
Foto Belinda Helmert: Vulkan Hafarfjall bei Bogarnes, Sündwestisland. https://www.tourlane.de/europa/island/borgarnes/?ch=adwords&cmp=21107416737|163084436354|gsa|ger|c|src|demand||eu|isl|iceland|dsa-1640184386332|||||694176213014&gad_source=5&gad_campaignid=21107416737&gclid=EAIaIQobChMI5p2CovG7lgMVOb1oCR3FJSdoEAAYASAAEgIZKvD_BwE
Die germanischen Nibelungen
Denkt man an Island aus literarischer Sich, so kommt einem zunächst die „Edda“, Vorlage für die „Nibelungen“ ins Gedächtnis., zumal Brunhilde von Sigried in Island „wachgeküsst“ wird. Sie ist die wichtigste schriftliche Sammlung altisländischer Mythen und Sagen aus der nordisch-germanischen Welt. Sie wird in zwei Hauptwerke unterteilt. m 1270 im isländischen Handschriftencodas Codex Regius aufgezeichnet (die Lieder selbst stammen aus älterer mündlicher Tradition, die im frühen Mittelalter anzusiedeln ist. Vielleicht denkt man auch an Hagen, den Verräter, den es auf Island wohl nie gab.
Die schriftliche Fixierung erfolgte einige Jahrhunderte später im Hochmittelalter unter Snorri Sturluson. Natürlich geht es um Götter, Naturelemente und den ewigen Kampf von Gut und Böse, der Gott rechtfertigen soll, selbst wenn es heidnische Götter sind.
Die Welt entsteht aus dem Chaos von glühendem Feuer und eisigem Nebel. Im Zentrum stehen die Götterfamilien der Asen (kriegerisch und ordnend, z. B. Odin, Thor, Tyr) und der Wanen (verbunden mit Natur und Fruchtbarkeit, z. B. Freyr. Die Götter sind trotz ihrer Macht sterblich.
Neben Göttermythen enthält die Edda Sagenstoffe um sterbliche Helden (wie die Vorlage zur Nibelungen- und Siegfriedsage. Diese entstand in schriftlicher Form nahezu gleichzeitig zur Edda. Sowohl die isländische als auch die germanische Sage basieren auf mündlich überlieferten Heldenliedern der Völkerwanderungszeit (ca. 4. bis 6. Jahrhundert). Die Geschichten wanderten durch den gesamten germanischen Sprachraum und entwickelten sich in den Regionen unterschiedlich weiter.
Der gemeinsame Kern: In beiden Werken geht es um den Helden Sigurd (nordisch) bzw. Siegfried (deutsch), das Töten eines Drachen, den sagenhaften Hort (Schatz), die Walküre Brynhild (Brünhild) und den Untergang des Burgundergeschlechts (der Gjúkungen in der Edda).

Foto Belinda Helmert: Flora und Fauna um Fuße des Hafarfjall in Südwestisland. https://de.wikipedia.org/wiki/Hafnarfjall
Ein anderes Weltbild
In der Edda haben Lieder haben den archaischen und mythologischen Charakter bewahrt. Die Götter (wie Odin) greifen direkt in das Schicksal der Helden ein. Brynhild ist eine übernatürliche Walküre. Im Nibelungenlied wurde an das christliche, hochmittelalterliche Rittertum angepasst. Aus den rauen Wikinger-Helden wurden höfische Ritter, und die Götter spielen keine Rolle mehr.
Während der isländische Sigurd im Wald auf,wächst und die Sprache der Vögel versteht, zudem eher friedlich ist, wirkt Siegfried Kronprinz von Xanten, höfischer Ritter eher als Inbegriff des blonden unbesiegbaren Ariers. Brynhild erscheint als eine von Odin bestrafte Walküre im Flammenwall, doch in der deutschen Sage ist sie eine Königin mit magischen Kräften.
Auch die Verantwortung für den Untergang ist eine gänzlich andere: In der Edda lockt Atli (Attila der Hunne) die Brüder Gunnar und Högni aus Gier nach dem Gold in eine Falle. In der Nibelungen-Legende ist Siegfrieds Witwe die treibende Kraft. Kriemhild (stiftet den Kampf an, um sich an dem Mörder Hagen zu rächen und nimmt dabei den Untergang ihres Volkes in Kauf.

Foto Belinda Helmert: 5 Millionen alter Basalt-Vulkan Hafnafjall, Südwestisland, Nähe Bogarnes
Historische Gründe
Erwähnung findet der Weltenbaum Yggdrasil: Eine riesige Esche, die die neun Welten (u. a. Asgard für die Götter, Midgard für die Menschen, Helheim als Totenreich) verbindet, Eine prophezeite Apokalypse darf auch nicht fehlen. Der prophezeite Weltuntergang. Nach einer martialischen Endschlacht versinkt die alte Welt in Feuer und Fluten, ersteht danach aber ergrünt und neu geboren wieder auf. Auch die Germanen erwähnen den Lebensbaum, verbanden es mit den drei Zeiten und der Eibe. Der Unterschied ist mimimal, was auf Kulturimport hindeutet.
Da es sich um Legenden bzw. Sagen handelt, steckt ein historischer Kern hinter der freien Fabulierung und die Historie spiegelt zwei verschiedene Entwicklungen in Island und „Deutschland“ wieder.
Erstens verlief Islands Entwicklung, allein schon wegen seiner geografischen Lage, weitgehend isoliert, während das deutsche Reich immer im Zentrum von Konflikten lag. HMan kannn, auch wegen der Kälte vom kulturellen „Gefrierfach“ sprechen.: Die nordischen Siedler brachten die alten germanischen Heldensagen und den Glauben an Odin, Thor und die Walküren im 9. Jahrhundert nach Island. Durch die Abgeschiedenheit der Insel im Nordatlantik blieben diese Lieder über Jahrhunderte fast unverändert im kollektiven Gedächtnis. Eine Walküre entschied nach isländischem Glauben über das Kriegsglück.
Der zweite Aspekt betrifft die bereits angedeutete Christianisierung: sie erfolgte in Island wesentlich später als im germanischen „Eisland“ wurde erst um das Jahr 1000 von den Norwegern aus chrisianisiert – und das weitgehend friedlich durch einen Parlamentsbeschluss (Althing). Die alte Mythologie wurde dabei nicht gewaltsam ausgemerzt. Isländische Gelehrte des 13. Jahrhunderts (wie Snorri Sturluson) waren zwar Christen, sahen die alten Götterlieder aber als schützenswertes, historisches Kulturgut. ie deutschen Stämme wurden wesentlich früher und oft gewaltsam christianisiert (z. B. die Sachsenkriege Karls des Großen um 800). Der Glaube an die heidnischen Götter wurde strengstens verboten und drakonisch bestraft.

Foto Belinda Helmert: erkalteter Vulkan Hafnarfjall. https://www.alltrails.com/de/poi/iceland/western/akranes/hafnarfjall
Nuancen entscheiden
Trotz der Divergenz lassen sich in beiden Werken die gleichen realen historischen Katastrophen der Völkerwanderungszeit herausfiltern, die das Fundament der Sagen bilden: Was wir heute als „germanische“ oder „nordische“ Mythologie und den Weltenbaum Yggdrasil kennen, wurde fast ausschließlich durch isländische Quellen des Mittelalters für die Nachwelt bewahrt. Island ist gewissermaßen das Archiv dieser Mythen.
Dennoch gibt es feine Nuancen in der Perspektive, wenn man die allgemeine germanische Glaubenswelt mit den Besonderheiten der isländischen Überlieferung vergleicht:
Der Untergang der Burgunder (436 n. Chr.): Der historische Burgunderkönig Gundahar (im Nibelungenlied Gunther, in der Edda Gunnar) weigerte sich, Tribut an das Römische Reich zu zahlen. Der römische Feldherr Aëtius heuerte daraufhin hunnische Hilfstruppen an. Die Hunnen vernichteten das rheinische Burgunderreich bei Worms fast vollständig. Dies ist der historische Kern des großen Finales (Götterdämmerung bzw. der Untergang an Attilas Hof).
Für die kontinentalen Germanen (z. B. in Deutschland oder Skandinavien) war der Lebensbaum Teil einer gelebten, mündlichen Religion. Da sie kaum Schriftzeugnisse hinterließen, wissen wir über ihren Baumglauben oft nur durch Berichte christlicher Missionare (wie die Zerstörung der Donareiche in Hessen oder der Irminsul bei den Sachsen).

Foto Belinda Helmert: Südwestisland , Hafnarfjall, Detail. Der Berg aus dunklem Basalt ist ein erkalteter Vulkan, der vor 4 Millionen Jahren entstand.

Es fehlen die schrecklichen Hunnen
Hunnenkönig Attila taucht im Nibelungenlied als der edle, gastfreundliche König Etzel auf (historisch verzerrt durch die milde Erinnerung im Donauraum), in der Edda dagegen als der grausame, goldgierige Tyrann Atli (geprägt durch die Angst, die Westeuropa vor den Hunnen hatte).
Brynhild hat gegen Odins Willen einem König im Kampf den Sieg geschenkt. Zur Strafe sticht Odin sie mit einem Schlafdorn. Sie wird auf einem Berg (Hindarfjall) in einen tiefen Schlaf versetzt, umgeben von einem lodernden Flammenwall (Waberlohe). Nur der furchtloseste Held, der ihr Feuer durchschreitet, darf sie erwachen lassen.
Sigurd bricht den Zauber. Die beiden verloben sich. Später vergisst er sie durch einen Vergessenstrunk und wirbt (in Gestalt seines Schwagers Gunnar) erneut um sie. Als Brynhild den Betrug bemerkt, fordert sie aus verletzter Ehre Sigurds Tod und nimmt sich danach selbst das Leben, um mit ihm auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.
Ein weiteres Detail: Der Flammenwall der Edda um die schlafende Walküre wurde gestrichen, vermutlich zu heidnisch. Stattdessen müssen Freier sie in drei sportlichen Disziplinen (Speerwerfen, Steinstoßen und Weitsprung) besiegen. Wer verliert, wird geköpft.
In der isländischen Überlieferung der Edda nimmt Gidrun die Rolle Kriemhilds ein. Ihre Rache richtet sich auch nicht gegen unschuldige Personen bzw. dem ganzen Volk, sondern ausschließlich und damit gezielt gegen die Mörder ihres Mannes (die aus Ruhmsucht, Neid und Geldgier töten).

Fotos Belinda Helmert: Hafnarfjall an der Ringstraße 1. Der längst erloschene Vulkan misst 844 m und war ursprünglich höher. Seine Bedeutung liegt folglich in der Mythologie. Der Verfasser der Edda, Snorri Sturluson, wurde in der Region als Pflegekind erzogen.








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