
Foto Belinda Helmert: Reykjavik, die bunte Stadt der „Rauchbucht“ mit dem historischen Falkenhaus, am Rande der Altstadt. Island war damals weltberühmt für seine wertvollen isländischen Gerfalken. Das heutige Aussehen hat das Gebäude erst seit 1888; im Dachfirst der Gastronomie kann man noch hölzerne Falkenfiguren finden. https://www.iceland.de/virtuelle-islandreise/reykjavik/das-stadtzentrum/das-falkenhaus/
Elfen wachen über das Glück
In oder auf Island leben die glücklichsten Menschen.Zumindest in Europa und wenn man den jährlich erhobenen Umfragen des World Happiness Report Glauben schenkt. Liegt das an den GEysieren, den Vulkanen oder den heißen Quellen? Oder gar am höchsten Einkommen aller EU-Mitgliedsstaaten? Seit einem Jahrzehnt gehört Island zu den Top 3, wobei Skandinavien immer gut abschneidet. Einer der Faktoren, mit denen das Land bzw. seine Bewohner punkten ist die Verlässlichkeit unter Freunden und die Harmonie in den Familien. Scheidungen gibt es nur wenige.
Wen wundert es, dass dieses clevere, fortschrittliche Land nicht an der Corona- Hysterie teilgenommen und den Loickdown nie praktiziert hat? Übrigens sprechen sich Isländer nur mit Vornamen an und duzen sich gewöhnlich.
Nicht nur Wale vor der Bucht, sondern auch Babys schlafen in Island häufig im Freien. Auch gewöhnt man sie sehr schnell ans Schwimmen und Leben in der Natur. Die Isländer sind überzeugt, dass die frische, saubere Luft das Immunsystem stärkt. Kriminalität ist so gering, dass niemand Angst vor Entführungen hat. Das alles fördert das Glücksempfinden offenbar.
Es gibt auch einen Elfenbeinminister oder Beauftragten. Der Glaube an das Huldufólk (das verborgene Volk aus Elfen und Trollen) ist tief verwurzelt. Wenn Straßen gebaut werden, zieht die Straßenbaubehörde im Zweifel Experten zu Rate, um sicherzustellen, dass keine heiligen Elfenfelsen zerstört oder versetzt werden. Große Bauprojekte wurden deswegen schon umgeleitet. Noch mehr als in Irland, das will etwas heißen.

Foto Belinda Helmert: Whale watching an der Küste vor Reykjavík, der Bucht von Faxaflói. Hier kann man das ganze Jahr über Wale beobachten. https://wildlife-travel.com/de/wale-beobachten-in-reykjavik-island/

DFoto Belinda Helmert: Reykjavík The Sun Voyager (1990) von G, Arnason an der Uferpromenade. Sinnbild für den isländischen Sinn für Utopie.
Bier für alle
Bier war bis 1989 illegal: Während Wein und Hochprozentiges früher erlaubt waren, war echtes Bier in Island 74 Jahre lang streng verboten. Seit der Aufhebung des Verbots am 1. März 1989 feiert das Land diesen Tag jedes Jahr als nationalen „Biertag“ das heute beliebteste Getränk des Landes. Die älteste und mit Abstand größte Brauerei des Landes wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg gegründet. Paradoxerweise durfte man brauen und exportieren aber nicht trinken. Die Isländer reagierten mit Ersatzbier: alkoholfreies Bier mit Wodka, der erlaubt war.
Razzien folgten wie man es sonst nur aus der Prohibition kennt. Die Bevölkerung solidarisierte sich mit den Kneipen, was das Verbot in den Augen der Öffentlichkeit komplett lächerlich machte.
Auch die politische Bierfrage kann also glücklich oder unglücklich machen – mit der Aufhebung des Schankverbots setzt statistisch Islands Aufstieg zu den glücklichsten Bewohnern ein.

Foto Belinda Helmert: Reykjavík, das Pub Gaukur á Stöng, in dem der legendäre Bieraufstand der Isländer seinen Anfang nahm, nachdem die REgierung am Flugh-nd am Seeafen den Import von ausländischen Bier erlaubt hatte, die heimischen Biere aber nicht getrunken werden oder in der Kneipe ausgeschenkt werden durften.https://www.cambridge.org/core/journals/law-and-society-review/article/abs/prohibition-of-beer-in-iceland-an-international-test-of-symbolic-politics/038DCF3E31553AB10C223D7E724FCFD2

Foto Belinda Helmert: Alter Hafen von Islands Hauptstadt mit Dreimast-Segelschiff: Bei dem imposanten Großsegler mit der riesigen Flagge handelt es sich um die ARC Gloria, das offizielle Flaggschiff und Segelschulschiff der kolumbianischen Marine. In Reykjavík gibt es zwei getrennte Hafnbecken; der alte Hafen liegt im Stadtzuentrum https://www.komoot.com/de-de/highlight/635364
Eine Vision wo andere Kriege führten
Der Bau der Hallgrímskirkja war ein monumentales Jahrhundertprojekt, dessen Geschichte von politischem Willen, architektonischer Vision und jahrzehntelanger Ausdauer geprägt ist. Der Weg von der ersten Idee bis zur Fertigstellung lässt sich in folgenden Schritten nachvollziehen:
n den 1920er Jahren wuchs Reykjavík rasant von einem Fischerort zu einer echten Stadt heran. Gleichzeitig steuerte Island auf ein historisches Ereignis zu: das 1000-jährige Bestehen seines Parlaments (Althing) im Jahr 1930. Zu diesem Anlass keimte in der Bevölkerung und der Politik der Wunsch auf, ein monumentales, rein isländisches Kirchenbauwerk zu errichten, das groß genug war, um als spirituelles und nationales Zentrum des Landes zu dienen.
Im Jahr 1937 wurde Guðjón Samúelsson, der damalige Staatsarchitekt Islands, offiziell mit dem Entwurf beauftragt. Samúelsson war ein Pionier, der eine völlig neue, eigenständige „isländische Architektur“ erschaffen wollte. Er lehnte es ab, europäische Stile wie die Gotik oder den Barock einfach zu kopieren. Seine Vision war es, dass das Gebäude mit der rauen Natur der Insel verschmilzt – so entstand der berühmte Entwurf, der an erkaltete Lavaströme und sechseckige Basaltsäulen erinnert.
Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Besetzung Islands durch britische und amerikanische Truppen verzögerte sich das Projekt. Erst am 1. Dezember 1945, kurz nach dem Ende des Krieges und der offiziellen Unabhängigkeit Islands von Dänemark (1944), begannen die Bauarbeiten auf dem Hügel Skólavörðuholt. Der Bau wurde damit auch zu einem Symbol für die neugewonnene Souveränität des Landes.

Fotos Belinda Helmert: Hallgrimskirkja ist die größte Kirche des Landes und thront über dem Zentrum Reykjavíks. Der 73 Meter hohe Turm bietet einen wunderbaren 360°-Blick über ganz Reykjavík, die umliegenden Berge und das Meer, das westlich bis nach Grönland und Amerika reicht. Fertigstellung: 1986. https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g189970-d245998-Reviews-Hallgrimskirkja-Reykjavik_Capital_Region.html Die Statue zeigt Leif Eriksen, der weit vor Kolumbus Amerika entdeckte.

rheinische Klänge, weil es die Akustik so verlangt
Da das Projekt extrem teuer war und die Gemeinde die Kosten größtenteils durch Spenden und Kirchensteuern selbst tragen musste, zog sich der Bau über 41 Jahre hinweg und wurde in Abschnitten vollzogen; Krypta, Turm, Kirchenschiff. Finalisierung zum 200 jährigen Gründungstag der modernen Hauptstadt.
Wie Gaudi und andere Meister-Architekten erlebte der Visionär nicht das Ende seiner Schöpfung er starb bereits im Jahr 1950, als gerade einmal die Fundamente und die Krypta standen. Man stelle sich vor, Gott wäre am sechsten Tag gestorben, dann gäbe es nur eine Sechstagewoche.
Dass die riesige Konzertorgel der Hallgrímskirkja bei der traditionsreichen Orgelmanufaktur Johannes Klais Orgelbau in Bonn gefertigt wurde, liegt an einer Kombination aus internationalem Ruf, technologischer Meisterleistung und der spezifischen Architektur der Kirche. e; er starb bereits im Jahr 1950, als gerade einmal die Fundamente und die Krypta standen.
Das monumentale, betonhaltige und schlichte Kirchenschiff der Hallgrímskirkja stellte eine enorme akustische Herausforderung dar. Es galt, ein Instrument zu bauen, das den riesigen, heiligen Raum klanglich komplett füllen kann – von sanften, leisen Tönen bis hin zu gewaltiger, dramatischer Musik. Lange brauchte man für die nötige Expertise, um diesen anspruchsvollen Raum vorab zu analysieren und ein stimmiges klangliches Konzept zu entwickeln.

Foto Belinda Helmert: 15 m hohe Orgel der Hallgrimskirkja, in Bonn angefertigt und 1992 eingeweiht. https://www.eldey.de/Galerie/island/reykjavik/reykjavik-hallgrimskirkja-orgel.html

Foto Belinda Helmert: Hallgrimskirkja, Die spektakuläre, gestufte Betonfassade ist keine abstrakte Erfindung. Der Architekt Samúelsson ließ sich von den sechseckigen Basaltsäulen inspirieren, die in Island entstehen, wenn Lava langsam abkühlt wie man sie z. B. am Wasserfall Svartifoss sieht.
Toleranz- Tanz
Das Besondere an der Fußgängerzone und Innenstadt von Reykjavík ist, dass sie sich trotz des weltweiten Tourismusbooms ihren extrem charmanten, dörflichen und farbenfrohen Charakter bewahrt hat. Es gibt hier keine unpersönlichen Shoppingmalls oder austauschbaren Betonbauten, sondern ein lebendiges, skurriles Stadtleben.
Die Straße, die schnurgerade auf das Wahrzeichen – die Hallgrímskirkja – zuläuft, ist dauerhaft in den leuchtenden Farben des Regenbogens bemalt. Ursprünglich als temporäre Aktion zum jährlichen Reykjavík Pride gestartet, ist die Bemalung heute permanent. Sie symbolisiert die tiefe Verankerung von Rechten der Minderheiten und Toleranz in der isländischen Gesellschaft und ist eines der beliebtesten Fotomotive des Landes.
Die historischen Häuser in den Fußgängerzonen wie der Laugavegur bestehen größtenteils aus Holz, sind aber komplett mit bunt bemaltem Wellblech verkleidet. Dieses Material bietet den perfekten Wetterschutz und wurde daher zum Dauerbrenner.
Eine weitere Besonerheit: Das abgekühlte Abwasser der geothermalen Hausheizungen wird durch diese Rohre geleitet, bevor es zurück in die Erde fließt. Dadurch werden die Gehwege im Winter automatisch eisfrei und trocken gehalten.

Fotos Belinda Helmert: Bunte Innenstadt, Fußgängerzone in Reykjavík mit Blick auf Hallgrimskirkja, d dem Wahrzeichen der Stadt, gerade aufgrund seiner modernen Bauweise. In der nördlichsten Hauptstadt Europas leben mit 390 000 Einwohnern 64% aller Isländer.

die weiße Braut
Im Gegensatz zur Innenstadt wirkt die Uferpromenade wie ein ewiges Brautfest oder Schnee. Sie wurden ganz bewusst als starker, gestalterischer Kontrast konzipiert: Das Architekturbüro entwarf die markanten, asymmetrisch gezackten Giebelstrukturen der weißen Gebäude so, dass sie an Eisberge, Packeis oder riesige Schneewehen erinnern. Direkt am tiefblauen oder stahlgrauen Wasser des Fjords verstärkt die weiße Farbe diese optische Illusion massiv.
Vorteil bietet die Lichtreflexion im langen dunklen Winter: Island leidet in den Wintermonaten unter extremem Lichtmangel. Die weißen Fassaden brechen das spärliche Tageslicht und reflektieren es in den Straßenraum, was das Viertel heller und freundlicher wirken lässt.
Während die traditionellen, alten Wellblechhäuser im direkt angrenzenden Stadtzentrum für ihre kunterbunte Farbpalette (Rot, Blau, Gelb) berühmt sind, wollte man bei diesem modernen Prestige-Neubauprojekt zu Beginn der 2000er Jahre ein klares, minimalistisches Statement setze.

Foto Belinda Helmert: Skyline Reykjavik mit modernen weißen Wohnblöcke im markante Neubauviertel Skuggi direkt an der Uferstraße Sæbraut. Auch diese radikale Neugestaltung ist relativ neu und stammt aus der Milleniumwende. https:///www.vso.is/en/project/skuggahverfi-ibudahusnaedi/







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