Von Eseln und Mönchen

Binner Schlucht, Baum

Foto Belinda Helmert: Baum in der Binner Schlucht, überwiegend Buchen und Todholz in einer vorr600 000 Jahren entstanden Gletscher. https://www.mittelweser-tourismus.de/poi/binner-schlucht

Paradoxon aus „Furcht und Zittern“

Der Glaube beginnt da, wo das Denken aufhört“ schreibt Sören Kierkegaard (1813-55) in seinem Buch „Furcht und Zittern“ (1843), das er unter dem Pseudonym Johannes der Stille veröffentlichen lies. In diesem Buch analysiert der dänische Phuilosoph die biblische Geschichte Ab ahams und deutet die Opferszene auf seine spezifische Weise als Sprung von der Ethik (Du darfst nicht töten) in die Religion (den wahren Glauben, blindes Vertrauen auf Gottes Fügung und Weisung). Er zeigt darin auf, dass Abrahams Handeln jenseits der Vernunft und aller Zumutbarkeit des menschlichen Handelns liegt. Zudem handelt es sich um ein Paradox: wenn der Verstand nicht ausreicht (Kierkegaard zieht keinen Unterschied zur Vernunft wie der deutsche Transzendentalismus, den er ablehnt) , weshalb der Glaube seine Kraft aus dem Irrationalen schöpft. Das Zitat ist dem Kapitel „Problemata“ entlehnt-

Zum Paradox: Ist das Fromme nur stiller Gehorsam und damit Teil des erlaubten Verhaltens christlicher Ethik oder ist es gerade dann fromm, wenn es eine Grenze überschreitet und Unerlaubtes vollbringt? Der Beitrag „Der grausame Gott“ führt in die Irre, da Kierkegaard dieses Attribut nie gebraucht. Vielmehr spricht er für die teleloglische Suspension des Ethischen, in dem der Einzelne in einem absoluten Verhältnis zu Gott steht jenseits der weltlichen Ordnung. https://d-nb.info/1363830163/34

Eine teleologische Suspension ist laut Kierkegaards „Furcht und Zittern“ jener Zustand, in dem allgemeine moralische Gesetze außer Kraft gesetzt werden (durch Gottes Stimme). Das Ethische umfasst immer nur das Allgemeine, also auch einen objektiven Bezug zu Gott und der von ihm geforderten Moral, duie auch als Pflichtethik des Sollens geltend gemacht wird. Das höhere Ziel ist jedoch der Glaube und dieser ist nur subjektiv realisierbar. Hier tritt der Einzelne in ein konkretes Verhältnis zu (s)einem Gott. Die betreffende Textstelle ist einzusehen unter https://jochenteuffel.com/wp-content/uploads/2021/02/kierkegaard-die-opferung-isaaks-furcht-und-zittern.pdf

Caravaggio, Opferung Isaaks durch Abraham.Öl auf Leinwand (104 x 135 cm) 1603. Caravaggio malte neben Isaak einen Widder, der an seiner Stelle geopfert werden sollte.https://www.deutschlandfunk.de/caravaggios-bild-opferung-isaaks-staerker-als-ich-ist-der-100.html

Ein Esel kommt selten allein

Kierkegaard verwendet das Motiv des Esels (Jesus ritt auf einem Grautier in Jerusalem ein) in „Furcht und Zittern“. Er beschreibt die Reise Abrahams zum Morjaberg nahe Jerusalem. Er lässt das Tier kurz vor der Opferung seines Sohnes zurück. Der Esel steht für die Einsamkeit im Glauben, die durch Sprachlosigkeit und einem verzerrten „Ja“ symbolisiert wird. Abraham durchläuft innere Kämpfe, für die er keine Worte findet. Der Wortlaut:

Abraham bestieg den Esel, er ritt langsam den Weg dahin. Während der ganzen Zeit glaubte er; er glaubte, dass Gott nicht Isaak von ihm fordern wollte, während er doch willig war, ihn zu opfern, wenn es verlangt würde. Er glaubte kraft des Absurden; denn von menschlicher Berechnung konnte da nicht die Rede sein, und das war ja das Absurde, dass Gott, als er das von forderte, im nächsten Augenblick die Forderung widerrufen sollte. Er bestieg den Berg, und noch in dem Augenblick, als das Messer blitzte, glaubte er – dass Gott Isaak nicht fordern werde.“

Das berühmte Buridian-Gleichnis des Esel geht auf den persischen Philosophen Al Ghazali aus dem 11. Jahrhundert zurück, der wiederum auf Aristoteles zurückgreift. Er benennt das Paradox, dass bei gleichstarker Motivation (oder Furcht) bei zwei Möglichkeiten des Handelns dieses zumeist unterbleibt. Entscheidend ist hier die Entscheidungslosigkeit des Esels (symbolisch des Gläubigen), der bei ungewissem Ausgang verzagt

Spinoza greift diese Bild in „Ethica ordine geometrico demonstrata“auf, um den menschlichen Willen in Grenzsituationen abzubilden. Gewöhnlich bedarf er eines Maßstabes für die Zustimmung oder Billigung seines Handelns, die den Verstand saturiert. Bei Spinoza kommt unter exakt gleichen Bedingungen kein spontanes Handeln, das auf Verstand rekurriert, heraus. Leibniz widerspricht dieser Schlussfolgerung im Satz von der Identität ununterscheidbarer Dinge (principium identitatis indiscernibilium). Spinoza leugnet die Willensfreitheit und vertritt einen demiurgischen Determinismus (Naturgott als Gesetz), Leibniz begründet gerade hier die Willensfreiheit mit der unvorhersehbaren Entscheidung. Begründung: Zwei reale Objekte oder Alternativen müssen sich in mindestens einer Qualität unterscheiden, sonst wären sie absolut identisch und würden gar keine Alternativen darstellen.

Am Ende glaubt – zumindest bei Kierkegaard und ebenso bei Camus, der einen Essay zu diesem „Sprung“ in „Der Mythos von Sissyphios“ verfasste – Abraham kraft des Absurden. Der Däne spricht dezidiert von dieser „Kraft des Absurden“ im Zusammenhang mit Glaube, welcher keine reine Logik kennt. Das Paradox besteht zwischen weltlicher Immanenz (Vernunft, Logik) und Transzendenz, die in der menschlichen Existenz begründet liegt. Nur der Mensch ist ein religiöses, zur Transzendenz befähigtes Tier. Der Möglichkeitssinn charakterisiert seine Existenz und ermöglicht den „Sprung des Glaubens“

Randnotiz: Camus arbeitet mit dem Absurden als aus der Welt untilgbares Prinzip, löst ihn jedoch vom Glauben und der Religion komplett ab.

Foto Belinda Helmert: Entwurzelter Baum in der Binner Schlucht, Bernd und Is (Ibrahim) zum Größenvergleich.https://www.alltrails.com/de/route/germany/lower-saxony/binner-schlucht

Furcht vor und Verlangen nach dem Nichts

In „Die Lilie auf dem Feld und der Vogel unter dem Himmel“ (drei Reden, 1849) verwendet Kierkegaard die Wurzel als Gleichnis für den unsichtbaren Halt des Glaubens, der in der Tiefe wurzelt und dort das sichtbare Leben trägt.

Eine zweite Stelle ist „Entweder-Oder“ (1843), Kapitel „Müßiggang und Arbeit“ zu entnehmen: „An sich ist Müßiggang durchaus nicht eine Wurzel allen Übels, sondern ist, im Gegenteil, ein geradezu göttliches Leben, solange man sich nicht langweilt.“ https://www.textlog.de/kierkegaard-musse-arbeit.html Stattdessen bezeichnet er die Langeweile als Wurzel allen Übels. (Kapitel „Die Wechselwirtschaft“)

Mit diesem Gedanken ist Kierkegaards Abneigung gegen den Aktionismus und Utilitarismus ausgesprochen. Auch in seiner Wurzel-Metapher betont er die Akzeptanz, Demut und Gottvertrauen als Tugenden sowie Voraussetzung für den Sprung in die Religion. Dabei macht dieser Melancholie als Voraussetzung geltend, quasi den Nährboden allen Glaubens. Als Pseudonym verwendete der Autor hier den Namen „der siegreiche Einsiedler“.

Melancholie (Schwermut), so ist dem Ersten Teil „Diapsalmata“ (Zwischenpsalme – Aphorismen) zu entnehmen, aus dem ersten (einem A genannten Ästhetiker zugeschriebenen) Teil von „Entweder Oder„, ist elementar menschlich und basiert auf Zweifel, welches andere Tiere nicht kennen.. Kierkegaard beginnt mit der Verbindung von Schönheit und Schmerz, Wonne und Leid. „Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, der heiße Schmerzen in seinem Herzen trägt ….“

Kierkegaard erklärt melancolia zu einem dialektischen Phänomen, in dem sich auf eigentümliche Art und Weise die Fülle und die Leere, das Nichts berühren.Bei der Schwermut handelt es sich um etwas schwer Verdauliches, sie fordert radikal heraus und überfordert allzu leicht den Verstand. Dialektisch ist sie deshalb, weil sie entweder in Kreativität oder in Langeweile/Resignation umschlagen kann: „Summa summarum: ich mag schlechterdings nichts.“ Sie ist somit sowohl Furcht vor als auch Verlangen nach dem Nichts und kann demzufolge in die Religion führen.

Foto Belinda Helmert: Is und Bernd bei einer Eselei, LandguN Nietfeld, Liebenau. Rätsel geben die geschwollenen Hälse auf. Nebenan grasen Wasserfüffel.

Verzweiflung und Zweifel sind nicht dasselbe

Das Nichts gebiert Angst (auch vor dem Guten), so der dänische Vater des Existenzialismus In „Der Begriff Angst“ (1844) bewertet Kierkegaard Furcht als hemmend negativ und Angst als handlungsmotivierend positiv. Angst ist folglich auch ein Weg zu Gott, zum „Schwindel der Freiheit“ – aus Furcht vor Verantwortung, welche diese mit sich bringt, sucht der Mensch meist Sicherheit fremder Autorität(en). Angst befreit hingegen, denn sie gleicht dem Gang entlang bodenloser Tiefe, die nur noch den Sprung, das Fliegen, erlaubt Angst wird daher als „Ursprung der Freiheit“ bezeichnet. Man muss sich ängstigen, damit man nicht gänzlich verloren ist. Die Überwindung der Angst ist gleichbedeutend mit dem Sprung ins Ungewisse, mit dem Sprung ins Religiöse. https://wwwgetabstract.com/de/zusammenfassung/der-begriff-angst/5741

Ebenso stellt Kiergekaard Zweifel und Verzweiflung gegenüber. Verzweiflung wird letztmals und ausführlichst in „Die Krankheit zum Tode“ (1849)mit Selbstsein und negativem Selbstbewusstsein in Verbindung/Relation gesetzt. Verzweiflung ist identisch mit Nicht-Selbstsein bzw. Selbstentfremdung. Diese entsteht paradoxerweise dadurch, „daß der Mensch verzweifelt nicht er selbst, daß er verzweifelt er selbst sein will«, denn “ Das Selbst, das er verzweifelt sein will, ist ein Selbst, das er nicht ist.“ Nur über den Anderen, die Fremdwahrnehmung und Spiegelung, kann er sich dieses Selbst vergewissern. In Summe rechnet Kierkegaard (bereits in „Entweder Oder“) die Verzweiflung zur Ästhetik, den Zweifel hingegen zur Ethik. „In der endlichen Verzweiflung schließe ich mich ein mit dem Endlichen, in der absoluten Verzweiflung schließe ich mich auf für das Unendliche.“ (Entweder Oder, Kapitel „Das Gleichgewicht des Ästhetischen und Ethischen in der Entwickelung der Persönlichkeit“ – man kann auch ohne es zu merken, verzweifelt sein, weil dies zum ästhetischen Stadium gehlört.

Verzweiflung hat demnach etwas klaustrophobisches, denn Kierkegaard benutzt das Tür-Symbol des Öffnens und Verschließens für diesen existenziellen Zustand. In der endlichen Verzweiflung schließe ich mich ein mit dem Endlichen, in der absoluten Verzweiflung schließe ich mich auf für das Unendliche. Insofern kann auch der Ästhetiker ohne das Stdium der Ethik durchlaufen zu müssen, den Sprung ins Religiöse, ins Offene und Freie, wagen.

Zweifel hingegen ist eine Verstandesleistung, zu der Intelligenz gehört. „Zum Zweifeln gehört Talent, nicht aber zum Verzweifeln“ („Entweder Oder“, ebenda) Volltext zum Nachlesen der einzelnen Argumente http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kierkegaard,+S%C3%B8ren/Entweder-Oder/Zweiter+Teil/Das+Gleichgewicht+des+%C3%84sthetischen+und+Ethischen+in+der+Entwickelung+der+Pers%C3%B6nlichkeit

Der Zweifel kann nur rational, die Verzweiflung nur irrational überwunden werden.

Foto Belinda Helmert: Bücken (24 km von Liebenau entfernt) , Plastik Esel mit Mönch (1982( von Frijo Müller-Belecke,ein sächsischer Bildhauer https://de.wikipedia.org/wiki/Frijo_M%C3%BCller-Belecke Ein Esel erinnert noch heute an die Stelle, wo die Kirche gebaut werden sollte.

Was ist doch ein Mensch ohne Liebe?

Auch diesen Satz bzw. diese Frage findet sich in besagtem Kapitel „Das Gleichgewicht des Ästhetischen und Ethischen in der Entwickelung der Persönlichkeit“. Die Balance zwischen den Extremen, aus Prinzip auf ethische Prinzipien zu verzichten und nur immanent zu leben und jener, aus reiner Pflicht unabhängig subjektivern Fühlens oder spezifischen Situation des Augenblicks, also ohne Wahl zu existieren (im festen Vertrauen auf die Norm) ist unmöglich zu finden ohne ein Drittes, die Religion, spezifischer, den Glauben.

Das Leben kann, so der Däne nur rückwärts verstanden werden. Leben muss man es aber vorwärts. Folglich ist die ästhetische Seite proaktiv, die ethische reflexiv zu nennen, was zu sympathisch und antisympathisch führt. Nun kennt Kierkegaard eine sympathische Antipathie der Angst (Anziehungskraft, Schwindel der Freiheit), die eintritt, wenn der Mensch in seine eigenen unendlichen Möglichkeiten blickt und eine antipathetische Sympathie. Diese tritt auch in der Liebe ein: Ich habe zugleich Angst mich zu verlieren und sehne mich doch danach. Die Antipasthie (Abstoßung) erzeugt Schrecken vor dem Fall, welchen der Schwindel der Freiheit auslöst.

Angst entspringt der Wajhlfreiheit und damit auch der Verantwortung für die Liebe, die iin Kierkegaards Zeiten ohnehin meist auf fremdbestimmter Vernunftehe basierte.

Nur im Verhältnis mit Gott vermag der Einzelne absolut zu lieben, zumal sie nicht eigenem Verdienst oder Arbeit entspringt, sondern ihren tiefsten Grund (ihre Wurzeln) immer im Göttlichen besitzt. Gott ist ein Werk der Liebe, ein Synonym dafür. Wie ein stiller See seinen Grund in einem verborgenen Quell hat oder der Baum seine Wurzeln im Erdreich, so hat die Liebe den Menschen immer ihren Urgrund in der Liebe Gottes – ohne ihn kann es keine über den Zweifel erhabene Liebe zum Menschen geben. Die irdische Liebe bleibt instabil, veränderlich, vergleichend und auf eigene Vorlieben beruhend.

Foto Belinda Helmert: Emus und Eselsohr auf dem Land Liebenau. De australische Laufvogel Emu legt nur grüne Eier.

Glaube gleicht dem sich freischwimmen

Kierkegaard nutzt die Schiffsmetapher in seinem Spätwerk „Der Augenblick“: (1855), welche die Bedeutung des Jetzt und Hier akzentuiert. „Denk dir ein sehr großes Schiff“ als Gleichnis für die falsche Sicherheit der Gesellschaft und den Verfall der Kirche und setze dem den Schwimmer, der sich auf sich selbst verlässt entgegen. Die Hoffnung auf Hilfe kann fatale Folgen zeitigen, Ein luxuriöses Schiff verbreitet trügerischen Triumph und Glanz, der Eitelkeiten fördert (prometheische Gedanken) – Sorglosigkeit ist dann die Folge. Für Kierkegaard eine Metapher für scheinheiliges Christentum, das allein durch den Gang in die Kirche und den Halt in der Gemeinde vermeint, Gott nahe zu sein und auf der richtigen Seite zu stehen.

Furchtbar war es, wie diese tausend Passagiere sorglos lärmten, furchtbar, dass der Kapitän der einzige war, der wusste, was bevorstand‚“ (Quelle: Der Augenblick, S. 55) Volltext des Gleichnisses https://jochenteuffel.com/2022/02/20/soren-kierkegaard-denk-dir-ein-sehr-groses-schiff-ein-gleichnis-1855-furchtbar-war-es-wie-diese-1000-passagiere-sorglos-larmten-furchtbar-dass-der-kapitan-der-einzige-war-der-wusste-was-be/

Im Zustand des Glaubens hingegen befindet sich der Mensch schwimmend auf dem Ozean – er vertraut sich hier ganz Gottes Willen an.Das Wasser symbolisiert hier die Ungewissheit des Daseins und der eigenen Existenz. Das Schwanken – Schwimmende verlassen den festen Boden unter ihren Füßen – erinnert an den „Schwindel der Freiheit“, denn nur in der Unsicherheit kann wahrer Glaube erfahren werden

Foto Belinda Helmert: Bremen, Findorf,f Torfkahnhafen. Der Stadtei mit ca. 26 000 Einwohnern angrenzend an den Bremer Bürgerpark im Nordwesten der Stadt ist benannt Jürgen Christian, dem Gründer der Morrkolonien rund um Bremen. https://www.deutsche-biographie.de/gnd118687263.html#ndbcontent

Auch die Hafen-Metapher darf bei einem Mann, der nahe am Meer wohnte und diese Naturgewalt mit ihre Ambivalenz sicher zum sinnbilichen Ausdruck seiner Existenz-Philosophie vor Augen hatte, nicht fehlen. Vielleicht hat ihn Leviathan als Urbild beeinflusst, obschon dies ein jüdisches Gleichnis darstellt. In seiner Schrift , die er „unwissenschaftliche Nachschrift“ (1846) heißt, geht er abermals auf das Verhältnis von Glaube und Verstand ein. Der Glaube gleicht hier dem Rudern auf hoher See in ständiger Anstrengung und Gefahr ohne jemals den sicheren Hafen vor Augen zu haben oder ihn gar aus eigener Kraft erreichen zu können.

Der Verzicht auf den Hafen ist wiederum die Voraussetzung für das Schwimmen bzw. das, was Kierkegaard den Sprung ins Religiöse, den Sprung in die Freiheit, heißt.Der V erstand hingegen wird immer nach dem Hafen Ausschau halten und ihn für den sichersten Orrt erachten, das offene Meer wird er meiden und die tiefste Gotteserfahrung daher missen müssen.

Bremen, Findorf, Torfkahnhafen – piet bedeutet Rof. Von 1817 bis 1826 erfolgte der Bau des Torfkanals in Findorff und des Torfhafens nahe der Plantage. Über den Torfkanal kam der als Heizmaterial wichtige Torf per Torfkahn aus dem Teufelsmoor in den Findorffer Torfhafen.,an dieser Stelle seit 1873.

Christentum ist keine Lehre

Hart ging Kierkegaard mit der allmächtigen Kirche ins Gericht: „Das Christliche hat keine Geschichte, es ist ein Paradox, dass Gott einmal in der Zeit Mensch geworden ist, und es ist nun ganz belanglos,…“ ES geht ihm um die Innerlichkeit, den persönlichen Gott und niemals um die Konfession. Dass dass Gott Mensch geworden ist, das vom Verstand nicht eingeholt werden kann, verweist gerade darauf, dass die Wahrheit nur durch die subjektive Vertiefung in die I., bei Festhalten der objektiven Ungewissheit, erfahren werden kann..

Das Christentum hat keine Lehre, sondern eine Existenz-Mitteilung, so formuliert es Kierkegaard in „Papierne Aufzeichnungen“, fast identisch in „Brocken“. (1844) Er spricht sich hier gegen die Verknöcherung des Glaubens durch Abstraktion und Konvention aus und fordert die persönliche Lebenswirklichkeit bzw. Innerlichkeit ein. Diese Einstellung richtet sich konkret gegen Hegels Systemdenken. https://www.deutschlandfunk.de/soeren-kierkegaard-teil-3-das-christentum-ist-keine-lehre-100.html Wörtlich: „Das Christentum ist keine Lehre, sondern das Faktum, dass Gott dagewsen ist“ Alles andere ist menschliches Hinzufügen und dogmatische Unterdrückung, denn Christus habe keine Dozenten berufen und Gott keinen Stellvertreter auf Erden entsendet.

Das Christentum sei also nicht lehrbar, sondern nur erfahrbar und nicht theoretisch über den Verstand zu erfassen, sondern einzig über das religiöse Gefühl der Demut und der Melancholie.

Foto Belinda Helmert: Bücken, Dom, evangelische Nicolai-Kirche mit romanischen Doppeltürmen nach der letzten umfassenden Restaurierung 1868 https://de.wikipedia.org/wiki/Stiftskirche_St._Materniani_et_St._Nicolai

Foto Belinda Helmert: Bücken, Brunnen mit Dom im Hintergrund – Skulptur Statio (2000) des lokalen Künstlers Pablo Hirndor, der ausschließlich auf Recyclingmaterial zurückgreift. und vorzugsweise mit Kirchen kooperiert und den Bezug zum Kreuzweg Christi herstellt.

Mehrfach verwendet Kierkegaard große Gebäude (wie Kirchenschiffe) und Paläste als Symbol für den Systemgedanken und Welterklärungsmodell, das er ablehnt. Er spricht in „Die Krankheit zum Tode“ von einem Denker, der ein riesiges Gebäude errichtet, selbst aber in einer erbärmlichen Hütte wie ein Hund lebt. Das Gleichnis richtet sich gegen Hegels Systemgewalt mit den Mittel der Ironie, das für Kierkegaard charakteristisch ist. Der Däne war ein Feind des abstrakten Idealismus und überzeugt, dass nur im konkreten Existentialismus Gotteserfahrung möglich ist. Vereinfacht: er verteidigte den Glauben gegen das System, den Dogmatismus und jegliche Verallgemeinerung, die notwendig zur Abstraktion und Verstandesleistung zwingt.

Foto Belinda Helmer: Bücken, Feuerwehrgerätehaus mit Schlauchturm, 1912, , Marktstr. 28 (Samtgemeinde Hoya) ca. 2100 Einwohner, seit 1961 stets sinkend. 21520.htmlikipedia.org/wiki/Feuerwehrgerätehaus_Bücken

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