Shaw und die irische Seele

Foto Belinda Helmert: dritter Set der Dersa Highlanders auf einer Veranstaltung des Kulturimpuls Steyerberg iin Deblinghausen am 30.5. 26 https://www.kulturimpuls-steyerberg.de/

„Du musst lernen, dem Leben ins Gesicht zu sehen“

Der in Dublin geborene (George) Bernard Shaw war, zwei Jahre nach Yeats der zweite irische Schriftsteller, der innerhalb weniger Jahre den Literaturnobelpreis (1926) erhielt – Beckett und nicht Joyce sollte ihm als dritter Ire folgen. Als Shaw 1856 geboren wurde, hatten die Briten bereits ein halbes Jahrhundert sein Land annektiert. Erst 1922, kurz vor Verleihung der beiden Preise an Yeats und ihn, hatte sich Irland (symbolisch der Osteraufstand, Easter Rising April 1916) den Status einer unabhängigen Republik erkämpft. Der englischen Invasion war eine der größten Hungerepidemien der Geschichte unmittelbar vorausgegangen, welche „Eire“ um die Hälfte der Bevölkerung dezimierte (ca. 3 Mio durch Tod oder Auswanderung) https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/die-grosse-hungersnot-in-irland-1845-die-kartoffelfaeule

In George Shaws hauptsächlich aus Dramen bestehendem Werk ist Hunger kein rein biologisches Phänomen, sondern vor allem ein politisches und moralisches Druckmittel. und das Waffengeschäft das Schmiermittel der Wirtschaft. Der überzeugte Kommunist und Kopf der sozialistischen Fabian Society, nutzte das Thema in seinen Stücken, um die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus anzuprangern und Heuchelei aufzudecken. Die gilt v.a. exemplarisch für die Komödie „Major Barbara“ (1905) In diesem Dreiakter (Uraufführung Royal Court Theatre in London 28.11. 1905) bekämpft die Heldin Barbara als Schwester der Heilarmee Hunger und Armut und entlarvt es als gewolltes Druckmittel des Kapitalismus sowie der Klassengesellschaft. Ausführlichere Inhaltsangabe unter https://hoerspiele.dra.de/detailansicht/1411917. Der englische Originaltext ist frei verfügbar unter https://www.gutenberg.org/files/3790/3790-h/3790-h.htm und als Hörspiel ist es in deutscher Sprache eingestellt auf https://www.gutenberg.org/files/3790/3790-h/3790-h.htm

Aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse und früher Halbwaisenschaft bedingt durch seinen alkoholkranken Vater lehnte Shaw nicht nur dessen Vornamen George, sondern auch den Alkohol selbst strikt ab. Zudem war er Pazifist und Kommunist. Gerade „Major Barbara“ enthält autobiografische Züge. Im Stück kollidieren idealistischer Glaube und knallharter Pragmatismus aufeinander. Das Stück ist berühmt für seine messerscharfen, oft zynischen Dialoge über Macht, Geld und Moral. Obiger Titel ist der ersten Szene entnommen. Ebenso „Irgendwo auf der Welt gibt es immer Krieg“.

Die Heilsarmee wurde 1865 in London gegründet. „Major Barbara“ ist das 14. von insgesamt 66 Stücken des irischen Dramatikers, der 94 jährig 1950 in England verstarb. Sein Gesamtwerk besteht aus 15 Bänden.

Foto Bernd Oei: Irish Folk band Haggis, benannt nach einem schottischen Nationalgericht (Innereien des Schafes, hauptsächlich Magen und Haferflocken), das in Variation auch in Irland gibt. Die seit 20 Jahren in unterschiedlicher Besetzung spielende Band trat zum dritten mal im Heimathaus Deblinghausen auf.

Kapitalisten mögen Menschen nicht, die sie durchschauen

Selbstbewusst und ohne Scham nennt sich Vater Barbaras „Fabrikant des Mordes“ Jeder Mensch hat nur eine echte Moral, aber es ist nicht immer die gleiche“ (1. Akt, im Original „There is only one true morality for every man; but every man has not the same true morality.„) – nur das Brot des einen ist das Gift des anderen. Immerhin finanziert die Rüstungsindustrie des reichen Mannes Wohlfahrtsorganisationen wie die Heilsarmee seiner Tochter nach dem Motto tue viel Böses und finanziere damit etwas Gutes. Armut erhält Reichtum und invers.

Im zweiten Akt duellieren sich der Verlobte Barbaras, gleichfalls aktiv in der Heilarmee und ihren auf Geld fixierten Vater, der seine Tochter endlich kennenlernen will. Sie verstehen sich besser, als man denken möchte und am Ende wäre der Schwiegersohn in spe bereit, Waffen zu liefern, wenngleich nur an jene, die es verdienen. Dichter, Millionär, Seelenretterin, so bezeichnet der Rüstungsfabrikant ihr Triumvirat gegen den Pöbel. Überzeugt davon, alles mit Geld kaufen zu können, geht er vor nach dem Prinzip „Ich bitte nie um etwas, was ich kaufen kann“ – durchaus nicht ohne Hintergedanken kauft er die Heilarmee, denn „glückliche Arbeiter revoltieren nicht.“

Barbara muss einsehen, dass die Reichen, etwa die Spirituosenfabrikanten, sich ins Himmelreich einkaufen und die Heilsarmee auf solche Unterstützung angewiesen ist und nicht wählerisch sein kann, somit auch nicht auf die Unterstürzung des Waffenfabrikanten. „Meine Art zu scherzen besteht darin, die Wahrheit zu sagen„, legt Shaw seinem ProtagonistenJohn Bulls andere Insel“ (John Bull’s Other Island, 1904)“ in den Mund. Im Original: „My way of joking is to tell the truth. It’s the funniest joke in the world“ John Bull steht in Irland für den von sich selbst eingenommenen Engländer (the Brits).

Dieser Satz wird dort von der Figur des britischen Kapitalisten. Thomas Broadbent im zweiten Akt in den Mund gelegt. Im Zentrum dieser politischen Komödie steht der Antagonismus von britischer Geschäftstüchtigkeit und irischer Tagträumerei und eine satirische Betrachtung des seit Jahrhunderten angespannten Verhältnisses zwischen beiden Ländern. Während die Briten nur nach vorne sehen, pflegen die Iren den melancholischen Blick der Nostalgie. Shaw, sah den Katholizismus wie alle organisierte Religionen oft als Heuchelei an und kritisierte die Kirche scharf dafür, wie sie die Gesellschaft beeinflusste. Der Dramatiker nutzt das Stück zur Demontage britischer Kolonialherrschaft, übt aber gleichermaßen Kritik an der irischen Romantisierung und Passivität.

Die Mutter von Barbara und ihrer Geschwister handelt ebenso pragmatisch. So meint sie, um die Sicherheit ihres Sohnes besorgt, sein Vater habe keine Waffenfabrik, sondern leite ein Unternehmen. So sehr sie seine Moral verabscheut, so sehr bewundert sie seinen Erfolg und seinen Reichtum. Auch Barbara findet sich mit einem Kompromiss ab, denn sie heiratet ihren Verlobten, obwohl sich dieser zum Erben ihres Vaters „kaufen“ lässt.

In „Major Barbara“ geht es auch um drei Formen der Macht, der des Geldes, jener der Moral und die Gottes. „Wenn deine alte Religion zusammenbrach, so suche dir eine neue“ rät der Vater seiner desillusionierten Tochter (3. Akt) und weiß, dass der Geist sich nicht emporschwingen kann, so lange die Mühlsteine der Armut (sie tötet das Glück der Gesellschaft) nicht beseitigt sind. Philosophisch nimmt Shaw Anleihen bei Bergson, Nietzsche, aber auch Marx und Schopenhauer. „Alles menschliche Handels ist doch nur der tägliche und stündliche Verkauf unserer Seele für Kleinigkeiten.“ Barbaras zukünftiger Mann, der glaubt, das alle Macht geistig ist, will die Macht für das Gute einsetzen. Er glaubt an die demokratische Macht und das allgemeine Wohl. und glaubt, dem Krieg den Krieg erklären zu können, wenn er die Fabrik des Vaters übernimmt und Barbara ist seiner Meinung, weil sie Gottes Werk um seiner selbst bejaht. „Der Weg des Lebens geht durch die Werkstatt des Todes.“ Im Original: „Let God’s work be done for its own sake: the work he had to create us to do because it cannot be done except by living men and women. hen the way of life lies through the factory of death.“

Foto Bernd Oei: Truckbühne der Haggis, ein Quartett plus Gastimusiker aus dem länglichen Raum Nienburg, Weser. Irish Folk mit Gesang, Gitarren, Geige, Mandoline, Whistles, Irish Bouzouki, Akkordeon, Harmonika und Bodhrán – jeder im Quintett beherrschte mindestens drei Instrumente.

Menschen geben äußeren Umstände die Schuld

Der Ruhm Shawas gründet in seinem Stück rau Warrens Gewerbe“, (Mrs. Warren’s Profession“ 1893, einem sozialkritischen Stück in vier Akten, das allerdings erst 1902 in London uraufgeführt wurde. Frau Warren erzählt ihrer Tochter, dass sie nach einer ärmlichen Kindheit aus absoluter wirtschaftlicher Notwendigkeit ihren Beruf ergriffen habe . Nachdem sie schließlich genug Geld gespart hatte, um sich an einem Unternehmen zu beteiligen, half sie beim Aufbau und Betrieb einer Bordellkette in ganz Europa, um Frauen ein besseres Leben zu ermöglichen. Dies ist durchaus nicht sarkastisch gemünzt.. Sie als Hure und die Prostitution wird von Shaw als ehrenhafter als die Kuppelei der nur auf Geld bedachten Heiraten des Bürgertums betrachtet, welches zudem von der Kirche gefördert wird. Prostitution ist folglich die Folge von existentieller Not und nicht von moralischer Verwahrlosung.

Obschon zunächst zensiert, wurde das Stück mit Verspätung um die Jahrhundertwende dann doch gespielt und dies bezeichnenderweise nur auf englischem Boden, da die katholische Kirche in Irland immer noch genügen Einfluss besaß, dieses Tabuthema zu unterbinden. Auch in Berlin erfuhr das Drama seine Aufführung – mit großem Erfolg und hernach auch in New York. Volltex in englischer Sprache unter https://americanliterature.com/author/bernard-shaw/play/mrs-warrens-profession/act-i . Eine inhaltliche Zusammenfassung liefert https://de.wikipedia.org/wiki/Frau_Warrens_Gewerbe

Die Komödie beginnt invers zu Major Barbara, da hier die verschollene Mutter zum ersten Mal in das Leben der heiratswilligen Tochter eintritt. Dass Frauen oft die Heroin mimen, kann nicht überraschen, angesichts der Tatsache, dass Shaw ausschließlich Liebe und Förderung durch seine Mutter erfuhr. Shaw schrieb das Stück 1893, um die Doppelmoral der Gesellschaft, die Ausbeutung von Frauen in der viktorianischen Zeit und die gesellschaftlichen Zwänge anzuprangern, die Prostitution überhaupt erst erzwingen. ‚Die Tochter schlägt das Geld/Erbe erst aus, als sie sieht, dass die Mutter nicht mehr von ihrem, Unternehmen loszulassen vermag, selbst als sie es nicht mehr benötigt. Die Verfilmung ist abrufbar unter https://www.dailymotion.com/video/x8zdta2

Obiger Titel ist ein Zita taus dem 2. Akt, der die eigenständige Lebensphilosophie der Tochter und Mathematikerin Vivie Warren umreißt. Im Ganzen: „Die Menschen geben immer den äußeren Umständen die Schuld für das, was sie sind. Ich glaube nicht an Umstände. Diejenigen, die in dieser Welt vorankommen, sind die Leute, die aufstehen und nach den Umständen suchen, die sie haben wollen, und wenn sie sie nicht finden können, dann erschaffen sie sich welche.“

Im Original: „People are always blaming circumstances for what they are. I don’t believe in circumstances. The people who get on in this world are the people who get up and look for the circumstances they want, and, if they can’t find them, make them.“

Foto Bernd Oei: Heimathaus Deblinghausen, Open Air Konzert in drei Gängen mit Auftritten der Haggis und der Dersa Highlanders, dem dunklen Guiness
aus Dublin (gebraut seit 1759) und dem rotbraunen Kilkenny, das nach dem Brauereiort benannt ist und auf eine Tradition von 1710 zurückblickt.

Die Schuld des Geldes

Im zweiten Akt rechtfertigt die Mutter Kitty Warren, dass allein Armut die Ursache von Prostitution ist, zumal Frauen derzeit nur einen Bruchteil des Lohnes der Männer erhielten. „Die Leute glauben doch nicht wirklich, Frauen würden aus eigener Schlechtigkeit Prostituierte. Sie tun es, weil sie für ehrliche Arbeit so wenig bezahlt werden, dass sie verhungern müssen.“ Shaw sagt iḿ Vorwort auch, dasss dies allein kein Grund sein dürfe für unmoralisches Handeln. It is no defence of an immoral life to say that the alternative offered by society collectively to poor women is a miserable life, starved, overworked, fetid, ailing, ugly

n seinem kurzen, aber dichten Essay-Fragment „Shaw: Frau Warrens Gewerbe“ (1919) in einer Nachkriegszeit, die von extremer Armut geprägt war, konzentriert sich Walter Benjamin auf die philosophische und moralische Tragik des Stücks. Im Zentrum seiner Betrachtung stehen die strukturelle Verstrickung in die kapitalistische Schuld und die Unmöglichkeit echter moralischer Reinigung. Er argumentiert, dass im Kapitalismus jedes Geld, unabhängig von seiner Herkunft, kontaminiert ist. Da alles Geld irgendwann in unmoralische Kanäle (wie Bordelle oder ausbeuterische Fabriken) fließt und wieder herausgelangt, ist jede Form von Reichtum in die ewige Schuld“ der kapitalistischen Gesellschaft verstrickt.

Die Tochter der Frau Warren, Vivie, versucht sich von der Herkunft ihres Geldes zu distanzieren, indem sie ein freudloses, bürgerliches Leben in der City führt und sich Arbeit, Verzicht und Entsagung auferlegt. Für Benjamin ist dieser Versuch einer moralischen Katharsis zum Scheitern verurteilt. Die Reinigung bleibt bloßer äußerer Schein, da die zugrundeliegende Schuld des Systems unangetastet bleibt.

Der puritanischer Idealismus der Tochter und ihr Versuch, moralisch „sauber“ zu bleiben, gehen für Benjamin mit einem hohen Preis einher. Sie unterdrückt jeden Versuch, sich psychologisch oder emotional mit den Realitäten und Grauzonen des Lebens auseinanderzusetzen. Ihre strikte Ablehnung der Mutter führt letztlich zu einer Verarmung ihrer eigenen menschlichen Innenwelt.

Benjamin nutzt das Stück, um die Heuchelei der viktorianischen Gesellschaft zu entlarven. Shaws großes Verdienst ist es für ihn, aufzuzeigen, dass die sogenannte „Anständigkeit“ nur auf der Ausbeutung und den Schattenseiten der kapitalistischen Wirtschaft aufbaut. „Die Schuld des Geldes ist eine Gestalt der ewigen Schuld, die die Personen tragen.“ Volltext: https://de.wikipedia.org/wiki/Frau_Warrens_Gewerbe

Im Schlussakt sagt die Tochter zur Mutter „„Ich bin die Tochter meiner Mutter. Ich bin wie du: Ich brauche Arbeit und muss mehr Geld verdienen, als ich ausgebe.“ Doch genau darum will sie nicht ihr Geld und das eben ihrer Mutter führen. Gemeinsam mit „Major Barbara“ ist die Einsicht: Die Angst vor dem Verhungern zwingt die Arbeiter dazu, unmenschliche Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Doch während diese mit ihrem Verlobten einen Kompromiss wählt, wendet sich die Mathematikerin Vivie ganz von Liebe (emotionale Abhängigkeit zum Mann) und Mutter (finanzielle Abhängigkeit) ab. Es handelt sich hier um vernichtende Kritik an der gesellschaftlichen Doppelmoral des Kapitalismus. Damit steht sie der Aussage des Mäzens ihrer Mutter entgegen, der sagt „So lange wir eben in dieser Welt sind, sind wir eben drin.“ (3. Akt). Bereits zu Beginn beklagt Vivie die Scheiheiligkeit der scheinbar ehrenwerten Gesellschaft. „Oh, the hypocrisy of the world makes me sick!“

Foto Belinda Helmert: Mischpult für den Auftritt der Haggis im Rahmen ihres open air Konzerts in Deblinghausen

Wer im Glaushaus sitzt …

Ein weiteres, äußert unangenehmes Stück von Shaw lautet „Die Häuser des Herrn Sartorius“ ( Widowers‘ Houses, 1892), worin Wohnungselend und Ausbeutung thematisiert werden. Der mittellose Arzt Trench lernt auf einer Reise Blanche Sartorius kennen und lieben. Als er erfährt, dass der Reichtum von Blanches Vater aus dem Besitz und der Vermietung von menschenunwürdigen Mietkasernen in den Londoner Slums stammt, ist er empört und lehnt das Geld ab. Zunächst löst er seine Verlobung, aber auch er muss – Parallele zu den genannten Stücken – erkennen, dass es nicht so einfach mit der Moral ist. Auch seine eigene materielle Existenz basiert auf Kreditwesen und Ausbeutung, da seine Spekulationsgeschäfte auf Sartorius Immobilien beruhen. Seine bürgerliche Fassade bricht in sich zusammen und aus Angst, ebenso zu verelenden, nimmt er Abstand von seiner Empörung und macht alles ungeschehen. „Wer im Glashaus sitzt, hat kein Recht, mit Steinen zu werfen. Aber, bei meiner Ehre, ich wusste nie, dass mein Haus ein Glashaus ist, bis Sie mich darauf hingewiesen haben.„(3. Akt) Im Original: People who live in glass houses have no right to throw stones. But, on my honor, I never knew that my house was a glass one until you pointed it out.  

In diesem Dreiakter verwendet Shaw sprechende Namen. So deutet Cokane auf einen Snob hin, da er eine spöttische Anspielung auf jemanden, der sich hochmütig und ächerlich verhält ist. Lickcheese bedeutet umgangssprachlich Speichellecker. Im Verlauf des Stücks wendet sich das Blatt und er wird selbst zu einem cleveren und wohlhabenden Geschäftsmann. Sarotrius, lateinisch Schneider, verkörpert den skrupellosen, kapitalistischen Aufsteiger des späten 19. Jahrhunderts, der seine Brutalität hinter einer Fassade aus bürgerlicher Korrektheit versteckt.. Er ist ein selfmademan, denn er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, hat sich aber durch Härte und Geschäftssinn in die wohlhabende Oberschicht hochgearbeitet – dies stiftet eine Analogie zu dem Waffenfabrikanten in „Major Barbara“, der gleichfalls geschmeidig sich die Moral zurechtbiegt, wie er sie braucht.

Foto Belinda Helmert: Deblinghausen, Dudelsackformation der Dersa Highlanders aus der Berglandregion Damme. https://www.om-online.de/kultur/artikel/wie-der-dudelsack-nach-damme-kam-50219793

Ich habe Blumen verkauft, nicht mich

Zur mittleren Periode zählt das erfolgreichste und meistgespielte Stück von Shaw, das in gesprochener Form „Pygmalion“ (5 Akte, 1913, Wiener Burgtheater) Uraufführung heißt und als Musical “ My Fair Lady. Benannt nach dem antiken Mythos Ovids, in dem ein Bildhauer Gott spielt und dafür bestraft wird, so dass er sich in seine Statue verliebt, glaubt Sprachwissenschaftler Professor Higgens aus einem ordinären Blumenmädchen namens Eliza eine angesehene Lady in bester Gesellschaft machen zu können. Dies gelingt, aber am Ende kommen die von Higgens gering geschätzten Gefühle doch über ihn. DOb es zu einer Heirat kommt, lässt der Autor offen, doch die Eifersucht auf einen möglichen Bräutigam (ein Schürzenjäger) ist offensichtlich. Detaillierte Zusammenfassung liefert https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/pygmalion/17217 Das Musical setzt auf ein Hyppe end, Shaw auf bittere Sozialkritik, so dass beide Werke nicht identisch sind.

Das berühmteste Zitat zeigt das Kernproblem der Prostitution an und lautet: „Ich habe Blumen verkauft. Nicht mich. Nun haben Sie eine Dame aus mir gemacht, und ich kann nichts anderes mehr verkaufen.“ (5. Akt) Damit artikuliert Eliaza, dass sie nicht mehr zu ihrem alten Leben zurückkann, aselbswst wenn sie die gleiche Tätigkeit wieder aufnähme.

In „Pygmalion“ kommentiert der Ire Shaw auch die Lage der Iren in England. Ihre Aussprache kennzeichnete sie als Kolonisierte und Bürger zweiter Klasse.In „Pygmalion“ kommentiert der Ire Shaw auch die Lage der Iren in England. Ihre Aussprache kennzeichnete sie als Kolonisierte und Bürger zweiter Klasse. Auch die Integration der Arbeiterklasse war innovativ, erst recht, dass ihre Vertreterin bald vom Adel gar nicht mehr also solche erkannt bleibt. https://www.unsere-zeit.de/fuer-die-frauen-der-arbeiterklasse-137390/

Am Ende sieht sich Eliza als Sklavin, nicht als Lady, weil sie ihre Unbedarftheit verloren hat. Dies lässt den Sinn der Erziehung hinterfragen und Higgens nicht als Wohltäter, sondern als herrschsüchtigen Manipulateur erscheinen. Daher können die beiden nicht die Brücke zueinander finden und bleiben Angehörige verschiedener Welten. Die Sprache erzieht auch zum Verhalten der Oberschicht, die ohbne Herzensbildung bleibt.

Auch in diesem Stück webt Shaw sein eigenes Schicksal ein in Gestalt des versoffenen Vaters von Eliza. Eine Zusammenfassung mit Playmobilfiguren bietet Sommers Welttheater https://sommers-weltliteratur.de/videos/pygmalion-von-george-bernard-shaw/ Der englische Text steht unter https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.69098/page/n13/mode/2up. Die deutsche Übersetzung von Harald Müller ist eingestellt unter https://res.cloudinary.com/suhrkamp/image/upload/v1742128220/40603.pdf

Foto Belinda Helmert: Drummerformation der Dersa Highlanders. Das irisch-schottische open air Konzert dauerte von 18 Uhr bis 22 Uhr.

gute Männer richten das größte Unheil an

Die späte Dramen-Phase setzt nach dem Krieg u.a. mit „Heartbreak house“ (1919) und „Die heilige Johanna“ (Saint Jean, 1923), ein. Beide Stücke erfuhren in New York, Garrick Theater, ihre Premiere.Hintergrund zu letztgenanntem Stück war die verspätete Heiligsprechung der enst von der Kirche verbrannten Märtyrterin und dementsprechend ein Präsidenzfall des Papstes, der die Inquisition damit öffentlich als Fehler eingestand. Hauptsächlich diese 6 Seznen, angelehnt an den Prozessakten von 1431 trugen ihn den Nobelpreis ein.

Neu war der Verzicht auf Antagonismus, denn Shaw verzichtete auf einen Gegenspieler zur heiligen Johanna. Er verklärte seine Heroin nicht, sondern zeichnete das Porträt einer selbstbewussten, modernen Frau. Er macht deutlich, dass ihre konsequente unbestechliche Art zur Gefahr für die Kirche wurde , dass mit ihrer Haltung der bis dahin unbekannte Nationalismus einsetzt und das Recht des Individuums gegen Kirche und Staat vertritt.

Johanna sagt: „Es sind immer die guten Männer, die das größte Unheil anrichten.“ Damit greift Shaw die selbst ernannten Gutmenschentum an, die mit ihren vermeintlich guten Absichten das Elend in der Welt verbreiten oder vergrößern. Wenn Menschen oder Regierungen absolut davon überzeugt sind, auf der Seite des „Guten“ zu stehen, rechtfertigt dieser Zweck oft jedes Mittel. Der Glaube an die moralische Überlegenheit führt dazu, dass Grausamkeiten im Namen einer vermeintlich besseren Welt begangen werden.

In seinem visionären Epilog als siebter Szene entlarvt Shaw die Intrigen und den Schein, der zur Verbrennung Johannas bei lebendigem Leib führten Auch das Volk als passiver und gehorsamer Zuschauer wagt erst auf päpstlichen Befehl seiner Bestürzung über das Unrecht Ausdruck zu verleihen. Außenseiter müssen erst sterben bevor sie verehrt werden. https://www.bonaventura.blog/2018/bernhard-shaw-die-heilige-johanna/

Im Dreiakter „Herzbrecher Haus“ kritisiert George Bernard Shaw die dekadente europäische Oberschicht vor dem Ersten Weltkrieg. Das namensgebende Haus, das wie ein Schiff gebaut ist, dient als Sinnbild für eine ziellose Gesellschaft, die untätig dem Untergang entgegensteuert. Hier stehen sich wieder nach vertrautem Muster Idealisten und Kapitalisten gegenüber. Eine Schlüsselsequenz der ironischen Komödie ist die aufgeworfenen Frage „Was haben wir anderen schon mehr als Reisekosten für unsere Lebensreise?“ (1. Akt), und „„Und das Schiff, in dem wir alle sitzen, dieses Gefängnis der Seelen, das wir England nennen?“ (2. Akt). Es handelt sich um ein statistes Drama, das von Dialogen getragen wird und kaum Handlung aufweist. Die britische Oberschicht wird scharfzüngig verspottet, während sie auf den Untergang zusteuert. Das absurde, fast schlafwandlerische Verhalten der Charaktere kurz vor dem Ersten Weltkrieg trägt stark groteske Züge. So lauten die letzten Worte im Angesicht des erneuten Bombardements „Oh, ich hoffe es.““

Foto Belinda Helmert: Einmarsch der Dersa Highlanders, die mit soldatischen Gleischritt erfolg. Die Great Highland Bagpipe wurde erst durch die Hochland-Clans zu ihrem unverkennbaren Wahrzeichen geformt und geprägt

Noch kein Kommentar, Füge deine Stimme unten hinzu!


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert