
Foto Belinda Helmert: Berlin, Friedrichstraße, Züge in das Leben, Züge in den Tod zum Gedenken der Kindertransporte nach England. Die Skulptur stammt vom isrealischen Bildhauer Frank Meisler (1925-2018) aus Danzig. www.stiftung-denkmal.de/aktuelles/frank-meisler-flucht-durch-kindertransport/ Die Skulptur erinnert an seine Ausreise nach London von Berlin Friedrichsstraße ausgehend August 1939.
Die Entmachtung des Subjekts
Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte lebte ab 1807 bis zu seinem Tod im Jahr 1814 in der Friedrichstraße 139 in Berlin. In diesem Haus verstarb er am 29. Januar 1814 an Typhus, 810 übernahm F. den Lehrstuhl für Philosophie an der neugegründeten Universität (heute Humboldt-Universität). 1811 erster frei gewählter Rektor, überwarf er sich mit allen Gruppierungen an der Universität und bat schon im Februar 1812 um seine Entlassung. F. wohnte von 1800 bis 1806 Neue Promenade 9–10, später in der Friedrichstraße 139, Beigesetzt ist er auf dem Friedhof der Dorotheen und Friedrichswerder. https://sammlung-online.stadtmuseum.de/Details/Index/258189

Zu seinen Lebzeiten war dies die Adresse die legendäre Pépinière, eine berühmte preußische Militärärztliche Akademie, die als Ausbildungsstätte für Chirurgen und Stabsärzte diente. Fichte wurde 51 Jahre alt.In diesem Haus arbeitete der gebürtige Sachse seine Wissenschaftslehre um und verfasst eine Staaten- und Handelslehre. In den „Reden an die deutsche Nation“ (1808) angesichts der Besetzung deutscher durch Napoléon sagte Fichte: „Nicht die Gewalt der Arme, noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemütes ist es, welche Siege erkämpft“. Dies klingt immer noch nach Willenskraft des Ich.
Im Gegensatz zu seinem radikalen subjektiven Idealismus, der Fichte in Jena und weit darüber hinaus für die Romantik so interessant machte, begriff Fichte nun begreift Fichte das Ich nun als bloßes „Bild“ und notwendiges Schein-Medium der absoluten göttlichen Venunft. Das Absolute selbst gleicht dem reinen Sein, das nur noch als Bild für den endlichen Geist erfahrbar wird. Ursprünglich hatte Fichte alles aus dem transzendentalen Ich abgeleitet.
In seinen frühen Jenenser Jahren stand die schöpferische Tatkraft des menschlichen Ich im Zentrum. In seiner Spätphilosophie wird das menschliche Subjekt transzendental entmachtet.Das Absolute ist das ursprüngliche Licht; das endliche Ich und die Welt sind der gebrochene Strahl. Durch dieses Bild kommt das Absolute überhaupt erst zum Bewusstsein seiner selbst.
Im frühen System schien die gesamte Welt (das „Nicht-Ich“) lediglich ein Produkt des menschlichen Bewusstseins (des „absoluten Ich“) zu sein. Weggefährten wie Friedrich Heinrich Jacobi warfen ihm vor, die objektive Realität der Lebenswelt zu leugnen. Fichte sah dies nach seiner Entlassung aus Jena durch die gegen ihn erhobenen Atheismusvorwürfe ein und ersetzte während seiner Berliner Zeit ab 1800) das allmächtige menschliche Subjekt durch ein übergeordnetes, göttliches „Sein“. Ob er dies aus voller Überzeugung oder aus Konformismus tat, bleibt dabei strittig.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosophie-der-verfechter-des-selbst-102.html

Foto Belinda Helmert: Skulptur Züge in das Leben, Frank Meiler, Detail, 2008 Die Friedrichstraße erstreckt sich über rund 3,5 Kilometer vom Oranienburger Tor bis hin zum Mehringplatz und verbindet damit Ost- und Westberlin. Zwei Drittel liegen allerdings im früheren Ostberlin. Zu den prominenten Bewohnern zählt auch Fichte (N.r. 139) – für den Rektor etwas über 1 km zu seiner Universität. https://berlingeschichte.de/lexikon/mitte/f/friedrichstrasse.htm
„nur wenige steigen empor und schreiten durch das Reich der Träume“
Ein nicht weniger prominenter Schriftsteller zählte zu Fichtes Bekannten aus dem Salonkreis der Sarah Levy bewohnte für zwei Jahre während der Napoleonischen Zeit das Haus 179 (Ecke Taubenstraße) Eine kleine Mietwohnung im 2. Stock bildete seinen zweiten Aufenthalt; vordem in seiner Studiumszeit als Jurist1798-1800, dem ein dritter und längerer 1814-22 bis zu einem Tode folgen sollte. Hoffmann wurde gar nur 46 Jahre alt; er erlag einer Rückenmarkterkrankung mit Atemlähmung.
Diese Periode bleibt überschattet von eigener Existenznot (der Direktor des Berliner Nationaltheaters Iffland lehnt ihn ab) und die allgemeine Krisenzeit in Berlin nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon. In den Jahren 1808 und 1809 schrieb E. T. A. Hoffmann in Berlin vor allem seine erste bedeutende Erzählung „Ritter Gluck“. Nach der Besetzung Warschaus in bitterer Armut in der preußischen Hauptstadt, bevor er im September 1808 als Kapellmeister nach Bamberg zog. Berlin zählte damals rund 150 000 Einwohner.
In der Erzählung, die in der Eingangssequenz Fichtes Handelsstaat erwähnt, trifft der Ich-Erzähler, selbst ein großer Musikliebhaber einem exzentrischen Mann im Tiergarten ins Gespräch. Beide bewundern Mozart und dessen Zeitgenossen Christoph Willibald Gluck. Der geheimnisvolle Fremde kritisiert das Berliner Publikum scharf dafür, dass es wahre Kunst nicht verstehe. Beim Besuch im Hause des Musikkenners spielt dieser ihm meisterhaft aus Glucks berühmter „Armida“ vor – wie sich herausstellt aus dem Gedächtnis, da die Notenblätter leer sind. Schlusssatz: „Ich erstarrte; feierlich kam er auf mich zu, faßte mich sanft bei der Hand und sagte, sonderbar lächelnd: »Ich bin der Ritter Gluck!«Der Volltext ist zu lesen unter https://projekt-gutenberg.org/authors/eta-hoffmann/books/ritter-gluck/ und zu hören auf https://www.youtube.com/watch?v=wlw9WLFfSPs. Eine kurze Hommage https://digilib.phil.muni.cz/sites/default/files/pdf/BBGN_36_2022_2_17.pdf
Im Kern verhandelt das Werk den Konflikt zwischen der banalen Realität und der transzendenten Welt der Kunst. Grundsätzlich handeln Hoffmanns Erzählungen immer von der Verknüpfung der alltäglichen mit der phantastischen Welt und der Doppelexistenz Künstler und Staatsbürger. https://www.bz-berlin.de/unterhaltung/eta-hoffmann-250-jahre-berlin und https://literaturkritik.de/hoffmann,28955.html
Die Verbindung zwischen dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte und dem Dichter E. T. A. Hoffmann liegt vor allem in der romantischen Transformation dessen Subjektphilosophie. Hoffmann nutzte die radikale Idee, dass die Welt erst durch das menschliche „Ich“ erschaffen wird, als philosophisches Fundament für seine psychologischen Schreckensszenarien. Schopenhauer vorausnehmend betrachtet Hoffmann die Musik als das Ideal aller Künste. Ihr zufolge ist die Musik die wahrhaft romantische Kunstform.
Fichtes philosophische Unterscheidung zwischen dem „Ich“ und dem „Nicht-Ich“ (der Außenwelt) spiegelt sich bei Hoffmann direkt im Doppelgänger-Motiv wider. Gestalten wie Nathanael im „Sandmann“ spalten sich in ihrem Versuch ab, sich selbst zu erkennen oder zu spiegeln. Fichte lieferte also das theoretische Rüstzeug für die romantische Skepsis, und Hoffmann inszenierte die daraus resultierende Identitätskrise literarisch.

Foto Belinda Helmert: Skulpturengruppe von Frank MeilerFriedrichsttraße, Detail. https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Meisler
Sie saßen und tranken am Teetisch
Heinrich Heine lebte während seines ersten Berlin-Aufenthalts als Student der Rechte 1821-23 vornehmlich in der Friedrichstraße 47 und verkehrte seinerzeit im Salon Rahel Varnhagen – theoretisch hätte er Hoffmann noch treffen können.. April-Mai 24 und Feburar-August 29 bezog er im Nachbarhaus Nr. 46 Quartier. Insgesamt drei Aufenthalte sind somit verbrieft. Neben „Briefe aus Berlin“, die als Pionierwerk des Reisejournalismus und Feuilleton gelten (mit der kürzesten Brücke der Welt, der Ironie), https://www.stadtmuseum.de/video/mit-heine-durchs-alte-berlin , sondern einige Gedichte wie der Zyklus „Lyrisches Intermezzo“. Zu ihnen zählt „Sie saßen am Teetisch“:https://www.deutschelyrik.de/sie-sassen-und-tranken-am-teetisch.html. Die fünf Quartette im Kruezreim verraten eine neue Form der (romantische) Ironie in der Lyrik, insbesondere der Brechung von Rezeptionserwartung und namentlich den Liebesidealen. https://literaturkritik.de/id/9128
Mai 1831 verlies Heinrich Heine Deutschland und blieb dauerhaft in Paris. Als Korrespondent setzte sich in seiner Abhandlung „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland Buch „III (1833) intensiv mit Johann Gottlieb Fichte auseinander. Er bewundert darin dessen Charakter und Willenskraft, prägt aber auch den berühmten Ausspruch, Fichte sei der „Napoleon der Philosophie“, wohingegen er Kant ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Der Volltext ist eingestellt unter https://projekt-gutenberg.org/authors/heinrich-heine/books/zur-geschichte-der-religion-philosophie-in-deutschland/chapter/5/ Manches daraus liest sich befremdlich, etwa die folgende Einschätzung zu Beginn: „Kant hatte nämlich nur eine Kritik, also etwas Negatives, Fichte aber hatte späterhin ein System, folglich etwas Positives aufzustellen. Wegen jenes Mangels an einem festen System, hat man der Kanteschen Philosophie manchmal den Titel »Philosophie« absprechen wollen.“
Heine, der stets für Sinnlichkeit und Lebensfreude eintrat, konnte dem oft trockenen, konstruierten Idealismus wenig abgewinnen. Er sah in Fichtes extremem Ich-Kult eine Art geistigen Egoismus und spottete literarisch. Im Gegensatz dazu schätzte er Hoffmann sehr, da es für ihn „das Gepräge des Außerordentlichen“ trug. Er bewunderte Hoffmanns unheimliche, fantastische Prosa und dessen feine Ironie. Dennoch grenzte Heine sich als Realist und politischer Denker von der rein romantischen Weltflucht ab.
In „Briefe aus Berlin“ (1822) lobt Heine die nervöse, phantastische Genialität in Hoffmanns Erzählungen, auch wenn er die Schauerromantik manchmal mit leichter Skepsis betrachtet. In „Die romantische Schule“ Buch II und III (1835) bescheinigt er Hoffmann, deinen meisterhaften Stil, kritisiert jedoch, diese Dichtung sei zu sehr von der düsteren, gespaltenen Psyche ihres Schöpfers geprägt. Heine erkennt in ihm einen Meister des Kontrasts, der das Zerrissene der damaligen Zeit glänzend einfängt. „Hoffmann hingegen sah überall nur Gespenster… er konnte die Todten aus den Gräbern hervorrufen, aber das Leben selbst stieß ihn von sich als einen trüben Spuk… und seine Werke sind nichts anders als ein entsetzlicher Angstschrei in zwanzig Bänden.“ Dabei nimmt er ihn ausdrücklich von den Romantikern aus: „Hoffmann gehört nicht zu der romantischen Schule. Er stand in keiner Berührung mit den Schlegeln und noch viel weniger mit ihren Tendenzen.“ https://projekt-gutenberg.org/authors/heinrich-heine/books/die-romantische-schule/chapter/4/
Heine wurde 58 Jahre, doch die letzten 8 davon konnte er sich nicht mehr aus seiner Pariser „Matratzengruft“ erheben. Die Todesursache schwankt zwischen Syphilis und Bleivergiftung.

Foto Belinda Helmert: Berlin, Kreuzberg, Friedrichstraße, Skulptur Züge in das Leben, Detail. Lage: Dorothea-Schlegel-Platz nahe dem Bundespresseamt.
„Küsse, Bisse,Das reimt sich“
Friedrichstraße ist die Straße der Poesie und der Philosophie. Auch Heinrich von Kleist bewohnte sie, konkret das Haus 123 in der Zeit vor seinem Freitod Oktober1810 bis November 1811. Seinerzeit war sie noch eine eine breite, bürgerliche Prachtstraße, von zweistöckigen Wohnhäusern, Stadtvillen und Gärten geprägt. Von seiner Zwei-Zimmer-Wohnung zum ältesten Markt er Stadt, dem Molkenmarkt, sind es 2 km.

Johann G. Rosenberg, Berliner Molkenmarkt 1785. Hier wohnte Kleist bei seinem ersten Aufenthalt 1800 während seines Studiums der Philosophie, das er in Folge seiner Kantkrise nach drei Monaten wieder abbrach.
Seinen zweiten Aufenthalt verbrachte Kleist 1804 in der Spandauer Straße 53 nahe dem alten (roten) Rathaus. Der Dichter war gerade in den Staatsdienst als Regierungsreferendar eingetreten. Er entwarf in diesem Jahr das plus-minus Drama „„Amphitryon“ (Vergewaltigung als Komödie) und „Penthesilea“ (Vergewaltigung als Tragödie) .
Nachdem philosophische und literarische Pläne scheiterten, versuchte sich Kleist in seiner dritten Berliner-Phase als Redakteur und Verleger.Er gründete als „Krisenspezialist“ die Tageszeitung Berliner Abendblätter. Hauptgründe für die Einstellung waren massive Zensur, politische Konflikte und der Verlust der Leserbindung.https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/deutsch-und-literatur/kleist-Phoebus-Berliner-Abendblaetter100.html
Der Konkurs erfolgte am 30, März 1811, am 21. November nahm sich Kleist das Leben Er wurde 34 Jahre.https://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article13357825/Ein-Doppelselbstmord-am-Wannsee.html
Herr von Kleist hatte so seine Probleme mit sich, der Welt im Allgemeinen und den Berlinern im Besonderen. So schrieb er seiner Verlobten Wilhelmine von Zenge „Je öfter ich Berlin sehe, je gewisser wird es mir, dass diese Stadt, so wie alle Residenzen und Hauptstädte, kein eigentlicher Aufenthalt für die Liebe ist. Die Menschen sind hier zu zierlich, um wahr, zu gewitzigt, um offen zu sein.“ (16. August 1800)
In seinem literarischen Werk spielt die Handlung meist nicht direkt in Berlin. Er war jedoch 1811 Zeuge von Aufführungen seiner Stücke im Berliner Nationaltheater am Gendarmenmarkt. Er wohnte hier im Frühling 1811 der Aufführung einiger Szenen von Penthesilea bei, für das man kein Verständnis aufbrachte (ebensowenig wie Goethe bei seiner Inszenierung von „Der zerbrochene Krug“ in Weimar). In S´der Schlussszene klagt die Amazone, die gerade ihren Geliebten getötet hat: „So war es ein Versehen. Küsse, Bisse, Das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, Kann schon das eine für das andre greifen.“„http://www.zeno.org/Literatur/M/Kleist,+Heinrich+von/Dramen/Penthesilea/24.+Auftritt
Hinterfragt Heine schon bei Hoffmann, ob er der (ohnehin vielfältigen) Romantik zuzurechnen ist, so tut er dies bei Kleist noch mehr. Er bewundert ihn als Wegbereiter der Moderne zu einer Zeit, in der sich sein Ruhm nicht abzeichnet, insbesondere das Seelendrama mit seiner psychologischen Tiere und das Aufsprengen bürgerlicher Konverntionen. Konsequenterweise erwähnt er weder Hölderlin noch Kleist in seinem dreibändigen „Die Romantische Schule“, da er die beiden Autoren nicht dieser Strömung zurechnet. Er erwähnt ihn dort indirekt in Verbindung die Zerrissenheit in „Die Bäder von Lucca“ 1830 (Teil 3, Kapitel 4)“: „Wer von seinem Herzen rühmt, es sei ganz geblieben, der gesteht nur, daβ er ein prosaisches weitabgelegenes Winkelherz hat.“
Über die zahlreichen Aufenthaltsorte des Vielreisenden und Stadtnomaden gibt https://blog.sbb.berlin/heinrich-von-kleist/ Aufschluss.

Foto Belinda Helmert: Berlin, Friedrichstrtaße nahe dem Tränenpalast: Die ehemalige DDR-Grenzhalle direkt am Bahnhof Friedrichstraße. Heute ist der Ort ein berührendes Museum zur Deutschen Teilung.
Dem Teufel den Schatten, nicht die Seele verkauft
Adalbert Chamisso, ein enger Freund und einer der Serapionsbrüder in Hoffmanns Erzählungen, verbrachte 1822-1838 eine lange Zeit seines Lebens in der Friedrichstraße 235, das zum Stadtteil Kreuzberg zählt.Mit 153 000 Bewohnern ist es so groß wie ganz Berlin seinerzeit.

Als Botaniker war es Chamissos Aufgabe, während der Reise Pflanzen zu sammeln und zu klassifizieren.Nach Berlin zurückgekehrt, heiratete Chamisso, bekam Kinder und zog schlussendlich in die Friedrichstrasse 235, mittig zwischen den heutigen U-Bahnstationen Hallesches Tor und Kochstraße, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte.https://kolonialismus-begegnen.de/geschichten/adelbert-von-chamisso-im-oeffentlichen-raum/ Er wurde 57 Jahre.
Chamisso und Hoffmann lernten sich bereits 1810 bei dessen zweitem Aufenthalt in Berlin kennen, standen aber erst vier Jahre später in täglichem Austausch. Die legendäre Freundschaft der beiden Dichter als Gründer der Berliner Romantik ist hinterlegt auf . Adalbert von Chamisso, in der Champagne geboren, schrieb unter diesem Einfluss seine bekannteste Kunstmärchen, darunter „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Zu hören unter https://www.youtube.com/watch?v=BMgle1_bKao
Die Geschichte handelt von einem jungen Mann, der dem Teufel in Gestalt eines grauen Männchens seinen Schatten für ein Glückssäckel verkauft. Ohne den gering geschätzten Schatten gilt er als ausgestoßen und verliert seinen Platz in der menschlichen Gesellschaft. Er lehnt das Angebot des grauen Mannes (des Teufels) ab, den Schatten im Austausch gegen seine Seele zurück zu bekommen. Stattdessen entsagt er dem Zaubergeld und findet als Naturforscher inneren Frieden. Chamisso bringt den Materialismus seiner Zeit schon im ersten Kapitel auf den Punkt: „„Wer nicht Herr ist wenigstens einer Million, … der ist, man verzeihe mir das Wort, ein Schuft!“ Chamissos Muttersprache war französisch. Adelbert von Chamisso, der aus einer französischen Adelsfamilie stammte, schrieb auf Deutsch, weil seine Familie vor der Französischen Revolution nach Deutschland floh.https://www.deutschlandfunkkultur.de/vom-franzoesischen-grafen-zum-weltbuerger-100.html
In Chamissos Erzählung erfolgt das Geschäft mit dem Teufel in zwei Schritten: Zunächst wird der Protagonist Peter Schlemihl vom Teufel dazu aufgefordert, ihm seinen Schatten, ein vermeintlich unbedeutendes Attribut, zu überlassen. Im Gegenzug dafür soll er einen magischen Glückssäckel erhalten, der ihm unerschöpflichen Reichtum beschert. Der Schatten gilt dem Teufel jedoch nur als Faustpfand, den er später gegen Schlemihls Seele eintauschen möchte.
Den eigentlichen Wert des Pfands erkennt Peter Schlemihl erst dann, nachdem er diesen bereits dem Teufel überlassen hat: Weil er als Schattenloser von der Gesellschaft verachtet und ausgegrenzt wird, gerät er zunehmend in Zugzwang, seinen Schatten zurückzuerlangen. https://lektuerehilfe.de/peter-schlemihls-wundersame-geschichte/interpretation/der-teufelspakt
Heine sah in ihm einen Autor, der sein Herz „wunderbar verjüngt“ hatte und viel eher zum progressiven „Jungen Deutschland“ als zur alten Romantik gehörte.

Foto Belinda Helmert Vitrine des Berliner Bärenshops in der Friedrichstraße mit dem Wahrzeichen der Stadt: 6 cm kleinen Bären. Er geht auf den Markgraf Albrecht aus dem 12. Jahrhundert zurück, der das Wappen führte. Die Autorin Christa Wollf lebte von 1976 bis zur Wende in der Friedrichstraße 133.
Unser Vergnügen liegt in der Einblidung
Für eine gewisse Zeit war die Friedrich- also Märchenstraße, denn neben Hoffmann und Chamisso verbrachte auch Kunstmärchen-Ikone, der gebürtige Berliner Ludwig Tieck, 1842-53 (seinem Todesjahr) hier im Haus Nr. 208 unmittelbar am späteren checkpoint charly im südlichen Teil der Straße.
Hier entstand sein Spätwerk., zu dem u.a. „Die Tischlernovelle“ (1836) und „Des Lebens Überfluß“ (1839) zählen. In dem von ihm mitentwickelten Erzähltypus der Novelle führt er kritische Selbstreflexionen vor, die sich auf Brüche und Kontinuitäten mit dem eigenen Frühwerk befragen lassen. Man hat diese auch als Tendenznovellen bezeichnet, weil der Künstler darin unmissverständlich seine Sicht auf die Welt zu verstehen gibt, wobei er die gesellschaftliche, politische, moralische oder weltanschauliche Absage (Botschaft),in den Mittelpunkt rückt.
Der letzte Lebensabschnitt von Tieck, dem König der Romantimk der lange in Dresden seinen Mittelpunkt gefunden hatte, war von Krisen geprägt. Seine Frau Amalie starb 1837; seine Tochter Dorothea, die stets eine unersetzliche Hilfe für ihn war, folgte ihr vier Jahre später. Tieck überlebte 1836 einen schweren Verkehrsunfall mit der Kutsche auf dem Weg zu einem Kuraufenthalt in Baden-Baden und erlitt 1842 einen ersten schweren Schlaganfall. Dies alles begünstigte seine Hinwendung zur schwarzen Romantik.
„Des Lebens Überfluß“ ist im Todesjahr seiner Gattin geschrieben. Die Novelle handelt von einer Adeligen, die aus Liebe mit eimen Bürgerlichen durchbrennt, das Paar gerät in bittere Existenznot.Um der gesellschaftlichen Konvention zu entfliehen, ziehen sie in eine abgelegene Dachgeschosswohnung. Als sie kein Geld mehr haben, heizen sie im harten Winter ihre eigenen Treppenstufen und die Türrahmen auf, wodurch sie sich zunehmend von der Außenwelt abschneiden, aber zu wahrer Liebe und innerer Zufriedenheit finden. Mittels eines Spekulationsgewinns wendet sich am Ende alles märchenhaft.
Die zentrale Botschaft lautet dennoch: romantische Liebe überwindet alles und jeden. Der zweideutige Titel zielt auf die moralische und seelische Kraft der beiden, die durch ihre überfließende Liebe alle Widerstände überstehen. https://freies-deutsches-hochstift.de/de-einfach/mediaguide/romantik-ausstellung/3-stock/ludwig-tieck-erzaehlt-von-der-romantischen-liebe/ Im Schlusskapitel findet sich das Fazit Tiecks:
„So ist die Armut mit unsrer Liebe eins geworden, und dieses Stübchen, unser Gespräch, unser Anblicken und Schauen in des Geliebten Auge ist unser Leben“ https://projekt-gutenberg.org/authors/ludwig-tieck/books/des-lebens-ueberfluss-2/chapter/1/
Das obige titelgebende Zitat ist entnommen aus Tiecks Drama „Karl von Berneck“ (, 1. Akt, 4. Szene) Tieck behandelt s behandelt Themen wie Schuld, Verhängnis und die Macht des Schicksals, denen die Protagonisten unausweichlich ausgeliefert sind und liefert die Blaupause für Kleist unvollendeten „Robert Guiscard“.Doch während letzterer sich einer historischen Figur annimmt, ist Tiecks Protagonist fiktiv, der Ort im Fichtelgebirge real.
Auch hier erwies sich Heines Urteil in „Die romantische Schule“ als treffischer. Er sah Ludwig Tieck als den wichtigsten Dichter der jüngeren romantischen Schule, bescheinigte ihm echtes dichterisches Talent, kritisierte aber zugleich seinen schwachen Charakter und die mangelnde Durchschlagskraft seiner Lyrik im Vergleich zu anderen Zeitgenossen.

Stich, Ansicht vom Berliner Bahnhof Friedrichstraße, 1903

Foto Belinda Helmert: Bahnhof Berlin Friedrichstraße, nach dem Hauptbahnhof der zweitgrößte der Stadt und nahe dem legendären Checkpoint Charly gelegen. Die Eröffnung erfolgte 1882 im Wilhelminischen Kaiserreich. Der letzte Umbau erfolgte nach der Wende


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