ist seine motivische und teilweise auch dramaturgische Anlehnung an andere Dramen, namentlich Molière und dem weit weniger bekannten Louvet de Couvray. In der Komödie für Musik in 3 Aufzügen führt Hofmannsthal Eitelkeit, Geldgier vor, die von reifer Liebe besiegt werden. Einfach, eingängig,. leicht verständlich und amüsant, so sollte das Stück wirken – hohes künstlerisches Niveau mit Ideal (Elfenbeinturm) aber ausverkauft. Die Uraufführung erfolgte nicht, wie man meinen möchte, in Wien, sondern 1911 in Dresdens Semperoper. Sie gilt als eine der meistgespielten Opern weltweit. Bei den Sätzen sollte daher immer bedacht werden, dass sie gesungen werden (müssen).
Im ersten Akt Berühmte Zitate aus dem Stück sind „„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding.“ Natürlich ist trivial und dennoch eine zutreffende Sentenz für die Vergänglichkeit allen irdischen Daseins ohne an den Tod und den Schmerz des Verlustes zu gemahnen. Ein weiteres, das an amor fati und den Geist der Leichtigkeit erinnert, welcher die Schwere überwindet, lautet Leicht muss man sein: mit leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen„… Begleitet von einer leichten Partitur und wird daher oft als Operette bezeichnet, was sie schlussendlich nicht ist.
Hofmannsthal/(Strauss üben durchaus Gesellschaftskritik, denn sie zeigen Doppelmoral, Geldgier und veralteten Ehrbegriffen geprägt ist. Die Moral von der Geschichte ist bittersüß und zeigt auf, wie Schönheit und Genuss dem Tod und dem Ende des Lebens weichen

Foto Belinda Helmert: Österreichische Botschaft, Festsaal, Marmor und Goldverzierung, Detail.
Eine adelige, dem Absoluten dienende Kunst
Ob S. Zweig von Hofmannsthal uns seinem Einfluss klein gehalten wurde, darüber existieren unterschiedliche Ansichten. Eine davon, die Zweigs Abneigung von der großen Bühne, Festen und Trubel im Allgemeinen betont vertritt Günter Verdin. https://guenterverdin.wordpress.com/2014/03/05/war-stefan-zweig-das-intrigenopfer-hofmannsthals/ Er führt ein mit einer Sequenz des Nekrologs, die Wertung enthält, Hofmannsthal habe eine adelige, dem Absoluten dienende Kunst,hinterlassen. Dass er den Salzburger Festspielen wenig abzugewinnen vermochte, führt er hauptsächlich auf Zweigs Abscheu vor Massenveranstaltungen zurück. Seine eigenen Versuche als Dramatiker waren nicht so von Erfolg gekrönt, ebenso wenig seine frühen lyrischen Gehversuche.
Zweigs Stärken lagen dort, wo Hofmannsthal entweder Schwächen hatte, auch weil er das Genre wenig schätzte wie die Novelle, insbesondere der psychologisch motivierten (er hielt wenig von Freud) und den historischen Essays. Mitunter wirken beide in ihrem Bestreben konträr, denn Zweig war Kosmopolit – wenngleich Hofmannsthal auch fünf Fremdsprachen beherrschte, so galt sein Interesse Österreich – so dass sein europäischer und moderner Gedanke sich kaum mit dem konservativen Nationalismus und Katholizismus des verehrten Dichters vertrug.
Vereinfacht ausgedrückt: Hofmannsthal war der Sprachästhet, Zweig ging es von Anfang an um Inhalte, psychologische, historische und politische, die erstgenannter nicht teilte, nicht teilen konnte. Zweigs Visionen, man mag auch von konkreten Utopien sprechen wie das Reisen ohne Pass in einem europa ohne Grenzen, blieben stets an der Tagespolitik orientiert, die Hofmannsthal nicht interessierte. Sein Blick ging zurück oder ins Allgemeine, Symbolische, Allegorische, nicht ins Konkrete. Zudem war von Hofmannsthal eitler bzw. egoistischer und weit weniger an der Würdigung zeitgenössischer Autoren oder gar deren finanzieller Unterstürzung gelegen.

Foto Belinda Helmert: Österreichische Botschaft, Saal mit Bücherschrank. https://www.bmeia.gv.at/oeb-paris/ueber-uns/geschichte-des-amtsgebaeudes
Der Turm
Das letzte Werk und gleichzeitig das, an dem Hofmannsthal, der viele seiner Geschichten umschrieb oder in eine andere Gattungsform übertrug, lautet „Der Turm“ bildet, auch überschattet von der Tragik seine Sohnes Franz, das Gegenstück zu „Der Rosenkavalier“. Es besteht aus fünf Akten in verschiedenen Fassungen, angelehnt an Perdo Calderon de la Barca „Das Leben ist ein Traum“ (La vida es sueño, 1635) und auch ein wenig auf Franz Grillparzers „Der Traum, ein Leben“ (1834). Auch dieses Trauerspiel widerspiegelt damit Hofmannsthals signifikante Vorliebe, bekannte Stoffe aufzugreifen. Während die ersten Stücke (1901, 1920) der alte König sein Reich an den Thronfolger übergibt, triumphiert in der letzten, weitaus düsteren Fassung, der Autokrat. Man mag darin Eingeständnis an die Zeichen der Zeit oder auch Prophetie eines erneuten Imperiums der Gewalt erblicken oder aber auch biografisch bedingten Pessimismus, denn von Hofmannsthal fühlte sich in seinen letzten Lebensjahren nicht wohl aufgehoben in seiner Zeit.
Wenngleich sich diese Kritik am Zeitgeist bereits früh artikuliert, im „Chandos-Brief „und mehr noch vier Jahre später in „Der Dichter und diese Zeit“ (1906), so kommt die melancholische, teilweise sogar depressive Stimmung nun verstärkt und dominant zum Ausdruck. Es ist zudem sein letztes Mysterienspiel, das seine Uraufführung diesmal im Münchner Regenten-Theater, abermals unter der Regie von Max Reinhardt (1873-1943) erlebte.
„Mythisch ist alles Erdichtete, woran du als Lebender Anteil hast. Im Mythischen ist jedes Ding durch einen Doppelsinn, der sein Gegensinn ist, getragen: Tod = Leben, Schlangenkampf = Liebesumarmung. Darum ist im Mythischen alles im Gleichgewicht.‹“ Diese Worte stehen in Hofmannsthals „Buch der Freunde“, seiner Sammlung von vorwiegend Aphorismen 1922.
Bezeichnenderweise sagt Hofmannsthal selbst, sein an die polnische Geschichte des 17. Jahrhunderts angelehntes Stück, sei mehr eine Sage als eine historische Bearbeitung. Der Protagonist, designierter Erbe des Königreichs, wird aufgrund einer Prophezeiung, er werde seinen Vater töten, von diesem ins Gefängnis verbracht, bis anscheinend er befreit und die Vorhersagung erfüllt wird. In der letzten Fassung erweist sich alles jedoch als Traum. Man hat das Stück als Bekenntnis zum Determinismus gedeutet, aber auch zur Katastrophentheorie der Geschichte, gerade aufgrund des Traumas Erster Weltkrieg.
Noch allgemeiner geht es um des Problem der Herrschaft – Schnitzler hielt das Werk sogar für überflüssig. Die Meinungen konnten gespaltener nicht ausfallen: Thomas Mann pries es als das Meisterstück, gerade weil es den revolutionären Gedanken bzw. den einer progressiven Geschichte ad absurdum führte. Zu den Befürwortern zählte auch Walter Benjamin, der zwar noch nicht seine Geschichtsthesen, wohl aber seine Habilitation über den Ursprung des deutschen Trauerspiels veröffentlicht hatte.

Foto Belinda Helmert: Österreichische Botschaft, Konzertsaal (linke Seitenhälfte). Die Stefan Zweig Gesellschaft lud am 25. 9. 2025 seine Mitglieder zu einem viertägigen Parisaufenthalt, der an diesem Abend mit Konzert und Lesung aus Zweigs Erinnerungen an Paris ausklang.
Was wird bleiben …
Von Hofmannsthal werden Verse bleiben, zart, elegant, leicht und doch kraftvoll. Exempel dafür: „Die Beiden“ (1895) über die Schwierigkeiten zueinander zu finden und dass aus zwei für sich starken Charakteren auch Schwäche entstehen kann – nachzulesen unter https://www.gedichte7.de/die-beiden.html und nachzuhören unter https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=hFwHQEdUHMY
Der Dichter entwickelt früh auch eine Theorie zur Lyrik, die hilft, seine Absichten zu verstehen. Natürlich bleibt es jedem Leser überlassen, seinem eigenen Gedankenspiel und Assoziationen freien Lauf zu lassen, doch ist der Essay „Poesie und Leben“ (1896) empfehlenswert, gerade weil er nicht in die Interpretation eingreift, sogar davon abrät und festhält , dass der Begriff des Ganzen in der Kunst überhaupt verloren gegangen ist.https://www.lyriktheorie.uni-wuppertal.de/texte/1896_hofmannsthal.html In diesem Zusammenhang stehen auch seine Erörterungen zu Baudelaire und den anderen Vorbildern, die er de deutschen Zuhörern nahebrachte, als die großen Namen von heute hier noch kaum bis gar keiner kannte. dies alles kling später in der Nachkriegsgeschichte bei Paul Celan an, wenn er vom Unterschied des Zuhörens und Hörens spricht oder dem zwischen Verstehen und Begreifen. Wenn man bedenkt, wie viele Kritiker und Regisseure heute durch Projektion und Explikation Kunst zerstören, weiß man um Hofmannsthals Verdienst, der Kunst eine Aura bewahren zu wollen, die sie vor Konsum und Kommerz schützt. „Man hat den Begriff der Dichtung erniedrigt zu dem eines verzierten Bekenntnisses. „ Mehr als Dekoration erscheint Poesie heute nicht mehr, es gibt heute ohnehin mehr selbst ernannte Troubadoure als Publikum und mehr Kalauer als Tiefsinn.
„Ich weiß nicht, ob Ihnen unter all‘ dem ermüdenden Geschwätz von Individualität, Stil, Gesinnung, Stimmung und so fort, nicht das Bewusstsein dafür abhanden gekommen ist, dass das Material der Poesie die Worte sind, dass ein Gedicht ein gewichtsloses Gewebe aus Worten ist, die durch ihre Anordnung, ihren Klang und ihren Inhalt, indem sie die Erinnerung an Sichtbares und die Erinnerung an Hörbares mit dem Element der Bewegung verbinden, einen genau umschriebenen, traumhaft deutlichen, flüchtigen Seelenzustand hervorrufen, den wir Stimmung nennen.“

Foto Belinda Helmert: Österreichische Botschaft, Türknauf, Detail

Foto Belinda Helmert: Die gespiegelte Fotografin. Oder „die Beiden“ – Mann und Frau, die in verschiedene Richtungen blicken.







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