
Foto Malte Godglück, Rom, Lago con il Tempio di Asclepio, künstlich angelegter See in der Villa Borghese´´. Robert Musi (1880-1942)l weilte erstmals 1835/36 in der ewigen Stadt -1936 verkündete Mussolini parallel zu den olympischen Spielen die Annexion https://www.swr.de/swrkultur/wissen/zeitwort-20250509-mussolini-verkuendet-die-annexion-abessiniens-100.html. Elf Minuten hallten duce-Rufe nach, Italien befand sich in Ektase. Krieg sorgte für Arbeit und diente zur Ablenkung von alltäglichen Misständen. Was damals Abessinen, Afrika war, ist heute die Ukraine. Die Mehrheit goutierte den Krieg….
Affenparadies oder Exil
Eine der bekanntesten Parabelnder Literaturgeschichte ist Robert Musils “ Die Affeninsel“ aus dem Jahr 1936, die auch häufig im Deutschunterricht Verwendung findet. Eine Parabel besteht grundgesetzlich aus einer Wort- und einer darüber gelegten Symbol- oder Bilderebene. Es ist eine binäre Geschichte mit einem Subtext, den sich der Leser selbst erschließen muss. Der faschistische Rahmen (Mussolini) lässt sich leicht erkennen.
Robert Musil verließ Österreich 1938 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, da seine Werke in Deutschland verboten wurden. Er emigrierte mit seiner Frau in die Schweiz, wo er am 15. April 1942 in Genf verstarb.
Nachzuhören ist Musils Parabel unter https://dokumente-online.com/analyse-die-affeninsel-von-robert-musil.htmlhttps://podcast8c6050.podigee.io/892-neue-episode. Die ersten beiden Sätze klingen nach Neuer Sachlichkeit: „In der Villa Borghese in Rom steht ein hoher Baum ohne Zweige und Rinde. Er ist so kahl wie ein Schädel, den die Sonne und das Wasser blank geschält haben, und gelb wie ein Skelett.“
Eigentlich ist damit bereits alles gesagt und das weitere Zugabe. Einem morbiden Zeitalter fehlt das Fleisch, die Vitalität.
Es mutet etwas seltsam an, dass sich alles heute wiederholt und niemand begreift, was offensichtlich ist. Ohne Insultation: Der Oberaffe mag heute von einer Minderheit gewählt sein, eine wirkliche Basis hat er nicht und nur über diverse, etwas subtilere Einschüchterungsmaßnahmen und Gewalt als die Primaten hält er sich oben an der Spitze der Hierarchie. Musil deutet offenkundige Duldung an, hauptsächlich aus Angst, aber auch aus Gewohnheit. Sicherlich wähnen sich die heutigen Zweibeiner in einer Demokratie … dafür sorgt allein der aufrechte Gang, mit dem sie hinnehmen, was ihnen geboten wird.

Foto Malte Goldglück, Villa Borgehese., Grünanlage. Der zweitgrößte Park Italiens wartet mit Museen und einem See. auf
Affenwirtschaft
Robert Musil verweilte in Rom und zwischen 1936 und 1938 und beobachtete eine frühere Menagerie; tatsächlich soll es Affen im Park gegeben haben, wie beschrieben auf einem abgegrenzten Areal. Dass der Schriftsteller Parallelen von der Natur der Affen mit der conidition humana zog, ist evident.
Zu hören ist die vorgelesene Affeninsel auf https://podcast8c6050.podigee.io/892-neue-episode.
Eine Parabel hat zwei Textebenen. Die Bilderebene lässt sich leicht politisch und etwas schwieriger philosophisch deuten.
Grundsätzlich geht es in Musils um Hierarchien, in welcher Affen die menschliche Gesellschaft widerspiegeln. Folglich handelt es im ersten Schlitt um drei klar erkennbar Gruppen: das Königspaar, die Baum und die Bodenaffen.
Am 9. Mai verkündete Il duce Mussolini (1922-43 Ministerpräsident), ein ehemaliger Kommunist, die Errichtung eines eigenen Imperiums, den Fascismo italiano. Sie gilt als Bewegung, der u.a. der Antisemitismus fehlt. Er stand dem italienischen Äquivalent der NSDAP vor, die in Italien auf drei Buchstaben begrenzt ist PNF. Im Unterschied zum Dritten Reich besaß Italien bis Kriegsende einen König. Österreich hatte seinen Kaiser bekanntlich im Ersten Weltkrieg verloren und nicht wenige trauerten dieser Zeit nach.
Wie Berlin im Wilhelminischen Kaiserreich, so entwickelte sich auch Rom erst 1871 zur Hauptstadt und politischem Zentrum des Landes und erst unter Mussolini zu einem zentralisierten Nationalstaat. Zum Pakt mit wechselseitiger militärischer Unterstützung mit Hitler kam es jedoch offiziell erst am 22. Mai 1939. Aus Musils Sicht war der Schritt in die vollkommene Diktatur noch aufzuhalten und vermeidbar. Das klingt durchaus in seiner Parabel an.
Auch wenn Mussolinis Führerschaft auf Diktatur hinauslief: Gemeinhin sind die Herrschaften Diktatoren jedoch weit weniger gestanden, als sie sich wähnen. Ergo sind die meisten Imperien schon bei Errichtung dem Untergang geweiht. 1936 weilte Musil erstmals in Rom und lebte nahe dem Park, der so karg nicht war wie beschrieben. Außerdem befand sich hier auf diesem weitläufigen Gelände einst seit 1911 der älteste Zoo Europas. https://deutsche-roemerin.com/blog/der-zoo-der-villa-borghese

Affenliebe
Die erste Stufe Hierarchien und rücksichtslose Machtstrukturen zu erkennen, fällt leicht. Etwas schwieriger wird die Frage nach dem Kontext. Neben Berlin eignete ich keine Stadt so sehr wie Rom, angefangen vom römischen Imperialismus und den Kaisern, denen Hitler und Mussolini nachahmten bis hin zur Kulisse, wie dem Kolosseum, das sich für die Analogie Mensch-Tier vorzüglich eignete. Zudem stellte Borghese nicht nur den alten Adel (die Baumaffen) dar, sondern eben auch Zoogelände.
Aber auch die adelige Familie Borghia eignete sich bis ins kleinste Detail für die Rücksichtlosigkeit. So war der Maler Caravaggio – keiner, nicht einmal Museen, besitzt mehr Original als der auch Päpste stellende Clan – nicht zufällig ein Liebling der Mächtigen, wenngleich der Aufgeklärten unter ihnen. Eine der vielen Analysen, die den Ort, dessen Beschreibung den Anfang bildet) als Idylle begreift, der vom Verlust der Zivilisation kündet (Höhepunkt Renaissance). Die „blonde Bestie“ nannte Nietzsche den kultivierten Herren mit Zuckerbrot und Peitsche.
Vergessen sei nicht, dass Musil der Armee diente und durchaus kein Pazifist war. Er liebte nach eigener Aussage die Uniform. Musil, der ratoides /vernünftiges) von nicht ratoiden Denken unterscheidet, bekannte: „Politik, Ehre, Krieg, Kunst, die entscheidenden Vorgänge des Lebens vollziehen sich jenseits des Verstandes. Die Größe des Menschen wurzelt im Irrationalen.“ Zum Non-Ratoiden zählt auch die Liebe. Kein Wort scheint missbrauchter als sie. Aus ihr macht man sich bekanntlich auch gerne mal zum Affen. Die Liebe zum Duce besaß sakrosankte, weil an das Religiöse gemahnende Züge kultischer Verehrung.
Eine Interpretation, die den anfangs vorherrschenden Konjunktiv aufgreift, liefert affeninsel-von-robert-musil.html

Foto Malte Godglück: Rom, Park der Villa Borghese und vielleicht schönste Grünanlage der Stadt nahe dem Zentrum, zweitgrößte der „ewigen Stadt “ auf sieben Hügeln (ursprünglich auch von sieben Stämmen bewohnt) https://romtipps.de/piazza-del-popolo.html
Die Kunst der Gewalt
Grundsätzlich war Musil ein Feind der Diktatur ohne überzeugter Demokrat zu sein oder gar zu werden. Symbolisch konvertierte er vom österreichischen Katholizismus wie seine Frau vom Judentum und so traf sich das Paar in der Mitte, dem Protestantismus. Das ist auch eine Art Schnittmengen – Psychologie. Musil war Ingenieur und zeitlebens an Mathematik interessiert. Er hatte einen präzisen, mitunter Ton.gravitätischen Tonfall, der sich auch in der Parabel niederschlägt:
„Langsam schreitet er (der König) dann die Äste entlang, und es scheint nicht, dass er bemerken will, wie ehrfürchtig und misstrauisch alles zurückweicht und sich — um Hast und Aufsehen zu vermeiden — seitlings vor ihm herschiebt, bis das Ende des Astes kein Entweichen mehr zulässt und nur ein lebensgefährlicher Absprung auf den harten Zement übrig bleibt.“Langsam schreitet er dann die Äste entlang, und es scheint nicht, dass er bemerken will, wie ehrfürchtig und misstrauisch alles zurückweicht und sich — um Hast und Aufsehen zu vermeiden — seitlings vor ihm herschiebt, bis das Ende des Astes kein Entweichen mehr zulässt und nur ein lebensgefährlicher Absprung auf den harten Zement übrig bleibt.“
Das Patrouillieren erfordert eine Kunst der Gewalt, die Musil sogar mit der Liebe vergleicht. Es wird häufig mit Fürsorge gleichgesetzt. In jedem Fall, das gilt es anzuerkennen, verhindert es Chaos und Anarchie. Das Volk schreit nach Sicherheit (homo homine lupus est) und kontrollierter Staatsgewalt.
Das Schöne wie Theater und Kunst ist zwar ein relativ günstiger Volkstempel geworden, doch weder verstehen die angeblichen Arbeiter und Angestellten wirklich, was da auf der Bühne stattfindet und klatschen sie nicht fast wie dummes Vieh artig Applaus bei Preisverleihungen? Ohne abzuschweifen, Musil verdiente eine gewisse Zeit v.a. in Berlin sein täglich Brot als Krittiker und Rezensent von Theaterstücken. Er konnte dadurch hautnah miterleben, wie das Publikum Ende der Zwanziger, Anfang der Dreißiger Jahre politischt eingenordet wurde und sich einnorden lies.
Und wäre es nicht verlogen zu verkennen, dass die Kunst jahrtausendelang ein Instrument politischer Manifestierung der Herrschaft einerseits und Lenkung politischer Interessen (Hierarchie) andererseits war? Die Emanzipation dauerte bis l’art pour l’art im 19. Jahrhundert und erlebte u.a. bereits unter Mussolini und Hitler, aber natürlich auch in Österreich, seine Gegenbewegung. Mit Widerständen ist es leicht umzugehen: die Unterprivilegierten werden nach bestem Prinzip (divide et impera) getrennt, so dass jeder Affe erst mal seine eigene Haut zu retten gedenkt. Solidarität? Fehlanzeige.
Musil “ Wenn alles vorbei ist, steigt der Verfolger mit federnden Griffen den großen Baum hinan bis zum höchsten Ast, schreitet bis an dessen äußerstes Ende hinaus, setzt sich ruhig zurecht und verharrt ernst, aufrecht und ewig lange, ohne sich zu regen„.

Foto Malte Godglück;: Villa Borghese, Museum (galeria), Zu sehen sind u.a. Caravaggio, Bernini und Raffael. https://de.borghese.gallery/villa-borghese/
Der gleichgültige Blick
Der Begriff Parabel stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet etwa „das eine für das andere setzen“. Wer eine parabolische Erzählung richtig verstehen will, muss, das Erzählte als Beispiel aufnehmen und aus ihm das herleiten, was eigentlich gemeint ist. Ein richtig oder falsch wie in der Mathematik existiert nicht. ‚Vielleicht ist das ein Grund, weshalb Schüler von heute die Freiheit der Interpretation ablehnen und dafür nach Vorgaben rufen und klaren Anweisungen, die eine Zensur zur Rechenaufgabe machen – die Schüler von heute sind die Politiker und die Wähler von morgen.
Wie es angehen kann dass eine demokratische Massenpartei einfach mit dem Attribut Volkshetze mundtot und sogar rechtswidrig gemacht werden soll, verrät schon Musils „Die Affeninsel““ „Es braucht eine längere Zeit, ehe man bemerkt, dass außer diesen ein geordnetes Leben führenden Wesen noch andere von der Insel beherbergt werden.“ Den, Bodensatz, die vielen kauernden „Grabenaffen“, erkennt der Beobachter offensichtlich erst spät und mühsam. In ihnen steckt das Potential etwas an ihrem Schicksal zu verändern
Jede Erklärung ist im Grunde bereits zu viel und führt nicht nur vom eigenständigen Denken weg, sondern auch von jeder künftigen Bereitschaft zur Verantwortung. Der Affe im Käfig ist mit der Verrichtung simpler Existenzbedürfnisse zufrieden. Musils Verb beherbergen verdient Aufmerksamkeit. Das Gegenstück zur Beherbergung, die ohne Aufmerksamkeit nicht zu haben ist (der Staat muss sich kümmern) liefert Gleichgültigkeit (die Lateiner und damit auch die Italiener haben vier Begriffe dafür: indifferentia, negligentia,aequitas, aemulatio).
„Dann nagelt der lange gleichgültige Blick den zufälligen einen an; und nun wird es ganz unmöglich, sich so zu beherrschen.“
So gleicht der Mensch in seiner Not nur noch dem Herdentier und folgt dem Herdentrieb, aller Bildung zum Trotz. Musil greift nach langsamen Aufbau, in dem scheinbar nichts geschieht, die Flucht- als Massenbewegung auf. Sie erscheint dem reflektierenden Geist vorauseilender Gehorsam.
Mag man es den Affen verziehen: Bananen wichtiger zu nehmen als Freiheit ist schlimmer als deren Duldsamkeit,. Musil spricht vom von Paralyse „Aber die weiche, vom Schreck gelähmte Menge lässt sie nicht vom Platze.„ Was bleibt ist de böse fremde Blick. Genau genommen der gleichgültige Blick, wie Musil schreibt und dies scheint mir der Schlüsselsatz zu sein „
„Dann nagelt der lange gleichgültige Blick den zufälligen einen an; und nun wird es ganz unmöglich, sich so zu beherrschen“Dann nagelt der lange gleichgültige Blick den zufälligen einen an; und nun wird es ganz unmöglich, sich so zu beherrschen.“

Foto Malte Godglück_Rom, einer der vielen Bunnen in der Villa Borghese. Foto Malte Godglück: Rom, Villa Borghese, vielleicht der bekannteste Park in Rom zwischen den Stadtvierteln Flamino und Parioli nahe der spanischen.https://romtipps.de/piazza-del-popolo.htmll Musil weilte mehrmals in Rom .
Zwei Säulen
Jedermann möchte sich an die Trinität klammern, doch Musil glaubte nur an zwei Säulen der Weisheit, die er „taghelle Mystik“ nennt: ein oben und unten, wie es uns die Gesellschaft nicht nur der Affen täglich zeigt, Er interessierte sich für den ewige Kampf zwischen Individuum der Möglichkeit) zu denken und zu handeln), und dem Staat (als der augenblicklich herrschenden Wirklichkeit. Mit anderen Worten das Wechselspiel aus Bewegung und Ruhe. Ihm war an der Balance gelegen, denn eine reine Bewegung zeitigt Chaos, eine endlose Ruhe führt unweigerlich zur Starre.
Kaum jemand lotet diese Potenzen und Konjunktive wie ein uneingelöstes Versprechen (laut Nietzsche ist der Mensch ein Tier, das versprechen muss) so akribisch aus wie Musil. So ist die dienende und unterdrückte Mehrheit sich ihrer Herrschaft nur noch nicht bewusst: „Sie sind missmutig gegenüber dem König eingestellt und könnten ihn mühelos töten.“ Aus diesem noch nicht schöpfte er anfänglich seine Kraft
Andererseits führt Gewalt systemisch zum Ausgangspunkt zurück; das nicht das autokratische System erhält sich selbst. Nach dem Motto der (alte) König ist tot, es lebe der (neue) König dient die Grande REvolution als abschreckendes, doch sich wiederholendes Beispiel.
In seiner Tierparabel „Farm der Tiere“ (1945) nimmt George Orwell einen Bauernhof als Kaleidoskop und Mikrokosmos, um Musils Aussage fortzuführen. Nachdem die unterdrückten Tiere sich ihres menschlichen Herrschers entledigt haben, beginnen sie sich selbst zu Unterdrücken. Neue Formen der Auf- und Abwertung setzen ein und wieder bildet sich ein Bodensatz. So lange Sklaven Diener bleiben, ändert sich nichts. Es scheint, bis auf wenige Ausnahmen, ein Naturgesetz und a priori bestimmt, wer sich zum dienen und wer zum herrschen eignet, aller Demokratie und Reform zum Trotz.
Wo zum Teufel bleibt die von Kant geforderte Mündigkeit des Bürgers (saepe audrere) wenn nicht nur Mut, sondern auch Intelligenz zum Handeln fehlt. Musil: „Es braucht eine längere Zeit, ehe man bemerkt, dass außer diesen ein geordnetes Leben führenden Wesen noch andere von der Insel beherbergt werden.“
Im heutigen Kultur- und Affenbrei ist jedes Mittel recht, das entweder betäubt oder bestätigt, niemals aber das Widerspenstige. Um zu herrschen, bedarf es Kontrolle und das bedeutet Präsenz. „Nur einmal in der Stunde erhebt sich der König und besteigt den Baum zu einem inspizierenden Rundgang“.
Kein Satz zu viel und keiner zu wenig. Musil bleibt von Anfang an in der Beobachterrolle eines eingespielten Systems und deutet lediglich über den Konjunktiv an, dass sich etwas ändern könnte, wenn man es nur wirklich wollte. Wer auf die Jugend und die Würde des Menschen setzt, scheint verloren:
„Selten kann man etwas so Dummes und Klägliches dennoch von einer unsichtbaren Würde umwallt sehen wie diesen jungen Affen“. Insofern lassen sich die zwei Säulen zuspitzen auf klug und dumm. Nur dass die Dummheit heute regiert und die Klugen dabei zusehen. Auch im System der Herrschaft gibt es Variablen.

Foto Malte Godglück: Rom, Spanische Treppe (138 Stufen) , 1723 erbaut und fontana della Barcaccia ( nahe der ehemaligen Spanischen Botschaft nahe der Villa Borghese. https://romtipps.de/spanische-treppe.html
Warum nicht kratzen, beißen, brüllen?
Musil beantwortet die in „Die Affeninsel“ aufgeworfene Frage nach dem Grund der Passivität in seinem, Aufsatz „Über die Dummheit“, (1937; erstens laufe man als Kluger immer Gefahr, beim Aussprechen dieses Faktum, als arrogant zu gelten . Zweitens bedürfte es Mut, die Herrschaft der Freundlichen (die Gutmenschen) überhaupt dem Nachdenken auszusetzen und drittens müsste man auf die Politik zurückkommen, die a priori Immunität besitzt. Nachzulesen ist der Vortrag unter https://www.projekt-gutenberg.org/musil/dummheit/chap01.html
Anzunehmen ‚“dass die Dummheit bloß oder vornehmlich ein Mangel an Verstand sei;“ ist grundsätzlich falsch. Gleichwohl die Dummheit wie ein Volksfieber um sich greift und immer mehr Menschen erfasst, kann sich auch der Leistungsgedank als dumm erweisen, wenn er in die falsche Richtung läuft. Untüchtigkeit ist darum wohl das besser Wort, was und Schlafmützigkeit und Bequemlichkeit, den deutschen historischen Grundtugenden führt. Konkret „im Dienst eines Affekts zu stehn“ ist der Anfang vom Ende. Für solche dummen Menschen gilt: „Winter besteht aus Schnee.„
Musil kannte kein Corona, aber die Folgen der Massenpsychose durch gezielte Manipulation zur Hysterie : „Psychologisch wird das, was sich beim Eintreten einer Panik abspielt, als ein Aussetzen der Intelligenz,“
Man betrachte noch einmal seine Parabel: „Wenn alles vorbei ist, steigt der Verfolger mit federnden Griffen den großen Baum hinan.“ Musil in seine Vortrag beschreibt präzise die Schwächen, die zur Verdummung der Gesellschaft- führen: „arm, ungenau, unfähig der Abstraktion, unklar, langsam, ablenkbar, oberflächlich, einseitig, steif, umständlich, überbeweglich, zerfahren.“
Es gibt in unserer Zeit eine Belohnung für die Dummen, wie oben beschrieben, der Angepassten, man heißt es Konformismus oder Opportunismus. Eine Kultur der Ahnungslosen entsteht, die sich dennoch für klüger als die anderen erachten und in Sicherheit wähnen. Musil spricht von der „unaufrichtigen Dummheit,“ die gefährlicher ist als die allgemein offensichtliche, weil sie sich schleichend etabliert. Für solche Menschen besteht die Wirklichkeit aus dem einfachen und durchaus nicht falschen Satz „Im Winter gibt es Schnee„. Solche Menschen schweigen sich demokratisch zu Tode.
Deshalb, so Musil „ziehen die Weisen ziehen es anscheinend vor, über die Weisheit zu schreiben!“

Foto Bernd Oei:Rom Villa Borghese, Galeria Rückseite, nahe des künstlich angelegten Sees gegenüber der Villa Medici. und mit Eine der größten Parkanlagen Roms mit einer Fläche von etwa fünf Quadratkilometern. https://de.borghese.gallery/villa-borghese/.
Wenn Affen affig werden
Zurück zur „Affeninsel“. Der philosophische Grund für das Plädoyer für die Geistesaristokratie wurzelt im Platonismus. Der Schüler zog aus der Verbannung des Sokrates, der Intrigen und der Dummheit seiner Mitwelt zum Opfer fiel und in aufrechter Haltung den Tod auf sich nahm, die Konsequenz des Philosophenstaat. Da weder Kompetenz noch Intelligenz in der Regel an Moral gebunden sind, dienen die Herrscher seltenst ihrem entmündigten Volk.
Die Affen reagieren nicht, teilweise aus Sorglosigkeit, später aus Angst und schließlich mangels Alternativen “ bis das Ende des Astes kein Entweichen mehr zulässt und nur ein lebensgefährlicher Absprung auf den harten Zement übrig bleibt.“ So muss man, wenn die Affeninsel unser Weltgeschehen pointiert, um etwas zu ändern, erst einmal mal affig werden. Vor der Befreiung steht immer der mühsame erste Schritt, der das Scheitern in sich birgt.
Als junger Mann, verliebt über beide Ohren, äffig sozusagen, brach ich ein großes Palmenblatt ab, man kann dies als erste Auflehnung deuten, denn ein Wächter war durchaus vorhanden. Von der Patrouille samt Hund gejagt, kletterte ich das Tor hinauf, denn es war automatisch verschlossen worden. Auf der Spitze des geschlossenen Eisentors errichtete ich meinen Blutzoll und zog mir eine Wunde am Oberschenkel zu. Ich entkam dem Hund (cave canem) nur knapp und fühlte mich wie ein Held.
Freilich, die Palme kam eine Woche später in erbärmlichen vergilbten Zustand bei der Geliebten an, wurde nicht als Kleinod geschätzt, auch der mit ihrem Raub verbundene Mut stieß auf wenig Bewunderung und wenige Monate später schmerzte der erlittene Laufpass weit mehr als der Blutzoll bei Borghese. Was uns bestimmt ist, lässt sich nur schwer ändern.
Musil sah die Konstanten: Defätismus und Minderwertigkeit, die vielleicht nach dem zweiten oder dritten Scheitern den Verlierer nicht mehr aufstehen lassen. Doch im Gegensatz zur Natur, die Gesetze macht, schafft sich der Mensch sein eigenes Paradies und seine eigene Hölle. Wir alle retten uns ins innere oder äußere Exil auf der Suche nach Erlösung von der Dummheit und der Affenbande, die Gehorsam gibt, wo sie keinen schuldet.
Aller Anfang ist schleichend, um mit Musil zu reden: wiegt man uns in Sicherheit: „Denn es kommt vor, dass ein böser Bursche oder ein scherzhaftes Mädchen, obgleich sie blinzelnd Verdauungsbeschwerden heucheln, nur darauf warten, und vorsichtig von ihrem Ast heruntergleiten,“

Foto Bernd Oei: Rom Villa Borghese nahe des Piazza del Popolo, https://de.borghese.gallery/villa-borghese/
Weshalb man heute im Graben liegt
Die Grabenaffen sind die am Ende der sozialen Leiter – sie leben von Almosen und Hoffnung allein. „Da erheben sich die kleinen schwarzen
Gesichter und werfen die Arme in die Höhe und strecken die Handflächen abwehrend vor den bösen fremden Blick, der vom Rande herabsieht.“
Zur Gleichgültigkeit erzogen, die in Abstumpfung mündet, bleiben die Verlierer der Gesellschaft stets „ohne Halt und Scham unter Peinigungen„; selbst die Peitsche stört sie nicht. Entweder haben sie sich daran gewöhnt wie moderne Arbeitssklaven oder sie sind härter im Nehmen als ihre rebellischen Ahnen, haben Gewalt und Sklaverei adaptiert. Heute, da die Fußfessel der Galeerensträflinge fehlt, erhebt sich die Frage, ob die zivilisierten Länder einen Schritt weiter sind als die Steinzeit-Menschen, oder ob ihr Leiden haben nur versteckter, subtiler, stattfindet. Monotonie macht auch ausweglos.
Zivilisation und Barbarei schließen sich nicht aus, ebenso wenig wie die Wildnis und Unfreiheit. Alles wird zur Frage des Blickwinkels: sitzen wir vor dem Käfig oder dahinter und damit selbst darin? Zu glauben, dass aus Weiß jemals schwarz werden kann oder aus einem Kreis ein Dreieck erscheint absurd. „Wenn alles vorbei ist“, so beginnt der Schlusssatz, herrscht der strahlende Blick des Herrschers vor : „wo er die Gärten verlässt, liegt hinter hm die große gelbe Stadt, über der er, noch in die grüne, schimmernde Wolke der Baumwipfel gehüllt, achtlos in der Luft schwebt.“

Foto Bernd Oei, Rom, Villa Medici auf dem Pincio-Hügel, einer der sieben Roms. nahe der piazza del Popoplo. Stadtviertel Campo Marzio. Erst durch die Reichsgründung Bismarcks wurde die ewige Stadt zur Hauptstadt Italiens mit einer Fläche, die mit 1285 km² zwölfmal größer als die von Paris.
Die Medici von heute
Kunstmäzene gibt es noch heute, doch sie fördern andere Talente als die Michelangelos oder Caravaggios zu Tage. Von vornherein war der Deal gewiss: Kohle gibt es für Propaganda, Schönheit nur für Herrschaft. Bis heute stellt sich Kunst in den Dienst der Mächtigen.
In der Parabel stehen sich nicht nur Affen in einem Kasten- und Klassensystem gegenüber, sondern auch Räume wie innen und außen, Baum und Beton, Graben und Palast. So begrenzt der Raum und so klar die Hierarchien gesteckt sind, ist das Ende vorhersehbar und geschlossen. Auch die Poesie bietet einen Rückzugsraum mehr, sondern ist exponierte Geschichte der Herrscher (die laut Benjamin vom Sieger geschrieben wird). Geschildert wird ein alltägliches Gewaltakt, der im Mord eines Grabenaffen endet, der leicht als Sühne oder Bauernoper erkennbar bleibt, d. h. als ein pogromartiges Gewaltritual gegen Unterschichten zur Abschreckung und Wahrung des status Quo.
Sofern Affen heute schon Künstler Geltung erlangt haben und künstliche Intelligenz mit computergesteuerten Kunstwerken den Markt bestimmt, tragen die Medicis heute andere Namen und haben andere Funktionen. Möglicherweise besteht der tiefere Sinn der „Affensinsel“ in einer bestätigten Erwartungshaltung. Viele Menschen zucken heute mit den Schultern. Da kann man nichts machen. Hab ich doch gleich gewusst, gesagt ….
Ob sich die Menschen wirklich grundlegend vom Affen unterscheiden und gegen ihr Los aufbegehren, nur weil sie malen, komponieren und dichten ? Selbst das gerät zunehmend in Verfall (Kulturverflachung, Bildungslücken, Förderabbau etc.). Und schlimmer noch: sie dient sich nur dem System an. Indifferenz als Überlebensstrategie: „Dann nagelt der lange gleichgültige Blick den zufälligen einen an.“
Fazit: Wenn wir uns fragen, wie Hierarchie zur der Zeit, in der „Die Affeninsel“ entstand und dies ist die zahlreicher europäischer Diktaturen (Salazar, Franco, Mussolini, Hitler, Stalin) der Fall, mit unserer Demokratie vereinbar ist, so gilt es zwei Kriterien zu betrachten: Angst und Dummheit, die zur Gleichgültigkeit führen. Beides liegt in der Hand des Einzelnen, es zu ändern. Jeder Fall des Großen und Ganzen beginnt mit der Änderung im Kleinen und Besonderen.

Foto Bernd Oei: Rom, Villa Borghese, Stadtteil Flamino, ehemals das Landguder aus Siena stammenden Patrizier Borghese die im 16. Jahrhundert der mächtigste Dynastie der ewigen Stadt am Tibet. das mehrere Päpste stellte. https://de.wikipedia.org/wiki/Borghese







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